Das BGer hat ent­schie­den, dass Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen aus dem Aus­land nach Schwei­zer Recht zu qua­li­fi­zie­ren sind und sich zur Abgren­zung von steu­er­ba­ren und steu­er­frei­en Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen geäu­ssert.

Die Beschwer­de­füh­rer sind die in der Schweiz ansäs­si­gen Eltern ihres damals in den USA ansäs­si­gen, bei den Anschlä­gen vom 11. Sep­tem­ber 2001 getö­te­ten Soh­nes. Als Fol­ge des Todes ihres Soh­nes erhiel­ten die Beschwer­de­füh­rer ver­schie­de­ne Zah­lun­gen, dar­un­ter USD 350’000 von der Diners Club-Flug­un­fall­ver­si­che­rung und USD 838’000 von der UNUM Life Insuran­ce. Zudem wur­den den Beschwer­de­füh­rern aus dem vom ame­ri­ka­ni­schen Staat errich­te­ten “Sep­tem­ber 11th Vic­tim Com­pen­sa­ti­on Fund of 2001” (VCF) USD 4’189’820 für “eco­no­mic loss” sowie USD 350’000 für “non eco­no­mic loss” aus­ge­rich­tet.

Das BGer hielt zunächst fest, dass die Qua­li­fi­ka­ti­on der Zah­lun­gen des VCF nach US Recht für die steu­er­li­che Behand­lung in der Schweiz irrele­vant sei. Steu­er­pflich­ten wür­den auch bei inter­na­tio­na­len Bezie­hun­gen — wie vor­lie­gend etwa Zah­lun­gen aus dem Aus­land — regel­mä­ssig durch das natio­na­le Steu­er­recht begrün­det.

Sodann rief das BGer die (umstrit­te­ne) bun­des­ge­richt­li­che Abgren­zung zwi­schen steu­er­ba­ren ein­ma­li­gen Zah­lun­gen bei Tod einer­seits (DBG 23 lit. b) und steu­er­frei­en Lei­stun­gen infol­ge Erb­schaft, bzw. aus rück­kaufs­fä­hi­gen pri­va­ten Kapi­tal­ver­si­che­run­gen (DBG 24 lit. a resp. lit. b) ander­seits in Erin­ne­rung.

E. 5.2 Wesent­lich ist, ob die Lei­stung aus dem Ver­mö­gen des Erb­las­sers stammt und somit bereits der Erb­las­ser einen festen Anspruch dar­auf gehabt hat­te (BGE 88 I 116 E. 3b S. 120 f.). Dem­nach resul­tiert dort kei­ne Ein­kom­mens­be­steue­rung (son­dern allen­falls eine Erb­schafts­steu­er), wo das bei Ein­tritt des ver­si­cher­ten Ereig­nis­ses aus­zu­be­zah­len­de Kapi­tal auf einem Spar­vor­gang beruht, bzw. eine Rück­zah­lungs­kom­po­nen­te ent­hält und damit auf Ver­mö­gen des Erb­las­sers basiert (BGE 131 I 409 E. 5.5 ff. S. 418 ff.). Ein­ma­li­ge Zah­lun­gen aus rei­nen Risi­ko­le­bens­ver­si­che­run­gen im Todes­fall bil­den dem­ge­gen­über stets Gegen­stand der Ein­kom­mens­steu­er und nie­mals der Erb­schafts­steu­er.

Im vor­lie­gen­den Fall grün­de­ten die Zah­lun­gen der Diners Club-Ver­si­che­rung, der UNUM Life Insuran­ce sowie des VCF für “eco­no­mic loss” auf rei­nem Risi­ko­schutz und nicht auf einem Spar­vor­gang. Es han­del­te sich nicht um Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen, auf die der Ver­stor­be­ne bereits zu Leb­zei­ten einen Anspruch gehabt hät­te und die daher aus sei­nem Ver­mö­gen stam­men wür­den. Die­se Zah­lun­gen wur­den zu Recht gemäss DBG 23 lit. b i.V.m DBG 38 mit einer sepa­ra­ten Jah­res­steu­er erfasst.

Hin­ge­gen bezweck­te die unter dem Titel “non eco­no­mic loss” erfolg­te Zah­lung aus dem VCF die Kom­pen­sa­ti­on eines imma­te­ri­el­len Scha­dens, wes­we­gen sie vom kan­to­na­len Steu­er­amt auch zu Recht als steu­er­freie Lei­stung behan­delt wur­de.

Ob die aus den USA stam­men­den Ver­si­che­rungs­lei­stun­gen nach US-ame­ri­ka­ni­schem Rechts­ver­ständ­nis zunächst in den Nach­lass der Ver­stor­be­nen fie­len, ist für die steu­er­li­che Behand­lung in der Schweiz eben­so uner­heb­lich, wie wenn sol­che Lei­stun­gen in der Schweiz zunächst in den Nach­lass im zivil­recht­li­chen Sin­ne fal­len wür­den.

Michael Fischer

Posted by Michael Fischer