Das BGer kas­siert ein Urteil des OGer TG, das auf eine Beru­fung wegen Frist­ab­laufs nicht ein­ge­tre­ten war. Der Beschwer­de­füh­rer hat­te in einer Miet­strei­tig­keit in sei­ner Ant­wort auf ein Gesuch um Rechts­schutz in kla­ren Fäl­len am Tex­ten­de in fet­ter Schrift und gelb mar­kiert auf Feri­en­ab­we­sen­heit hin­ge­wie­sen. Den­noch wur­de ihm das Urteil in die­ser Zeit zuge­stellt. wor­auf er die Beru­fungs­frist ver­pass­te. Das OGer TG nahm sein Gesuch auf Wie­der­her­stel­lung der Beru­fungs­frist als Beru­fung ent­ge­gen und trat wegen Frist­ab­laufs nicht auf die Sache ein.

Das OGer TG war für den Frist­be­ginn von der Zustel­lung des Urteils aus­ge­hen, mit der Begrün­dung, der Feri­en­hin­weis hät­te zu Beginn der Gesuchs­ant­wort ange­bracht wer­den müs­sen, ver­se­hen mit einem “pro­zes­sua­len Antrag auf Ver­schie­bung der Spe­di­ti­on”.

Das BGer weist die­se Sicht zurück:

Die Vor­in­stanz hat ver­bind­lich fest­ge­stellt, dass der Beschwer­de­füh­rer den Hin­weis auf sei­ne Feri­en­ab­we­sen­heit vom 15. Juli bis zum 5. August 2011 am Ende sei­ner Gesuchs­ant­wort mit fett gedruck­ter Schrift ver­fasst und zudem mit gel­ber Mar­kie­rung her­vor­ge­ho­ben hat. Selbst ein unauf­merk­sa­mer und unsorg­fäl­ti­ger Leser hät­te die­sen Hin­weis nicht über­se­hen kön­nen. Es kann von einer nicht anwalt­lich ver­tre­te­nen Par­tei nicht ver­langt wer­den, einen sol­chen Hin­weis zu Beginn der Rechts­schrift anzu­brin­gen und mit einem for­mel­len Antrag auf Ver­schie­bung der Zustel­lung zu ver­se­hen.

Die Vor­in­stanz hät­te den Ver­sand der frist­aus­lö­sen­den Mit­tei­lung daher ver­schie­ben müs­sen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.