Im Ent­scheid setzt sich das BGer mit der “Stimmrechtsbeschwerde/u.o. ver­wal­tungs­recht­li­che Kla­ge” gegen die Eidg. Volks­ab­stim­mung vom 24. Febru­ar 2008 über das Unter­neh­mens­steu­er­re­form­ge­setz II aus­ein­an­der.

Man­gels Sub­stan­zi­ie­rung, wegen Unzu­läs­sig­keit und wegen ver­spä­te­ten Ein­rei­chens tritt das BGer nicht ein auf die Begeh­ren mit fol­gen­dem Wort­laut:

1. Die rück­wir­ken­de Wir­kung der Ände­rung des Bun­des­ge­set­zes über die Ver­rech­nungs­steu­er vom 13. Okto­ber (SR 642.21) — im Rah­men der Abstim­mung zur Unter­neh­mungs-Steu­er­re­form II vom 24. Febru­ar 2008 — Art. 5 Abs. 1bis sei auf­zu­he­ben.
2. Es sei durch das Bun­des­ge­richt und/oder Bun­des­an­walt­schaft fest­zu­stel­len, dass unter ande­rem Bund­e­rat H.R. Merz/Bundeskanzlei und Unbe­kannt (aber erwähnt u.a. BR a.D. Pas­cal Cou­ch­e­pin, BR a.D. Kas­par Vil­li­ger sowie BR Michel­le Cal­my-Rey…) mehr­fach Beweis­un­ter­la­gen unterdrückten/vernichteten (u.a. eine Ein­ga­be an das Bun­des­straf­ge­richt in Bel­lin­zo­na).
3. Es sei die unent­gelt­li­che Pro­zess­füh­rung zu gewäh­ren.

Das BGer aner­kennt einen ver­fas­sungs­mä­ssi­gen Anspruch auf

Über­prü­fung der Regu­la­ri­tät einer Volks­ab­stim­mung (vgl. BV 29 I und BV 29a), wenn im Nach­hin­ein erheb­li­che Män­gel bekannt wer­den und wenn Tat­sa­chen und Beweis­mit­tel vor­ge­bracht wer­den, die im Zeit­raum der Abstim­mung nicht bekannt waren, die aus recht­li­chen oder tat­säch­li­chen Grün­den nicht gel­tend gemacht wer­den konn­ten oder die man­gels Ver­an­las­sung nicht gel­tend gemacht wer­den muss­ten. (E. 4.2)

Ein ent­spre­chen­des Ver­fah­ren wäre grund­sätz­lich bei der Kan­tons­re­gie­rung ein­zu­lei­ten (BGE 137 II 177) und neu ent­deck­te Tat­sa­chen sind unver­züg­lich gel­tend zu machen.

Hier wur­de das BGer direkt ange­ru­fen. Ob das zuläs­sig sein kann, hat das BGer offen gelas­sen, da der Beschwer­de­füh­rer ver­spä­tet gehan­delt hat.

Anfangs März 2011 wur­de bekannt, dass zahl­rei­che Unter­neh­men von den Mög­lich­kei­ten der Unter­neh­mens­steu­er­re­form Gebrauch machen wür­den und dass dadurch für den Bund beträcht­li­che Steu­er­aus­fäl­le ent­stün­den. Anläss­lich einer Fra­ge­stun­de im Natio­nal­rat (und einer Pres­se­kon­fe­renz vom 14. März 2011 bestä­tig­te Bun­des­rä­tin Wid­mer-Schlumpf, dass die Steu­er­aus­fäl­le wesent­lich höher aus­fal­len wür­den als ange­nom­men. Dar­über berich­te­ten die Medi­en aus­gie­big. Der Beschwer­de­füh­rer nimmt expli­zit dar­auf Bezug. Er erwähnt zudem die Vor­keh­ren, die Natio­nal­rä­tin Mar­gret Kie­ner Nel­len unter­nom­men hat. Die­se reich­te am 17. März 2011 beim Regie­rungs­rat des Kan­tons Bern Beschwer­de ein. Zudem hat Natio­nal­rat Dani­el Jositsch am 16. März 2011 beim Regie­rungs­rat des Kan­tons Zürich Beschwer­de erho­ben. Auch dar­über war in der Pres­se berich­tet wor­den.

Der Beschwer­de­füh­rer hat sei­ne Beschwer­de dem Bun­des­ge­richt am 10. April 2011 ein­ge­reicht. Vor dem dar­ge­leg­ten zeit­li­chen Hin­ter­grund kann auch bei gross­zü­gi­ger Anwen­dung der Frister­for­der­nis­se nach dem Bun­des­ge­setz über die poli­ti­schen Rech­te nicht gesagt wer­den, der Beschwer­de­füh­rer hät­te sei­ne Beschwer­de unver­züg­lich erho­ben. Von der Ein­hal­tung der drei­tä­gi­gen Frist gemäss BPR 77 II ist die Beschwer­de weit ent­fernt.

Sie­he auch die ande­ren bei­den Ent­schei­de zum Unter­neh­mens­steu­er­re­form­ge­setz II: 1C_176/2011 (amtl. Publ.) und 1C_182/2011.

Michael Fischer

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