Die Sor­ten­or­ga­ni­sa­ti­on Appen­zel­ler Käse GmbH hat­te gestützt auf ihre Wort­mar­ke “APPENZELLER” (u.a. für Käse aus dem Appen­zell) erfolg­los Wider­spruch gegen die Mar­ke “APPENBERGER” einer Käse­rei erho­ben und klag­te anschlie­ssend beim KGer Appen­zell auf Nich­tig­erklä­rung, Unter­las­sung, Scha­den­er­satz und Urteilspu­bli­ka­ti­on. Das KGer wies die Kla­ge ab; das BGer bestä­tigt die­ses Urteil.

Strit­tig war vor allem die Beur­tei­lung der Ver­wechs­lungs­ge­fahr (MSchG 3 1 c). Das BGer fasst zunächst die gel­ten­den Kri­te­ri­en der Ver­wechs­lungs­ge­fahr zusam­men (Gefahr der Fehlzu­rech­nung bzw. der Annah­me fal­scher Zusam­men­hän­ge; Gesamt­ein­druck in der Erin­ne­rung; Berück­sich­ti­gung der gesam­ten Umstän­de; grö­sse­rer Schutz­um­fang bei grö­sse­rer Ver­kehrs­durch­set­zung). Die­se Grund­sät­ze hat­te die Vor­in­stanz nicht miss­ach­tet.

Zwar ist es frag­lich, ob die Vor­in­stanz Käse zurecht als in “der heu­ti­gen Kon­sum­ge­sell­schaft nicht mehr nur ein all­täg­li­ches Lebens­mit­tel, son­dern viel­mehr ein geschätz­tes Natur­pro­dukt mit unter­schied­li­chen Geschmacks­rich­tun­gen” bezeich­net, Käse in die Nähe eines Spe­zi­al­pro­dukts gerückt und die erwar­te­te Auf­merk­sam­keit damit erhöht hat. Das BGer konn­te die­se Fra­ge letzt­lich aber offen­las­sen, weil der Abstand der Zei­chen so oder so genüg­te:

Dem Wort “Appen­zel­ler” kommt zwar ins­ge­samt eine erhöh­te Kenn­zeich­nungs­kraft zu. Den­noch exi­stiert kein all­ge­mei­ner Grund­satz, dass bei star­ken Mar­ken Tei­li­den­ti­tät (“Appen-”) per se aus­reicht, um eine Ver­wechs­lungs­ge­fahr zu begrün­den. Wenn mit einer Mar­ke wie hier “Appen­zel­ler” ein star­ker Sinn­ge­halt ver­bun­den ist, kann die­ser Sinn­ge­halt im Gegen­teil den Gesamt­ein­druck domi­nie­ren. Dann kann sich ein genü­gen­der Abstand trotz Tei­li­den­ti­tät dar­aus erge­ben, dass die die ange­grif­fe­ne Mar­ke einen abwei­chen­den Sinn­ge­halt auf­weist. Das trifft hier mit dem Bestand­teil “-ber­ger” zu, trotz der opti­schen bzw. aku­sti­schen Nähe auf­grund des gemein­sa­men Wort­an­fangs “Appen” sowie der End­sil­be “-er”.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.