Im Zusam­men­hang mit einem renom­mier­ten Gale­ri­sten, der auch pri­vat Bil­der sam­mel­te und im Jahr 2000 einen Teil sei­ner Kunst­samm­lung auf dem Auk­ti­ons­weg ver­kauf­te, setzt sich das BGer im Ent­scheid u.a. mit der Fra­ge der mehr­wert­steu­er­li­chen Abgren­zung zwi­schen pri­va­ter und unter­neh­me­ri­scher Tätig­keit aus­ein­an­der (aMWSTG).

Das BGer hat­te die Fra­ge zu ent­schei­den, “in wel­chem Mas­se ein Lei­stungs­er­brin­ger tätig zu wer­den hat, ehe sein Ver­hal­ten als der­art mani­fest gilt, dass er selbst unter Prak­ti­ka­bi­li­täts­as­pek­ten zur Abrech­nung der Mehr­wert­steu­er her­an­zu­zie­hen ist.” Die Fra­ge stellt sich bei den direk­ten Steu­ern in ähn­li­cher Wei­se bei der Abgren­zung von selb­stän­di­ger Erwerbs­tä­tig­keit und Lieb­ha­be­rei.

(E.2.4.2) Wenn­gleich es durch­aus begrü­ssens­wert ist, den Begriff der selb­stän­di­gen Tätig­keit direkt- und mehr­wert­steu­er­lich in ähn­li­cher Wei­se auf­zu­fas­sen, darf nicht aus den Augen ver­lo­ren wer­den, dass Ein­kom­men- und Gewinn­steu­er einer­seits und Mehr­wert­steu­er ander­seits unter­schied­li­chen Kon­zep­ten fol­gen. Geht es direkt­steu­er­lich um die Besteue­rung des Ein­kom­mens bzw. Gewinns des Lei­stungs­er­brin­gers, soll mehr­wert­steu­er­lich der Kon­sum des Lei­stungs­emp­fän­gers erfasst wer­den. Inso­fern fin­det die begriff­li­che Har­mo­ni­sie­rung ihre Gren­zen an der unter­schied­li­chen Zweck­ge­bung der Steu­er­art.

(E.2.4.3) Für das Vor­lie­gen einer nach­hal­ti­gen Lei­stungs­er­brin­gung kön­nen nach bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung fol­gen­de Indi­zi­en spre­chen: Ein mehr­jäh­ri­ges Enga­ge­ment, plan­mä­ssi­ges Vor­ge­hen, eine auf Wie­der­ho­lung ange­leg­te Tätig­keit, die Aus­füh­rung von meh­re­ren Umsät­zen, die Vor­nah­me meh­re­rer gleich­ar­ti­ger Hand­lun­gen unter Aus­nut­zung der­sel­ben Gele­gen­heit, die Inten­si­tät des Tätig­wer­dens, die Betei­li­gung am Markt, der Unter­halt eines Geschäfts­be­triebs und die Art und Wei­se des Auf­tre­tens gegen­über Behör­den [Zita­te]. Wie bei Abklä­rung des Kri­te­ri­ums der Selb­stän­dig­keit (vor­ne E. 2.4.2 a.E.) ist auch hier eine Wür­di­gung der gesam­ten Umstän­de des Ein­zel­falls gebo­ten.

Das BGer hat auch das MWST-Recht der EU als Aus­le­gungs­hil­fe her­an­ge­zo­gen (E.2.5), nament­lich die sog. “Well­co­me-Pra­xis”, die weit­ge­hend der schwei­ze­ri­schen Sicht­wei­se ent­spre­che:

(E. 2.5.3) Nach der wei­ter­ge­führ­ten Well­co­me-Pra­xis kommt es bei der Abgren­zung von Lie­fe­run­gen, wel­che die natür­li­che Per­son ent­we­der “unter­neh­me­risch” oder dann “pri­vat” — also “nicht-unter­neh­me­risch” — vor­nimmt, nicht auf Zahl und Umfang der Ver­kaufs­fäl­le an. Eben­so unmass­geb­lich ist die Höhe des Umsat­zes. Ent­schei­dend ist viel­mehr, ob der Lei­stungs­er­brin­ger “akti­ve Schrit­te zum Ver­trieb” durch Ein­satz “ähn­li­cher Mit­tel wie ein Erzeu­ger, Händ­ler oder Dienst­lei­sten­der” ergreift.

Der Begriff der sub­jek­ti­ven Mehr­wert­steu­er­pflicht muss grund­sätz­lich weit aus­ge­legt wer­den:

(E. 4.2) Zur Errei­chung des über­ge­ord­ne­ten Ziels der All­ge­mein­heit der Mehr­wert­be­steue­rung und der Wett­be­werbs­neu­tra­li­tät ist nach dem Gesag­ten eine wei­te Aus­le­gung des Tat­be­stan­des der sub­jek­ti­ven Mehr­wert­steu­er­pflicht am Platz (E. 2.3.4 hie­vor). Soweit ein Lei­stungs­er­brin­ger von ihr aus­ge­nom­men ist, bleibt nicht nur der Kon­sum unbe­steu­ert, son­dern geniesst er Wett­be­werbs­vor­tei­le gegen­über den Mit­an­bie­tern, die der Steu­er­pflicht unter­lie­gen und ihre Lei­stun­gen ent­spre­chend teu­rer anbie­ten müs­sen, wol­len sie die Mehr­wert­steu­er nicht zula­sten ihrer Mar­ge über­neh­men.

Die Aus­nah­me von aMWSTV 14 Ziff. 20 war nicht anwend­bar (Lie­fe­rung gebrauch­ter Gegen­stän­de, die aus­schliess­lich für eine nach Art. 14 aMWSTV [Aus­nah­me­ka­ta­log] von der Steu­er aus­ge­nom­me­ne Tätig­keit ver­wen­det wur­den, sofern die­se Gegen­stän­de mit der Waren­um­satz­steu­er bela­stet sind oder deren Bezug nicht zum Vor­steu­er­ab­zug berech­tig­te; vgl. E. 5).

Der teil­wei­se Ver­kauf der Kunst­samm­lung durch den Gale­ri­sten, (des­sen “Kennt­nis­se und Fer­tig­kei­ten als Kunst­sach­ver­stän­di­ger auch auf wis­sen­schaft­li­cher Ebe­ne zu gebüh­ren­der Aner­ken­nung geführt” haben) wur­de vom BGer als mehr­wer­steu­er­pflich­ti­ges Geschäft beur­teilt.

Michael Fischer

Posted by Michael Fischer