Der Beschwer­de­füh­rer wur­de mit Ver­fü­gung vom 23. März 1998 für die direk­te Bun­des­steu­er 1995/1996 ver­an­lagt. Am 23. Juli 2002 fan­den beim Beschwer­de­füh­rer Haus­durch­su­chun­gen statt, die vom zustän­di­gen Unter­su­chungs­rich­ter wegen Ver­dachts auf Steu­er­be­trug und ande­re Straf­ta­ten ange­ord­net wor­den waren. Mit Schrei­ben vom 15. Novem­ber 2004 lei­te­te die kan­to­na­le Steu­er­ver­wal­tung BE ein Nach­steu­er- und Steu­er­hin­ter­zie­hungs­ver­fah­ren u.a. gegen den Beschwer­de­füh­rer ein. Am 9. Janu­ar 2009 erliess die Steu­er­ver­wal­tung BE eine Nach­steu­er­ver­fü­gung u.a. für die direk­te Bun­des­steu­er 1995/96. Die Ein­spra­che des Beschwer­de­füh­rers wies sie mit Ver­fü­gung vom 24. März 2009 voll­um­fäng­lich ab.

Der Beschwer­de­füh­rer führ­te Rekurs und Beschwer­de bei der Steu­er­re­kurs­kom­mis­si­on BE. Die­se erkann­te mit Ent­scheid vom 14. Dezem­ber 2010 auf Abwei­sung der Rechts­mit­tel.

Mit Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten vom 4. Febru­ar 2011 bean­tragt Der Beschwer­de­füh­rer dem Bun­des­ge­richt, der kan­to­na­le
Ent­scheid sei auf­zu­he­ben.

Mit Ein­ga­be vom 9. Janu­ar 2012 teil­te der Beschwer­de­füh­rer dem Bun­des­ge­richt mit, dass per Ende 2011 die abso­lu­te Ver­jäh­rung ein­ge­tre­ten sei, was von Amtes wegen zu berück­sich­ti­gen sei.

Zur Dis­kus­si­on stand im Ent­scheid die Fra­ge vom Beschwer­de­füh­rer gel­tend gemach­ten Ver­jäh­rung.

Das BGer hielt u.a. fol­gen­des fest.

(E. 2.2) Nach der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung ist die Fra­ge der Ver­jäh­rung mate­ri­ell-recht­li­cher Natur [Zita­te]. Im Zivil­recht darf der Rich­ter die Ver­jäh­rung nach aus­drück­li­cher Vor­schrift nicht von Amtes wegen berück­sich­ti­gen (OR 142). Nur wenn die Ein­re­de frist­ge­recht erho­ben wor­den ist, greift der Grund­satz der Rechts­an­wen­dung von Amtes wegen ein und ist sie unter allen recht­li­chen Aspek­ten zu prü­fen [Zita­te].

Dem­ge­gen­über ist im öffent­li­chen Recht die Fra­ge der Ver­jäh­rung von Amtes wegen zu berück­sich­ti­gen, sofern das Gemein­we­sen Gläu­bi­ger der For­de­rung ist [Zita­te].

(E. 3) Grund­sätz­lich läuft eine Ver­jäh­rungs­frist auch wäh­rend eines gericht­li­chen Ver­fah­rens. Anders ver­hält es sich nur, wenn das Gesetz aus­drück­lich anord­net, dass die Ver­jäh­rung ruht [Zitat], was aber für die abso­lu­te Ver­jäh­rung nach DBG 120 IV und 152 III nicht der Fall ist. Frag­lich ist, ob die Ver­jäh­rung auch dann zu berück­sich­ti­gen ist, wenn sie nicht im kan­to­na­len Ver­fah­ren, son­dern erst wäh­rend des bun­des­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ein­tritt.

(E. 3.3) Der Ein­tritt der Ver­an­la­gungs­ver­jäh­rung ist zu berück­sich­ti­gen, bis die Steu­er im Sin­ne von DBG 120 Abs. IV und 152 III ver­an­lagt oder fest­ge­setzt ist. Die Steu­er oder Nach­steu­er ist dann ver­an­lagt bzw. fest­ge­setzt, wenn der letzt­in­stanz­li­che Ent­scheid in Rechts­kraft erwach­sen ist. Die Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten an das Bun­des­ge­richt ist ein ordent­li­ches, devo­lu­ti­ves und grund­sätz­lich refor­ma­to­ri­sches Rechts­mit­tel . Die Rechts­kraft tritt daher erst mit dem bun­des­ge­richt­li­chen Urteil ein. Anders ver­hielt es sich noch bei der staats­recht­li­chen Beschwer­de als einem ausser­or­dent­li­chen und prin­zi­pi­ell kas­sa­to­ri­schen Rechts­mit­tel, das dem Ein­tritt der Rechts­kraft des kan­to­na­len Ent­schei­des nicht ent­ge­gen­stand und bei wel­cher folg­lich die Ver­an­la­gungs­ver­jäh­rung nicht wei­ter lief [Zita­te]. Der Beschwer­de in öffent­lich-recht­li­chen Ange­le­gen­hei­ten kommt zwar in der Regel kei­ne auf­schie­ben­de Wir­kung zu. Doch wirkt die­se nur der sofor­ti­gen Voll­streck­bar­keit des ange­foch­te­nen Ent­scheids ent­ge­gen. Auf den Ein­tritt der Rechts­kraft hat eine Ver­fü­gung über die auf­schie­ben­de Wir­kung grund­sätz­lich kei­nen Ein­fluss, ausser es ist aus­drück­lich ange­ord­net wor­den oder ergibt sich aus der Natur der Sache [Zita­te].

(E. 3.4) Tritt die Ver­jäh­rung erst wäh­rend des bun­des­ge­richt­li­chen Ver­fah­rens ein, ist sie daher auch ohne dies­be­züg­li­che Ein­re­de zu berück­sich­ti­gen. In die­sem Sinn hat das Bun­des­ge­richt bereits ent­schie­den [Zita­te]. Anders ver­hält es sich, wenn sich die Ver­jäh­rung aus­schliess­lich auf kan­to­na­les Recht stützt [Zita­te], was hier nicht zutrifft.
Die Beschwer­de wur­de gut­ge­hei­ssen, und es wur­den kei­ne Kosten erho­ben, weil die Ver­jäh­rung durch das BGer ver­schul­det wor­den war.
Michael Fischer

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