Ein Drit­ter kann durch ein Urkun­den­de­likt (Art. 251  ff. StGB) unmit­tel­bar ver­letzt sein und damit als Geschä­dig­ter im Sin­ne nach Art. 115 Abs. 1 StPO gel­ten, der sich gemäss Art. 118 Abs. 1 StPO als Pri­vat­klä­ger am Straf­ver­fah­ren betei­li­gen kann. Zu die­sem Schluss kommt das Bun­des­ge­richt im Urteil 6B_26/2012 vom 16. Febru­ar 2012.

Zur Begrün­dung ver­weist das Bun­des­ge­richt auf sei­ne Recht­spre­chung, wonach die Tat­be­stän­de des Urkun­den­straf­rechts zwar vor­ran­gig die Sicher­heit und Zuver­läs­sig­keit des Rechts­ver­kehrs mit Urkun­den sowie das öffent­li­che Ver­trau­en in den Urkun­den­be­weis schüt­zen – aber nicht nur:

2.4 […] Die Fäl­schungs­de­lik­te schüt­zen damit in erster Linie die All­ge­mein­heit, dane­ben aber auch pri­va­te Geschäfts­in­ter­es­sen des Ein­zel­nen (BGE 92 IV 44). Eine Schä­di­gung von Indi­vi­dual­in­ter­es­sen durch ein Urkun­den­de­likt ist mög­lich, nament­lich wenn es Bestand­teil eines schä­di­gen­den Ver­mö­gens­de­likts bil­det (BGE 119 Ia 342 E. 2b; sie­he auch BGE 120 Ia 220 E. 3b).

Im vor­lie­gen­den Fall konn­te der Beschwer­de­füh­rer aber nicht aus­rei­chend dar­le­gen, inwie­fern er durch das Erschlei­chen einer fal­schen Beur­kun­dung (Art. 253 StGB) in sei­nen Rech­ten beein­träch­tigt sein könn­te. Er ist mit­hin kei­ne geschä­dig­te Per­son und kein Pri­vat­klä­ger, folg­lich auch nicht zur Beschwer­de in Straf­sa­chen gemäss Art. 81 Abs. 1 lit. b Ziff. 5 BGG legi­ti­miert.

Juana Vasella

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RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.