Die mit der OECD ver­bun­de­ne Grou­pe d’Action finan­ciè­re (Gafi) bzw. Finan­ci­al Action Task Force on Money Laun­de­ring (FATF), eine zwi­schen­staat­li­che Orga­ni­sa­ti­on zur Bekämp­fung von Geld­wä­sche­rei und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung mit Sitz in Paris, hat gestern die Revi­si­on der glo­ba­len Stan­dards zur Bekämp­fung der Geld­wä­sche­rei ver­ab­schie­det.

Die Emp­feh­lun­gen der FATF wer­den welt­weit von über 180 Staa­ten ange­wandt. Die revi­dier­ten Stan­dards berück­sich­ti­gen aktu­el­le Ent­wick­lun­gen und sol­len die natio­na­len Behör­den befä­hi­gen, effek­ti­ve­re Mass­nah­men auf allen Ebe­nen zu ergrei­fen. Dabei geht es um die Iden­ti­fi­zie­rung der Bank­kun­den, die Ermitt­lun­gen, die Ankla­ge­er­he­bung und die Beschlag­nah­mung von Ver­mö­gen.

Jeder Staat bzw. jede Juris­dik­ti­on ver­fügt dabei über Frei­raum bei der Umset­zung. Den­noch kön­nen die revi­dier­ten Leit­li­ni­en für die Schweiz erheb­li­che Aus­wir­kun­gen zei­ti­gen. Denn in der Liste der Straf­ta­ten, die Abklä­run­gen zur Geld­wä­sche aus­lö­sen sol­len, wer­den von der FATF neu “tax cri­mes (rela­ted to direct taxes and indi­rect taxes)” auf­ge­führt. Nach die­ser Richt­li­nie sol­len Steuer­de­lik­te in Zukunft als Vor­ta­ten zur Geld­wä­sche­rei geahn­det wer­den. Aus schwei­ze­ri­scher Sicht wird in der Fol­ge zu regeln sein, wie klar sich die Tren­nung von Steu­er­be­trug und Steu­er­hin­ter­zie­hung wei­ter auf­recht­erhal­ten lässt. Ein wei­te­rer Punkt, den die FATF revi­diert hat, betrifft das Akti­en­recht. Danach soll künf­tig anzu­ge­ben sein, wer hin­ter Trans­ak­tio­nen, Kon­ten und Fir­men steht. Die­se Neu­re­ge­lung berührt den Sta­tus von Inha­ber­ak­tio­nä­ren.

NZZ-Online kom­men­tiert die ver­schärf­ten Richt­li­ni­en:

Die Stoss­rich­tung der Revi­si­on ist klar: mehr Trans­pa­renz, mehr Kon­trol­len, brei­te­re Erfas­sung. Die Effek­te wer­den sich erst nach eini­ger Zeit ein­schät­zen las­sen.
Die auf­fäl­lig­ste Ver­än­de­rung aus Schwei­zer Sicht betrifft den Ein­be­zug von Steu­er­straf­de­lik­ten in der Liste der Vor­ta­ten zur Geld­wä­sche­rei. Ban­ken, Ver­si­che­rer und ande­re Finanz­in­ter­me­diä­re müs­sen somit künf­tig bei Ver­dacht auf sol­che Delik­te eine Mel­dung an die Geld­wä­scher­ei­mel­de­stel­le machen – wel­che dann unter Umstän­den auch aus­län­di­sche Mel­de­stel­len infor­mie­ren muss. […] Ent­ge­gen den Wün­schen gewis­ser Län­der wie Frank­reich sind nur Steu­er­straf­de­lik­te betrof­fen, und deren Defi­ni­ti­on ist den ein­zel­nen Staa­ten über­las­sen. In der Schweiz ist eine Erfas­sung von Steu­er­be­trug ab einer gewis­sen Delikt­sum­me und von schwe­rer Steu­er­hin­ter­zie­hung im Gespräch, doch inter­ne Debat­ten ste­hen noch bevor. Die Abgren­zung zwi­schen «schwe­ren» und «leich­ten» Delik­ten dürf­te jeden­falls für den Finanz­sek­tor zu einem Pro­blem wer­den.
Bemer­kens­wert an den neu­en Richt­li­ni­en ist auch die Ver­an­ke­rung der Pflicht für Finanz­in­sti­tu­te, die wirt­schaft­lich Berech­tig­ten hin­ter Fir­men­kon­struk­ten, Trusts oder ande­ren Vehi­keln zu eru­ie­ren. […] Die Schweiz hat hier einen gewis­sen Reform­be­darf bei der Iden­ti­fi­ka­ti­on der Eigen­tü­mer von Inha­ber­ak­ti­en nicht­bör­sen­ko­tier­ter Fir­men, doch das Kon­strukt der Inha­ber­ak­tie wird über­le­ben kön­nen.

Sie­he auch die wei­te­ren NZZ-Bei­trä­ge (hier und hier).

Juana Vasella

Posted by Juana Vasella

RA Dr. Juana Vasella ist Habilitandin, Oberassistentin und Lehrbeauftragte an der Universität Luzern sowie Co-Direktorin der Kompetenzstelle für Logistik- und Transportrecht KOLT. Daneben ist sie als Konsulentin für MME Legal | Tax | Compliance tätig. Zuvor hat Juana Vasella an der TU Dresden, der Universität Zürich und der Bucerius Law School sowie bei CMS von Erlach Poncet AG gearbeitet.