Mit Ent­scheid 4A_627/2011 vom 8. März 2012 hiess das Bun­des­ge­richt die Beschwer­de gegen einen Zwi­schen­ent­scheid des Tri­bu­nal Arbi­tral du Sport (TAS) gemäss den Regeln für die inter­ne Schieds­ge­richts­bar­keit gut und hob die­sen auf.

Im April 2008 schloss die Inter­na­tio­na­le Eis­hockey-Föde­ra­ti­on (Beschwer­de­füh­re­rin) mit dem Schwei­ze­ri­schen Eis­hockey­ver­band und der Schwei­ze­ri­schen Eis­hockey Natio­nal­li­ga GmbH einen Ver­trag über die Teil­nah­me schwei­ze­ri­scher Klubs an der Cham­pi­ons Hockey League (CHL) ab (CHL-Ver­trag). Art. 10 die­ses Ver­trags regel­te, wel­che Klubs zur Teil­nah­me berech­tigt waren. Der CHL-Ver­trag ent­hielt über­dies eine Schieds­klau­sel zugun­sten des TAS.

Infol­ge der Finanz­kri­se infor­mier­te die Beschwer­de­füh­re­rin unter ande­rem den Schwei­ze­ri­schen Eis­hockey­ver­band, dass sie die Sai­son 2009/2010 und 2010/2011 nicht finan­zie­ren kön­ne. In der Fol­ge klag­te die SCB Eis­hockey AG (Beschwer­de­geg­ne­rin) die Beschwer­de­füh­re­rin wegen Scha­den­er­sat­zes vor dem TAS ein. Die Beschwer­de­füh­re­rin ver­nein­te die Zustän­dig­keit des TAS

Mit Zwi­schen­ent­scheid vom 13. Sep­tem­ber 2011 bejah­te das TAS sei­ne Zustän­dig­keit. Die zen­tra­le Erwä­gung lau­tet dahin­ge­hend, dass es sich
bei Art. 10 des CHL-Ver­trags, der bestimmt, wel­che Klubs auf Grund
ihrer Lei­stun­gen in der natio­na­len Mei­ster­schaft zur Teil­nah­me am CHL
berech­tigt sind, um einen ech­ten Ver­trag zu Gun­sten Drit­ter (d.h. zu
Gun­sten der teil­nah­me­be­rech­tig­ten Klubs) hand­le (Art. 112 Abs. 2 OR), und dass folg­lich auch die im CHL-Ver­trag ent­hal­te­ne Schieds­klau­sel auf die­se Drit­te zur Anwen­dung gelan­ge.

Das Bun­des­ge­richt erklär­te zu Beginn all­ge­mein zur sub­jek­ti­ven Trag­wei­te einer Schieds­klau­sel (E. 3.2):

Die Fra­ge der Zustän­dig­keit des Schieds­ge­richts umfasst auch die­je­ni­ge
nach der sub­jek­ti­ven Trag­wei­te der Schieds­ver­ein­ba­rung. Das
Schieds­ge­richt hat im Rah­men der Prü­fung sei­ner Zustän­dig­keit
abzu­klä­ren, wel­che Per­so­nen durch die Schieds­ver­ein­ba­rung gebun­den sind (BGE 134 III 565
E. 3.2 S. 567 mit Hin­wei­sen). Nach dem Grund­satz der Rela­ti­vi­tät
ver­trag­li­cher Ver­pflich­tun­gen
(“Alte­ri sti­pu­la­ri nemo potest”; ULP. D.
45,1,38,17) bin­det eine Schieds­klau­sel in einem Schuld­ver­trag
grund­sätz­lich nur die Ver­trags­par­tei­en
. Aller­dings bejaht das
Bun­des­ge­richt seit lan­gem, dass eine Schieds­klau­sel unter gewis­sen
Vor­aus­set­zun­gen auch Per­so­nen bin­den kann, die den Ver­trag nicht
unter­zeich­net haben und dar­in auch nicht erwähnt wer­den
, so etwa bei der
Abtre­tung einer For­de­rung, bei einer (ein­fa­chen oder kumu­la­ti­ven)
Schuld­über­nah­me oder bei einer Ver­trags­über­nah­me (BGE 134 III 565 E. 3.2 S. 567 f.; 129 III 727
E. 5.3.1 S. 735). Bei einem Drit­ten, der sich in den Voll­zug eines
Ver­tra­ges mit einer Schieds­klau­sel ein­mischt
, wird sodann ange­nom­men, er
habe der Schieds­klau­sel durch kon­klu­den­tes Han­deln zuge­stimmt und
sei­nen Wil­len kund getan, Par­tei der Schieds­ver­ein­ba­rung zu sein (BGE 134 III 565 E. 3.2 S. 568; 129 III 727
E. 5.3.2 S. 737). Die sub­jek­ti­ve Trag­wei­te einer Schieds­klau­sel wird
schliess­lich bei einem ech­ten Ver­trag zu Gun­sten eines Drit­ten (Art. 112 Abs. 2 OR)
auf den Begün­stig­ten aus­ge­dehnt: Ent­hält ein sol­cher Ver­trag eine
Schieds­klau­sel, kann sich der Drit­te bei der Durch­set­zung sei­ner
For­de­rung gegen­über dem Pro­mit­ten­ten dar­auf beru­fen
, ausser die
Schieds­klau­sel schlös­se dies gera­de aus (Urteil 4A_44/2011 vom 19. April
2011 E. 2.4.1; PIERRE-YVES TSCHANZ, in: Com­men­taire romand, 2011, N.
136 zu Art. 178 IPRG).

Das Bun­des­ge­richt ver­nein­te dar­auf­hin, dass Art. 10 des CHL-Ver­trags einen ech­ten Ver­trag zu Gun­sten eines Drit­ten dar­stel­len wür­de. Es begrün­de­te sei­ne Fol­ge­rung damit, dass die­se Bestim­mung weder aus­drück­lich noch still­schwei­gend auf
ein ori­gi­nä­res For­de­rungs­recht der teil­nah­me­be­rech­tig­ten Klubs hin­wei­sen wür­de. Auch aus den Ver­trags­ver­hand­lun­gen lie­sse sich nichts in die­ser Hin­sicht ablei­ten. Das Bun­des­ge­richt fol­ger­te dar­aus (E.3.5.3):

Damit erweist sich die Rüge in Bezug auf die objek­ti­ve Aus­le­gung der
CHL-Ver­ein­ba­rung als begrün­det. Ein ori­gi­nä­res For­de­rungs­recht der
teil­nah­me­be­rech­tig­ten Klubs lässt sich aus der CHL-Ver­ein­ba­rung nicht
ablei­ten und damit auch kei­ne Aus­deh­nung des sub­jek­ti­ven
Gel­tungs­be­reichs der dar­in ent­hal­te­nen Schieds­klau­sel auf die
Beschwer­de­geg­ne­rin.

Michael Feit

Posted by Michael Feit

RA Dr. Michael Feit, LL.M, ist als Rechtsanwalt bei Walder Wyss tätig und auf internationale Schiedsgerichtsbarkeit (Handels- und Investitionsschutzschiedsgerichtsbarkeit) spezialisiert. Er vertritt Parteien sowohl in institutionellen als auch in ad hoc Schiedsverfahren und amtet auch als Schiedsrichter. Bei der Bearbeitung französischsprachiger Bundesgerichtsentscheide wird er von RA David Cuendet (ebenfalls Walder Wyss) unterstützt.