Die Bun­des­kanz­lei hat auf ihrer Web­site das Gut­ach­ten vom 6. Dezem­ber 2011 betref­fend Gesetz- und Ver­fas­sungs­mä­ssig­keit der Expa­tria­tes-Ver­ord­nung (ExpaV) publi­ziert.

Gemäss Rege­sten kommt das Gut­ach­ten zu fol­gen­den Schlüs­sen:

Gesetz­mä­ssig­keit der ExpaV
1. Die in ExpaV 2 I und II lit. b genann­ten Kosten kön­nen als Berufs­ko­sten im Sin­ne von DBG 26 ein­ge­stuft wer­den. Als sol­che stel­len sie eine Kon­kre­ti­sie­rung von DBG 26 dar, des­sen Aus­füh­rung dem Bun­des­rat bzw. im vor­lie­gen­den Fall dem EFD obliegt. ExpaV 2 I und II lit. b ver­let­zen somit das Gesetz­mä­ssig­keits­prin­zip nicht.
2. Dem­ge­gen­über kann die Ein­stu­fung der Auf­wen­dun­gen für den Besuch einer fremd­spra­chi­gen Pri­vat­schu­le durch die min­der­jäh­ri­gen Kin­der von Expa­tria­tes und, in gerin­ge­rem Mass, der Umzugs­ko­sten (ExpaV 2 II lit. a und c) als Berufs­ko­sten in Zwei­fel gezo­gen wer­den. Sinn­vol­ler­wei­se soll­ten des­halb bei näch­ster Gele­gen­heit die DBG 26 und StHG 9 dahin­ge­hend geän­dert wer­den, dass der beson­de­ren Situa­ti­on gewis­ser Steu­er­pflich­ti­ger bei der Fest­le­gung der «übri­gen Berufs­ko­sten» Rech­nung getra­gen wird.
3. Auf­grund des kla­ren Wort­lauts von DBG 17 wäre es wün­schens­wert, wenn ExpaV 2 IV und V dahin­ge­hend geän­dert wür­den, dass die von den Arbeit­ge­bern getra­ge­nen beson­de­ren Bei­trä­ge den Ein­kom­men der Expa­tria­tes hin­zu­ge­rech­net wür­den.

Ver­fas­sungs­mä­ssig­keit der Expa­tria­tes-Ver­ord­nung
4. Die für die Expa­tria­tes mit aus­län­di­schem Wohn­sitz zuge­las­se­nen beson­de­ren Berufs­ko­sten bie­ten kei­ne Pro­ble­me hin­sicht­lich ihrer Ver­fas­sungs­mä­ssig­keit.
5. Dem­ge­gen­über sind die für die Expa­tria­tes mit schwei­ze­ri­schem Wohn­sitz zuge­las­se­nen beson­de­ren Berufs­ko­sten pro­ble­ma­tisch im Hin­blick auf die Gleich­be­hand­lung mit den schwei­ze­ri­schen Steu­er­pflich­ti­gen in ver­gleich­ba­rer Situa­ti­on. Um die­se Ungleich­be­hand­lung abzu­mil­dern, könn­te die Berufs­ko­sten­ver­ord­nung dahin­ge­hend geän­dert wer­den, dass die Umzugs­ko­sten
und die zusätz­li­chen Wohn­ko­sten der in einen ande­ren Kan­ton ent­sen­de­ten Arbeit­neh­mer abge­zo­gen wer­den kön­nen.
6. Bei der Anwen­dung von ExpaV 2 IV und V besteht poten­ti­ell ein Pro­blem hin­sicht­lich der Ver­ein­bar­keit mit dem Grund­satz der Besteue­rung nach der wirt­schaft­li­chen Lei­stungs­fä­hig­keit. Da die Bei­trä­ge der Arbeit­ge­ber an die Kosten der Expa­tria­tes nicht als deren Ein­kom­men betrach­tet wer­den, ist nicht aus­ge­schlos­sen, dass die Expa­tria­tes unter­halb ihrer wirt­schaft­li­chen Lei­stungs­fä­hig­keit besteu­ert wer­den, dies im Wider­spruch mit den in BV 127 fest­ge­leg­ten Grund­sät­zen der Besteue­rung, wenn der Arbeit­ge­ber die Bei­trä­ge nicht aus­weist. Um dies zu ver­hin­dern, wäre es ange­zeigt, die ExpaV dahin­ge­hend zu ändern, dass die von den Arbeit­ge­bern getra­ge­nen beson­de­ren Bei­trä­ge dem Ein­kom­men der Expa­tria­tes hin­zu­ge­rech­net wür­den (die die­se dann abzie­hen wür­den).

Michael Fischer

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