Der Beschwer­de­füh­rer war Allein­ak­tio­när und VR-Prä­si­dent der Z. AG in Liqui­da­ti­on. Nach Auf­fas­sung des Steu­er­amts SO schul­de­te der Beschwer­de­füh­rer sub­stan­ti­el­le Steu­er­be­trä­ge für die Jah­re 2005 bis 2009. Die Steu­er­for­de­run­gen waren haupt­säch­lich dar­auf zurück­zu­füh­ren, dass das Steu­er­amt in einem Dar­le­hens­ver­hält­nis zwi­schen der Z. AG und dem Beschwer­de­füh­rer eine geld­wer­te Lei­stung erblick­te. Ver­schie­de­ne rechts­kräf­tig ver­an­lag­te Steu­er­an­sprü­che blie­ben unbe­zahlt und wur­den in Betrei­bung gesetzt. Schliess­lich erliess das Steu­er­amt SO eine Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung, wor­auf in der Fol­ge sämt­li­che Ver­mö­gens­wer­te des Beschwer­de­füh­rers ver­ar­re­stiert wur­den.

Der Beschwer­de­füh­rer wehr­te sich dage­gen. Das BGer wies in sei­nem Ent­scheid die Beschwer­de ab.

Das BGer erin­nert dar­an, dass die kan­to­na­le Ver­wal­tung für die direk­te Bun­des­steu­er, auch vor der rechts­kräf­ti­gen Fest­stel­lung des Steu­er­be­tra­ges, jeder­zeit Sicher­stel­lung ver­lan­gen kann, sofern der Steu­er­pflich­ti­ge kei­nen Wohn­sitz in der Schweiz hat oder die Bezah­lung der von ihr geschul­de­ten Steu­er als gefähr­det erscheint. Die Sicher­stel­lungs­ver­fü­gung gibt den sicher­zu­stel­len­den Betrag an und ist sofort voll­streck­bar. Sie hat im Betrei­bungs­ver­fah­ren die glei­chen Wir­kun­gen wie ein voll­streck­ba­res Gerichts­ur­teil (vgl. DBG 169 I).

Das BGer prüf­te mit beschränk­ter Kogni­ti­on und kam zum Schluss, die kan­to­na­len Behör­den hät­ten nicht will­kür­lich gehan­delt. So war ins­be­son­de­re die Qua­li­fi­ka­ti­on des Dar­le­hens der AG an ihren Allein­ak­tio­när als geld­wer­te Lei­stung nicht zu bean­stan­den.

Dar­le­hen zwi­schen AG und Aktio­när kön­nen eine geld­wer­te Lei­stung dar­stel­len, soweit sie dem Dritt­ver­gleich nicht stand­hal­ten. Als Anhalts­punk­te, die dafür spre­chen, dass das Dar­le­hen einer Dritt­per­son über­haupt nicht oder zumin­dest nicht in der gewähl­ten Form gewährt wor­den wäre, fal­len ver­schie­de­ne Kri­te­ri­en in Betracht. Hier von Bedeu­tung sind nament­lich die Höhe der Dar­le­hens­sum­me im Ver­hält­nis zu den Eigen­mit­teln des Bor­gers, das Feh­len von Sicher­hei­ten und von Bestim­mun­gen über die Rück­zah­lung des Dar­le­hens, eben­so die tat­säch­lich feh­len­de Rück­zah­lung oder die Tat­sa­che, dass die Dar­le­hens­zin­sen nicht bezahlt bzw. zum Kapi­tal geschla­gen wer­den.

Vor­lie­gend hat­te das Dar­le­hen die Höhe von Fr. 3’817’000 erreicht und war in fort­dau­ern­dem Wach­sen begrif­fen. Das liess unschwer erken­nen, dass eine weit­ge­hen­de Amor­ti­sa­ti­on nicht ohne Wei­te­res denk­bar gewe­sen wäre. Gegen­über dem Beschwer­de­füh­rer bestan­den Pfän­dungs­ver­lust­schei­ne aus dem Steu­er­jahr 2007, und es waren wei­te­re Steu­er­be­trei­bun­gen im Gang. 

Es dürf­te sich, was hier im Rah­men der Will­kür­prü­fung nicht wei­ter zu ver­tie­fen ist, gera­de­zu um ein eigent­li­ches Kon­sum­dar­le­hen gehan­delt haben, also ein Dar­le­hen, das dem Aktio­när “in sei­ner Eigen­schaft als Pri­vat­mann” gewährt (LOUIS BOCHUD, Dar­le­hen an Aktio­nä­re, 1991, S. 121) und die­sem lang­fri­stig, wenn nicht sogar dau­er­haft, zu gün­sti­gen Bedin­gun­gen und zwecks Bestrei­tung der Lebens­hal­tungs­ko­sten ein­ge­räumt wur­de.

Michael Fischer

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