Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (WEKO) gibt mit Medi­en­mit­tei­lung vom 17. Febru­ar 2012 bekannt, dass die Ver­trä­ge zu den Glas­fa­ser-Koope­ra­tio­nen in den Städ­ten Genf sowie im Kan­ton Frei­burg har­te Kar­tel­lab­re­den beinhal­ten und des­halb nicht im vor­aus sank­ti­ons­be­freit wer­den kön­nen. Kon­kret ent­hal­ten die Ver­trä­ge zu bei­den Koope­ra­tio­nen nach den Fest­stel­lun­gen des Sekre­ta­ria­tes der WEKO (Sekre­ta­ri­at) Klau­seln, wel­che Abre­den über Prei­se und Men­gen beinhal­ten.
Im Kan­ton Frei­burg haben sich Swis­s­com und das Strom­un­ter­neh­men Grou­pe E für eine Koope­ra­ti­on in der Form eines Gemein­schafts­un­ter­neh­mens ent­schie­den, wel­ches der WEKO ursprüng­lich als Zusam­men­schluss gemel­det wor­den war. Nach den dama­li­gen Fest­stel­lun­gen der WEKO war die Zusam­men­schluss­kon­trol­le aber nicht anwend­bar, da im Rah­men des Gemein­schafts­un­ter­neh­mens kei­ne von den bei­den Mut­ter­häu­sern unab­hän­gi­ge Geschäfts­tä­tig­keit vor­ge­se­hen war. Aus die­sem Grund hat­te die WEKO anstel­le der Prü­fung des Zusam­men­schluss­vor­ha­bens eine Vor­ab­klä­rung eröff­net und eine Prü­fung nach den­sel­ben Bestim­mun­gen in Aus­sicht gestellt, wie für die ande­ren Koope­ra­tio­nen auch (vgl. die Medi­en­mit­tei­lung der WEKO vom 29. April 2011). Die vom Sekre­ta­ri­at nun bean­stan­de­ten Klau­seln sahen unter ande­rem für Vor­lei­stungs­pro­duk­te eine für rund 40 Jah­re fixe Ver­kaufs­prei­se und Min­dest­ab­nah­me­men­gen vor.
In der Stadt Genf haben Swis­s­com und SIG den Koope­ra­ti­ons­ver­trag der WEKO gemel­det und die kri­ti­schen Ver­trags­klau­seln vor­ab prü­fen las­sen, um so eine Sank­ti­ons­be­frei­ung für die gesam­te Ver­trags­lauf­zeit von rund 40 Jah­ren zu erlan­gen. Der gemel­de­te Ver­trag sah unter ande­rem Aus­gleichs­zah­lun­gen vor, wel­che den Anreiz der Part­ner, die vol­le Kapa­zi­tät der Netz­in­fra­struk­tur zu nut­zen, schwä­chen könn­ten. Nach Anga­ben des Sekre­ta­ria­tes haben die Koope­ra­ti­ons­part­ner “trotz inten­si­ver Gesprä­che” kei­ne Mög­lich­keit gese­hen, alle vom Sekre­ta­ri­at als wett­be­werbs­recht­lich bedenk­lich ein­ge­stuf­ten Klau­seln abzu­än­dern. Es sei aller­dings zu begrü­ssen, dass ein­ge­denk des Schluss­be­rich­tes des Sekre­ta­ria­tes vom 5. Sep­tem­ber 2011 zu ande­ren Glas­fa­ser-Koope­ra­tio­nen auf eine Klau­sel ver­zich­tet wor­den sei, wel­che zu einem Min­dest­preis hät­te füh­ren kön­nen.
Im Sep­tem­ber 2011 hat­te das Sekre­ta­ri­at bereits in den Ver­trä­gen zu den Glas­fa­ser-Koope­ra­tio­nen zwi­schen Swis­s­com und den Elek­tri­zi­täts­wer­ken der Städ­te Basel, Bern, Luzern, St. Gal­len und Zürich har­te Kar­tel­lab­re­den fest­ge­stellt und den Par­tei­en eine Sank­ti­ons­be­frei­ung ver­sagt (vgl. unse­ren Bei­trag). Wie die WEKO in ihrer Medi­en­mit­tei­lung vom 17. Febru­ar 2012 nun eben­falls ver­lau­ten lässt, sind die Ver­trä­ge in Basel, Bern, Luzern und Zürich im Anschluss an die dama­li­gen Fest­stel­lun­gen des Sekre­ta­ria­tes ange­passt wor­den.
Abschlie­ssend beton­te die WEKO in ihrer Medi­en­mit­tei­lung, dass die Glas­fa­ser-Koope­ra­tio­nen mit Abschluss des Ver­fah­rens durch das Sekre­ta­ri­at nicht ver­bo­ten sei­en und der Bau der Glas­fa­ser-Net­ze nicht behin­dert wer­de. Das Sekre­ta­ri­at sor­ge viel­mehr dafür, dass der Wett­be­werb spie­len kön­ne und dies die Rah­men­be­din­gung für die Nut­zung der Netz­wer­ke der näch­sten Gene­ra­ti­on bil­de. Soll­te es beim Betrieb der Net­ze zu Wett­be­werbs­ver­stö­ssen kom­men, wer­de die WEKO ein­grei­fen.
Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Medi­en­mit­tei­lung vom 17. Febru­ar 2012 (PDF).
Oliver Kaufmann

Posted by Oliver Kaufmann

RA Dr. Oliver Kaufmann hat an der Universität Zürich studiert und war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Sekretariat der WEKO tätig. Er arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei Streichenberg in Zürich.