Dem Ent­scheid liegt im Wesent­li­chen die Ver­char­te­rung eines Lear­jets an einen Schwei­zer zugrun­de. Das Flug­zeug wur­de von einer in der Schweiz MWST-pflich­ti­gen Cayman Island-Gesell­schaft (“X Inc.”) gehal­ten, die es einer natür­li­chen Per­son mit Wohn­sitz in Genf zur Ver­fü­gung stell­te. X Inc. hat­te einen Air­craft-Manage­ment-Ver­trag mit der schwei­ze­ri­schen O. Ltd., unter dem O. Ltd. sämt­li­che Lei­stun­gen erbrach­te, die mit dem Betrieb eines Flug­zeugs anfal­len. Auf den dafür gestell­ten Rech­nun­gen mach­te X Inc. den Vor­steu­er­ab­zug gel­tend.

Der Vor­steu­er­ab­zug wur­de von den Vor­in­stan­zen ver­wei­gert, woge­gen X. Inc. Beschwer­de beim BGer erhob.

Das BGer ent­schied zunächst, dass der Vor­steu­er­ab­zug grund­sätz­lich zu gewäh­ren sei (E. 3.4).

Sodann kam das BGer aber zum Schluss, dass die Vor­in­stanz zu Recht eine Steu­er­um­ge­hung ange­nom­men habe und dass der Vor­steu­er­ab­zug aus die­sem Grund zu ver­wei­gern sei. Es mang­le an einer geschäft­li­chen Nut­zung des Flug­zeugs.

Zur Steu­er­um­ge­hung hielt das BGer u.a. Fol­gen­des fest:

(E. 4.1) Nach der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung [Zita­te] wird eine Steu­er­um­ge­hung ange­nom­men, wenn (1.) eine von den Betei­lig­ten gewähl­te Rechts­ge­stal­tung als unge­wöhn­lich (inso­li­te), sach­wid­rig oder abson­der­lich, jeden­falls den wirt­schaft­li­chen Gege­ben­hei­ten völ­lig unan­ge­mes­sen erscheint, (2.) anzu­neh­men ist, dass die gewähl­te Rechts­ge­stal­tung miss­bräuch­lich ledig­lich des­halb getrof­fen wur­de, um Steu­ern ein­zu­spa­ren, die bei sach­ge­mä­sser Ord­nung der Ver­hält­nis­se geschul­det wären, und (3.) das gewähl­te Vor­ge­hen tat­säch­lich zu einer erheb­li­chen Steu­er­erspar­nis füh­ren wür­de, sofern es von den Steu­er­be­hör­den hin­ge­nom­men wür­de.
Ent­ge­gen der in der neu­en Lite­ra­tur geäu­sser­ten Ansicht [Zita­te LOCHER und MATTEOTTI] ist an die­sen Kri­te­ri­en fest­zu­hal­ten. Zwar ist mit der neue­ren Leh­re fest­zu­stel­len, dass Steu­er­um­ge­hung — im Sin­ne einer rechts­miss­bräuch­li­chen Anru­fung des als mass­geb­lich gel­ten­den Sin­nes einer Norm [Zita­te] — nur in ganz ausser­or­dent­li­chen Situa­tio­nen in Fra­ge kommt, d.h. wenn trotz Her­an­zie­hung des Norm­sin­nes als Aus­le­gungs­schran­ke eine Besteue­rung oder eine Steu­er­be­frei­ung nicht mög­lich ist, das Gesetz also ange­wen­det wer­den kann, das Ergeb­nis aber auf­grund der kon­kre­ten Aus­ge­stal­tung des Sach­ver­halts in hohem Mas­se als sto­ssend erscheint bzw. einer Will­kür gleich­kä­me [Zita­te] . Wird das Vor­lie­gen einer Steu­er­um­ge­hung mit die­ser Gewich­tung geprüft, so stel­len die genann­ten Kri­te­ri­en einen taug­li­chen Prüfra­ster für die Abgren­zung von der steu­er­lich zu akzep­tie­ren­den Steu­er­ver­mei­dung dar. […]
Das sog. sub­jek­ti­ve Ele­ment spielt inso­fern eine ent­schei­den­de Rol­le, als die Annah­me einer Steu­er­um­ge­hung aus­ge­schlos­sen bleibt, wenn ande­re als blo­sse Steu­er­erspar­nis­grün­de bei der Rechts­ge­stal­tung eine rele­van­te Rol­le spie­len. […]
Was schliess­lich das sog. effek­ti­ve Ele­ment anbe­langt, ist zu beach­ten, dass der Steu­er­pflich­ti­ge grund­sätz­lich frei ist, wie er sei­ne Rechts­ver­hält­nis­se gestal­ten will, und dass bei rechts­miss­bräuch­li­cher Gestal­tung dann ein­ge­grif­fen wer­den soll, wenn die­se andern­falls tat­säch­lich Wir­kung ent­fal­ten wür­de. […]
Wird eine Steu­er­um­ge­hung bejaht, ist gemäss bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung der Besteue­rung die Rechts­ge­stal­tung zugrun­de zu legen, die sach­ge­mäss gewe­sen wäre, um den erstreb­ten wirt­schaft­li­chen Zweck zu errei­chen. Ent­ge­gen in der Lite­ra­tur geäu­sser­ten Mei­nun­gen [Zitat] erscheint eine sol­che Sach­ver­halts­fik­ti­on als unpro­ble­ma­tisch, wird doch ledig­lich die for­ma­le pri­vat­recht­li­che Aus­ge­stal­tung des Sach­ver­halts negiert bzw. fin­giert, unver­än­dert bleibt jedoch der Sach­ver­halt mit Bezug auf sei­ne — für die Beur­tei­lung mass­ge­ben­den — wirt­schaft­li­chen Aus­wir­kun­gen [Zita­te].

(E. 4.2) Ent­ge­gen der Auf­fas­sung von Pierre-Marie Glau­ser [Zitat] besteht kein hin­rei­chen­der Grund, die­se Regeln nicht auch bei der Mehr­wert­steu­er anzu­wen­den. […]

Michael Fischer

Posted by Michael Fischer