In einem Streit aus einem Agen­tur­ver­trag, der durch die Agen­tin zu Unrecht frist­los been­det wur­de, ver­wei­gert das BGer eine Kund­schafts­ent­schä­di­gung iSv OR 418u I:

Das BGer hielt es im kon­kre­ten Fall für erstellt, dass die Ver­trags­ver­let­zun­gen der Auf­trag­ge­be­rin “nicht beson­ders schwer­wie­gend” waren und dass nicht aus­zu­schlie­ssen war, dass die Unstim­mig­kei­ten
hät­ten berei­nigt wer­den kön­nen, wenn die Beschwer­de­füh­re­rin sich bei der
Beschwer­de­geg­ne­rin dar­um bemüht hät­te. Die Vor­in­stanz, das HGer ZH, durf­te hier anneh­men, dass die Ver­trags­be­en­di­gung infol­ge der unge­recht­fer­tig­ten frist­lo­sen Kün­di­gung durch den Agen­ten unter sol­chen Umstän­den eine dem Agen­ten “zuzu­rech­nen­de” Auf­lö­sung dar­stellt, so dass ein Anspruch auf Kund­schafts­ent­schä­di­gung ver­fal­len ist. Dies gilt, obwohl eine unge­recht­fer­tig­te frist­lo­se Kün­di­gung nicht per se beu­de­tet, dass jeg­li­cher Ent­schä­di­gungs­an­spruch nach OR 418u I ver­fällt.

Nur still­schwei­gend bestä­tigt das BGer damit sei­ne von der Leh­re kri­ti­sier­te Recht­spre­chung, dass eine auch unge­recht­fer­tig­te frist­lo­se Kün­di­gung sofor­ti­ge Been­di­gungs­wir­kung hat.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.