Die Gül­tig­keit des nach­ver­trag­li­chen arbeits­recht­li­chen Kon­kur­renz­ver­bots nach OR 340 setzt u.a. vor­aus, dass der Arbeit­neh­mer den Arbeit­ge­ber durch die Ver­wen­dung sei­ner Kennt­nis­se von Kun­den­kreis oder von Fabri­ka­ti­ons- und Geschäfts­ge­heim­nis­sen schä­di­gen könn­te.

Nach der Recht­spre­chung trifft dies nicht zu,

  • wenn die Bezie­hun­gen zwi­schen Kun­den und Arbeit­ge­ber stark per­sön­lich geprägt sind (denn dann wech­seln die Kun­den nicht); oder
  • wenn die Bezie­hun­gen zwi­schen Kun­den und Arbeit­neh­mer stark per­sön­lich geprägt sind (denn dann wech­seln die Kun­den nicht als Fol­ge der beson­de­ren Kennt­nis­se des Arbeit­neh­mers; es fehlt am erfor­der­li­chen Kau­sal­zu­sam­men­hang).

Die­se zwei­te Aus­nah­me hat das BGer im Urteil 4C.100/2006 für freie Beru­fe im all­ge­mei­nen und für eine Zahn­ärz­tin im beson­de­ren bejaht:

Das Bun­des­ge­richt geht jedoch nach all­ge­mei­ner Lebens­er­fah­rung davon aus, dass bei den frei­en Beru­fen die per­sön­li­che Sei­te der Bezie­hung zur Kund­schaft von ganz beson­de­rer Bedeu­tung is […] Zusam­men­fas­send ist das Kon­kur­renz­ver­bot vor­lie­gend nicht zuläs­sig, da die Per­sön­lich­keit des Beklag­ten für die Bezie­hung zu den Pati­en­ten von ent­schei­den­der Bedeu­tung ist und dem­nach den erfor­der­li­chen Kau­sal­zu­sam­men­hang zwi­schen dem Ein­blick in den Kun­den­kreis und der Mög­lich­keit einer erheb­li­chen Schä­di­gung zu unter­bre­chen ver­mag.

Im vor­lie­gen­den Urteil prä­zi­siert das BGer die­se Recht­spre­chung zunächst in all­ge­mei­ner Hin­sicht:

Une tel­le situa­ti­on sup­po­se que le tra­vail­leur four­nis­se une pre­sta­ti­on qui se carac­té­ri­se sur­tout par ses capa­cités per­son­nel­les, de tel­le sor­te que le cli­ent atta­che plus d’importance aux capa­cités per­son­nel­les de l’employé qu’à l’identité de l’employeur. […]

Pour admett­re une tel­le situa­ti­on — qui exclut la clau­se de pro­hi­bi­ti­on de con­cur­rence -, il faut que l’employé four­nis­se au cli­ent une pre­sta­ti­on qui se carac­té­ri­se par une for­te com­po­san­te per­son­nel­le. Dire si tel est le cas dépend des cir­con­stan­ces […]

Auf die­ser Grund­la­ge hält das BGer fest, dass auch im Bereich von Manage­ment-Kur­sen (Coa­ching für Füh­rungs­kräf­te u.a im Per­so­nal­we­sen) das per­sön­li­che Ele­ment über­wie­gen dürf­te. Das Beweis­er­geb­nis hat­te will­kürfrei erge­ben, dass sich die Kun­den zu 70% auf­grund per­sön­li­cher Eigen­schaf­ten für einen bestimm­ten Coach ent­schei­den. Das Kon­kur­renz­ver­bot war damit ungül­tig:

Pour des sémin­aires de for­ma­ti­on, on conçoit faci­le­ment que les entre­pri­ses cli­en­tes atta­chent une import­an­ce prépon­dé­ran­te à la capa­cité de l’animateur d’attirer l’attention, de s’exprimer clai­re­ment et de trans­mett­re un messa­ge que l’auditoire reti­en­dra. […] Sur cet­te base, il faut con­clu­re qu’exploiter la seu­le con­nais­sance de la cli­en­tè­le ne suf­fi­sait pas pour cau­ser un préju­di­ce sen­si­ble à l’employeur et que le préju­di­ce subi découle au con­trai­re, de maniè­re prépon­dé­ran­te, des capa­cités per­son­nel­les des tra­vail­leurs.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.