Das BGer bestä­tigt die Abset­zung eines Wil­lens­voll­streckers auf­grund schwe­rer Pflicht­ver­let­zun­gen. Zunächst fasst es sei­ne die­be­züg­li­che Recht­spre­chung zusam­men, wonach feh­len­de “per­sön­li­che Eig­nung” zur Abset­zung führt, wenn

  • das Ver­hal­ten eines Wil­lens­voll­streckers, einen Tat­be­stand der Erbun­wür­dig­keit erfüllt
  • ein Wil­lens­voll­strecker man­gels fach­li­cher Kennt­nis­se unfä­hig ist, sein Amt per­sön­lich wahr­zu­neh­men
  • ein Wil­lens­voll­strecker sich als ver­trau­ens­un­wür­dig erweist, sei es, dass er finan­zi­el­le Mit­tel aus dem Nach­lass eigen­mäch­tig sei­nem eige­nen Kon­to gut­schreibt, statt die Gel­der zins­brin­gend auf einem Kon­to der Erb­las­se­rin anzu­le­gen, oder sei es, dass er son­sti­ge “Misch­ge­schäf­te” (z.B. einen Über­brückungs­kre­dit an Drit­te) tätigt und sein Pri­vat­ver­mö­gen vom Nach­lass nicht klar abgrenzt

Der Ver­lust der Ver­trau­ens­wür­dig­keit sei oft auf Inter­es­sen­kol­li­sio­nen des Wil­lens­voll­streckers zurück­zu­füh­ren, etwa wenn

  • der Wil­lens­voll­strecker auf­grund sei­ner engen Bezie­hung zu ein­zel­nen Erben oder inter­es­sier­ten Dritt­per­so­nen sei­ne Rechen­schafts- und Infor­ma­ti­ons­pflicht ver­nach­läs­sigt
  • der Wil­lens­voll­strecker mit dem Erb­las­ser selbst der­art ver­bun­den ist, dass er die behörd­li­che Ermitt­lung der Erben behin­dert und die Erb­be­rech­ti­gung der mut­mass­li­chen Allein­er­bin bestrei­tet, 
  • der Wil­lens­voll­strecker einen erb­las­se­ri­schen Wil­len voll­streckt, der offen­kun­dig in form­rich­ti­ger letzt­wil­li­ger Ver­fü­gung nicht ent­hal­ten ist, und dass er vor die­sem Hin­ter­grund im Aus­land gele­ge­ne Ver­mö­gens­wer­te nicht in das Nach­las­sin­ven­tar auf­nimmt und sei­ne Infor­ma­ti­ons­pflich­ten gegen­über der mut­mass­li­chen Allein­er­bin ver­letzt.

Im vor­lie­gen­den Fall war die Abset­zung zu Recht erfolgt:

Nach Vor­lie­gen des Urteils des Bun­des­ge­richts hat für den Wil­lens­voll­strecker kein Anlass mehr bestan­den, nach all­fäl­li­gen wei­te­ren gesetz­li­chen Erben zu suchen. Die nach die­sem Zeit­punkt fort­ge­setz­te Wei­ge­rung, die erb­las­se­ri­schen Anord­nun­gen zu voll­strecken, war pflicht­wid­rig. Kei­ne Recht­fer­ti­gung fin­det das Ver­hal­ten des Beschwer­de­füh­rers in sei­nem Bemü­hen, die Rechts­stel­lung der Beschwer­de­geg­ne­rin — Ver­mächt­nis­neh­me­rin oder ein­ge­setz­te Erbin — abzu­klä­ren. Die Fra­ge ist für sei­nen Auf­trag als Wil­lens­voll­strecker, die Ver­mächt­nis­se aus­zu­rich­ten, belang­los, da der Wert des Nach­las­ses von rund 2 Mio. Fran­ken offen­kun­dig alle Ver­mächt­nis­se und alle Zah­lungs­ver­pflich­tun­gen deckt und im Rest­be­trag der Beschwer­de­geg­ne­rin zusteht.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.