Im Ent­scheid 4A_436/2011 hat­te sich das Bun­des­ge­richt mit der Kla­ge eines Bank­kun­den gegen sei­ne Bank (Credit Suis­se) zu befas­sen. Gegen­stand waren Ver­lu­ste im Zusam­men­hang mit Inve­sti­tio­nen in struk­tu­rier­te Pro­duk­te (sog. Equi­ty Yield Notes). 

Der Kun­de bestritt, die Auf­trä­ge für die Käu­fe der Notes erteilt zu haben; die Bank habe ohne sei­ne Kennt­nis und ohne Zustim­mung in die­se deri­va­ti­ven Pro­duk­te inve­stiert.

Das Han­dels­ge­richt des Kan­tons Zürich hat­te die Scha­den­er­satz­be­geh­ren des Kun­den abge­wie­sen (sie­he han­dels­ge­richt­li­ches Urteil vom 19. Mai 2011 mit aus­führ­li­cher und illu­stra­ti­ver Begrün­dung). Dies ins­be­son­de­re mit dem Argu­ment, es sei von einer nach­träg­li­chen Geneh­mi­gung der frag­li­chen Inve­sti­tio­nen aus­zu­ge­hen, womit die Fra­ge der vor­gän­gi­gen Auf­trags­er­tei­lung offen­blei­ben kön­ne. Zudem habe es sich um einen geschäfts­er­fah­re­nen Kun­den gehan­delt, dem die Risi­ken der Anla­gen zumin­dest in den Grund­zü­gen bekannt gewe­sen sei­en.

Das Bun­des­ge­richt wies die Beschwer­de des Bank­kun­den ab und bestä­tig­te das han­dels­ge­richt­li­che Urteil.

In for­mel­ler Hin­sicht hielt das Bun­des­ge­richt zunächst fest, die Beschwer­de ver­feh­le über wei­te Strecken die stren­gen Rüge­an­for­de­run­gen von Art. 106 Abs. 2 BGG (E. 1.5.1 ff.).

In der Sache selbst ist ins­be­son­de­re fol­gen­de Erwä­gung des Bun­des­ge­richts her­vor­zu­he­ben:

3.2 […] 
Abge­se­hen davon zeigt [der Beschwer­de­füh­rer] mit sei­nen Behaup­tun­gen nicht auf, inwie­fern
der Rat zu einer Inve­sti­ti­on in die frag­li­chen Equi­ty Yield Notes, die -
nota bene wäh­rend einer der gröss­ten glo­ba­len Finanz­kri­sen — zu
Ver­lu­sten führ­ten, bereits aus dama­li­ger Sicht sorg­falts­wid­rig war. Der
Umstand allein, dass ein Finanz­pro­dukt auf­grund von Bör­sen­schwan­kun­gen
mit erheb­li­chen Risi­ken ver­bun­den ist, führt ent­ge­gen der in der
Beschwer­de ver­tre­te­nen Ansicht nicht ohne Wei­te­res zur
Scha­den­er­satz­pflicht
der Bank für ein­ge­tre­te­ne Ver­lu­ste, erst recht
nicht, wenn der Bank­kun­de über die Risi­ken infor­miert wur­de und er die
Inve­sti­ti­on geneh­migt.
[…]

Wei­ter stütz­te das Bun­des­ge­richt die auf der all­ge­mei­nen Lebens­er­fah­rung basie­ren­de Erwä­gung des Han­dels­ge­richts, dem Bank­kun­den sei­en auf­grund sei­ner beruf­li­chen Posi­ti­on die Risi­ken der Inve­sti­tio­nen zumin­dest in den Grund­zü­gen bekannt gewe­sen:

5.1.2. […] Die Vor­in­stanz ist jeden­falls nicht in Will­kür ver­fal­len, wenn sie ange­sichts der kon­kre­ten Erfah­rung des Beschwer­de­füh­rers als inter­na­tio­nal erfolg­rei­cher Unter­neh­mer meh­re­rer Gesell­schaf­ten in ver­schie­de­nen Län­dern mit knapp hun­dert Mit­ar­bei­tern sei­ne Behaup­tung, er habe kei­ner­lei Erfah­rung in Finanz­an­ge­le­gen­hei­ten, als lebens­fremd bezeich­ne­te und davon aus­ging, dass ihm die mit Inve­sti­tio­nen in Finanz­pro­duk­te ver­bun­de­nen Risi­ken zumin­dest in den Grund­zü­gen bekannt waren.

Claudio Kerber

Posted by Claudio Kerber

RA lic.iur. Claudio Kerber arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Werder Viganò AG. Er ist Ko-Autor von Lehrwerken zum Wertpapierrecht (2005) und Finanzmarktrecht (2015).