A.X. und sei­ne Ehe­frau B.X., geb. 1973 bzw. 1976, ver­pflich­te­ten sich mit Leib­ren­ten­ver­trag vom 20. Febru­ar 2007 zugun­sten der Eltern der Ehe­frau, bei­de geb. 1942, gegen eine Ein­mal­lei­stung von Fr. 205’000.– und ab dem 1. Janu­ar 2008 bis zum Todes­tag der zuletzt ster­ben­den Per­son bzw. bis spä­te­stens 31. Dezem­ber 2027, eine monat­li­che Ren­te von Fr. 1’100.– aus­zu­rich­ten. Im Jahr 2008 lei­ste­ten die Ehe­leu­te A. und B. X. Ren­ten­zah­lun­gen von total Fr. 13’200.–.

A.X. und B.X. bean­trag­ten für die Steu­er­pe­ri­ode 2008 in Bezug auf die Staats­steu­er und das Leib­ren­ten­ver­hält­nis, dass Fr. 5’280.– (d. h. 40 % von Fr. 13’200.–) von ihrem steu­er­ba­ren Ein­kom­men und Fr. 194’062.– (d. h. der Rück­kaufs­wert bzw. die Ren­ten­stamm­schuld per Ende 2008) von ihrem steu­er­ba­ren Ver­mö­gen abzu­zie­hen sei­en. Erste­res gewähr­te ihnen das kan­to­na­le Steu­er­amt Zürich mit Ein­schät­zungs­ver­fü­gung vom 12. Novem­ber 2009, nicht aber Letz­te­res, weil nur die jähr­li­che Ren­te geschul­det sei und nicht das Kapi­tal. Die­se Ein­schät­zung wur­de von den kan­to­na­len Rechts­mit­tel­in­stan­zen geschützt, zuletzt vom Ver­wal­tungs­ge­richt des Kan­tons Zürich mit Urteil vom 23. Febru­ar 2011.

Die NZZ fasst den Ent­scheid in ihrer Aus­ga­be vom 25. Mai 2012 wie folgt zusam­men:

Die Gesetz­ge­bung des Bun­des zur Steu­er­har­mo­ni­sie­rung ver­langt, dass die Rück­kaufs­sum­me von Leib­ren­ten wäh­rend der Lauf­zeit bei der Ver­mö­gens­be­steue­rung mit erfasst wird. Auf der ande­ren Sei­te bil­det der dem Ren­ten­emp­fän­ger zuste­hen­de Rück­kauf eine effek­ti­ve und durch­setz­ba­re Ver­bind­lich­keit, die beim Ren­ten­schuld­ner als Abzug vom steu­er­ba­ren Ver­mö­gen zuge­las­sen wer­den muss. Das geht aus einem neu­en Urteil des Bun­des­ge­richts her­vor, das ver­schie­de­ne Kan­to­ne — dar­un­ter auch Zürich — zu einer Abkehr von Gesetz und Pra­xis zwingt.
In dem ein­stim­mig ergan­ge­nen Urteil der II. Öffent­lich­recht­li­chen Abtei­lung wird die in der Rechts­leh­re ver­tre­te­ne Auf­fas­sung klar ver­wor­fen, wonach es den kan­to­na­len Gesetz­ge­bern im Bereich der Ren­ten­ver­si­che­run­gen grund­sätz­lich offen­ste­he, sich für eines der bei­den zur­zeit in der Schweiz prak­ti­zier­ten Besteue­rungs­mo­del­le zu ent­schei­den. Das Bun­des­ge­richt räumt zwar ein, «dass ins­be­son­de­re die Rege­lung bzw. Pra­xis des Kan­tons Zürich zur ver­mö­gens­steu­er­recht­li­chen Behand­lung rück­kaufs­fä­hi­ger Leib­ren­ten wäh­rend der Lauf­zeit seit Gel­tung der Har­mo­ni­sie­rungs­ge­setz­ge­bung des Bun­des noch nicht infra­ge gestellt wor­den ist». Das lie­ge indes nur dar­an, dass das höch­ste Gericht bis­her gar nie Gele­gen­heit gehabt habe, sich zur deli­ka­ten Fra­ge zu äussern. Den­noch ände­re sich nichts dar­an, dass ein sol­ches Modell «den har­mo­ni­sie­rungs­recht­li­chen Vor­ga­ben nicht zu genü­gen ver­mag und ins­be­son­de­re von der zwin­gend vor­ge­schrie­be­nen Kon­zep­ti­on des Rein­ver­mö­gens­be­grif­fes sowie von der­je­ni­gen des not­wen­di­gen Abzugs der effek­tiv am Stich­tag bestehen­den Schul­den abweicht».

Michael Fischer

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