Das BGer kas­siert ein Urteil des OGer ZH im Zusam­men­hang mit der LugÜ-Voll­streckung. Das OGer hat­te die Voll­streck­bar­keit einer eng­li­schen Fre­e­zing Order (Mar­e­va Injunc­tion) zwar grund­sätz­lich bejaht:

Die Vor­in­stanz erwog wei­ter, es sei unter den genann­ten Vor­aus­set­zun­gen im All­ge­mei­nen von der Voll­streck­bar­keit einer eng­li­schen Fre­e­zing Injunc­tion aus­zu­ge­hen; dies auch dann, wenn eine sol­che mit einer sog. “Angel Bell” ver­se­hen sei, d.h. einer Anord­nung, die es dem Betrof­fe­nen erlaubt, pro Woche einen bestimm­ten Betrag für die nor­ma­len Lebens­hal­tungs­ko­sten sowie eine ange­mes­se­ne Sum­me für recht­li­chen Rat und recht­li­che Ver­tre­tung aus­zu­ge­ben.

Jedoch feh­le es im vor­lie­gen­den Fall an einem Rechts­schutz­in­ter­es­se:

Ein Rechts­schutz­in­ter­es­se, so die Vor­in­stanz wei­ter, feh­le grund­sätz­lich im Fal­le der “nack­ten” Voll­streck­bar­er­klä­rung, d.h. wenn kei­ne Voll­streckungs­mass­nah­men bean­tragt wor­den sei­en. Dies des­halb, weil die Blockie­rung des in der Schweiz lie­gen­den Gel­des bereits bei der blo­ssen Kennt­nis­ga­be von der Exi­stenz einer Fre­e­zing Order an die hie­si­gen Ban­ken “de fac­to” erreicht wer­de und die Voll­streck­bar­er­klä­rung somit kei­ne wei­ter­ge­hen­den Fol­gen aus­lö­se.

Das BGer macht mit die­ser Auf­fas­sung kur­zen Pro­zess:

Die Erwä­gung der Vor­in­stanz, wonach ein Rechts­schutz­in­ter­es­se an einer Voll­streck­bar­er­klä­rung grund­sätz­lich feh­le, wenn nicht gleich­zei­tig Voll­streckungs­mass­nah­men bean­tragt wor­den sind, ist mit den Bestim­mun­gen von Art. 31 ff. aLu­gÜ nicht ver­ein­bar. Wie die Beschwer­de­füh­re­rin­nen zutref­fend vor­brin­gen, ver­langt das Luga­no-Über­ein­kom­men gera­de nicht, dass zusam­men mit einer Voll­streck­bar­er­klä­rung stets auch Voll­streckungs­mass­nah­men bean­tragt wer­den.

Das BGer hält wei­ter fest, dass die frei­wil­li­ge Umset­zung eines aus­län­di­schen Urteils der Voll­streck­bar­er­klä­rung nicht ent­ge­gen­steht:

Im Übri­gen geht der Ein­wand der Vor­in­stanz, die Blockie­rung des in der Schweiz lie­gen­den Gel­des wer­de bereits mit der blo­ssen Kennt­nis­ga­be von der Exi­stenz einer Fre­e­zing Order an die Ban­ken “de fac­to” erreicht und die Voll­streck­bar­er­klä­rung löse somit kei­ne wei­ter­ge­hen­den Fol­gen aus, an der Sache vor­bei. Zweck der Voll­streck­bar­er­klä­rung ist es gera­de, dem aus­län­di­schen Ent­scheid alle Wir­kun­gen eines inlän­di­schen Voll­streckungs­ti­tels zu ver­lei­hen. Der Umstand, dass bestimm­ten im aus­län­di­schen Urteil ent­hal­te­nen Anord­nun­gen womög­lich bereits frei­wil­lig (d.h. ohne Zwangs­voll­streckung) nach­ge­lebt wird, steht der Voll­streck­bar­er­klä­rung nicht ent­ge­gen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.