Ein vom BGer geschütz­tes Urteil des HGer ZH zeigt, dass es gefähr­lich sein kann, bei Ver­trags­ver­hand­lun­gen Vor­schlä­ge zu machen, die zu weit gehen und dann von der Gegen­sei­te expli­zit abge­lehnt wer­den. Das Feh­len des abge­lehn­ten Vor­schlags im Ver­trag kann dann – da der Vor­schlag ja Ver­hand­lungs­ge­gen­stand war – als qua­li­fi­zier­tes Schwei­gen ver­stan­den wer­den.

So war es auch im vor­lie­gen­den Fall. Zu beur­tei­len war ein Mak­ler­ver­trag, der u.a. vor­sah, dass die Auf­trag­ge­be­rin Kun­den, die sie selbst akqui­riert hat­te, dem Mak­ler zur wei­te­re Ver­hand­lung und zum Ver­trags­ab­schluss wei­ter­zu­lei­ten waren; in die­sem Fall hat­te der Mak­ler einen redu­zier­ten Pro­vi­si­ons­an­spruch.

Strit­tig war u.a., ob die­se Wei­ter­lei­tungs­pflicht auch für einen ganz bestimm­ten Kun­den galt, den die Auf­trag­ge­be­rin — mit Wis­sen des Mak­lers — bereits wäh­rend der Ver­hand­lun­gen des Ver­trags im Auge hat­te (Vor­kennt­nis).Das HGer kam auf­grund von Äusse­run­gen wäh­rend der Ver­trags­ver­hand­lun­gen zum Ergeb­nis, dass sich die Wei­ter­lei­tungs­pflicht auch auf die­sen Kun­den erstreck­te. Eine sol­che Ver­ein­ba­rung kann wirk­sam geschlos­sen wer­den, weil das Kau­sa­li­täts­er­for­der­nis iSv OR 413 I dis­po­si­tiv ist. Die Auf­trag­ge­be­rin hat­te näm­lich zuerst eine Rege­lung vor­ge­schla­gen, wonach ein Abschluss mit bestimm­ten Inter­es­sen­ten, u.a. dem spä­te­ren Käu­fer, kei­ne Pro­vi­si­ons­pflicht aus­lö­se. Die Mak­le­rin hat­te dies expli­zit abge­lehnt und als Gegen­vor­schlag die dann akzep­tier­te und ver­ein­bar­te  Wei­ter­lei­tungs­pflicht unter­brei­tet. Dass die Kun­den­grup­pe, in die der spä­te­re Käu­fer fiel, davon nicht mehr aus­ge­nom­men war, muss­te vor dem Hin­ter­grund der Ver­trags­ver­hand­lun­gen als qua­li­fi­zier­tes Schwei­gen ver­stan­den wer­den.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.