Die OECD-Arbeits­grup­pe zur Kor­rup­ti­ons­be­kämp­fung (Working Group on Bri­be­ry) hat Ende ver­gan­ge­ner Woche ihren Län­der­be­richt über die Schweiz ver­öf­fent­licht, wor­in ins­be­son­de­re die Straf­ver­fol­gung, die Sank­tio­nie­rung und die Prä­ven­ti­ons­be­mü­hun­gen im Bereich der Bestechung frem­der Amts­trä­ger unter­sucht und ver­schie­de­ne Emp­feh­lun­gen abge­ge­ben wer­den.

In ihrem Bericht wür­digt die OECD die erst­ma­li­ge Ver­ur­tei­lung eines Unter­neh­mens wegen Bestechung frem­der Amts­trä­ger (Alstom) und das pro­ak­ti­ve Vor­ge­hen der Schweiz bei der Beschlag­nah­me, Ein­zie­hung sowie Rück­ga­be unrecht­mä­ssig erwor­be­ner Ver­mö­gens­wer­te. Die OECD aner­kennt den wesent­li­chen Bei­trag schwei­ze­ri­scher Behör­den bei der Gewäh­rung von Rechts­hil­fe und die seit Janu­ar 2011 gel­ten­den neu­en Bestim­mun­gen des Bun­des­per­so­nal­ge­set­zes (BPG), wonach die Mehr­heit der Bun­des­an­ge­stell­ten ver­pflich­tet sind, Ver­bre­chen und Ver­ge­hen anzu­zei­gen, von denen sie im Rah­men ihrer beruf­li­chen Tätig­kei­ten Kennt­nis erhal­ten.

Die OECD bedau­ert hin­ge­gen, dass es trotz zahl­reich eröff­ne­ter Straf­ver­fah­ren bis­her noch nicht mehr Ver­ur­tei­lun­gen wegen Aus­lands­kor­rup­ti­on gege­ben hat. Fer­ner wird ange­regt, mit­hil­fe syste­ma­ti­scher Mecha­nis­men die­je­ni­gen Unter­neh­men, die wegen Bestechung frem­der Amts­trä­ger ver­ur­teilt wor­den sind, von der Ver­ga­be öffent­li­cher Auf­trä­ge sowie öffent­li­cher Ent­wick­lungs­hil­fe aus­zu­schlie­ssen. Zudem wird die Schweiz ange­hal­ten, ihre Poli­tik gegen­über gering­fü­gi­gen Schmier­geld­zah­lun­gen zu über­prü­fen und den Schutz von Hin­weis­ge­bern (Whist­leb­lo­wing) auch im Pri­vat­sek­tor gesetz­lich zu ver­an­kern.

Die OECD eva­lu­iert die Mit­glied­staa­ten der OECD-Kon­ven­ti­on zur Bekämp­fung der Bestechung aus­län­di­scher Amts­trä­ger im inter­na­tio­na­len Geschäfts­ver­kehr regel­mä­ssig im Hin­blick auf die Umset­zung der Kon­ven­ti­on. Die Schweiz unter­zog sich zum drit­ten Mal einer sol­chen Prü­fung (sog. Län­der­ex­amen der Pha­se 3) und wird in den kom­men­den Jah­ren wei­ter über die Umset­zung der Emp­feh­lun­gen Bericht erstat­ten.

Sie­he auch die Liste der Emp­feh­lun­gen der OECD-Arbeits­grup­pe, wel­che das Staats­se­kre­ta­ri­at für Wirt­schat (SECO) in einer inof­fi­zi­el­len Über­set­zung puli­ziert hat, sowie die Bericht­erstat­tung der NZZ, die auf die beson­de­re Bri­sanz des Län­der­be­richts im Hin­blick auf die Hil­de­brand-Affä­re hin­weist.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.