Das BGer äussert sich zur Aus­le­gung von ZPO 47 (Aus­stands­grün­de) und betont dabei, dass kei­ne Gerichts­per­son los­ge­löst von der sozia­len Wirk­lich­keit urtei­len kön­ne und dass kei­ne Gerichts­per­son jemals rest­los frei von Ein­flüs­sen wie den gesell­schaft­li­chen Sit­ten, Gewohn­hei­ten, Wert­ur­tei­len, der öffent­li­chen Mei­nung oder bestimm­ten poli­ti­schen Ereig­nis­sen u.Ä. sein wer­de. Ein gewis­ses indi­rek­tes oder abstrak­tes per­sön­li­ches Inter­es­se sei hin­zu­neh­men, wo ein Fall eine Viel­zahl von Per­so­nen in glei­cher Wei­se betref­fe, z.B. die Beur­tei­lung einer Ver­kehrs­re­ge­lung auf Stra­ssen, die auch die Gerichts­per­son gele­gent­lich mit­be­nützt. In sol­chen Fäl­len kön­ne und müs­se erwar­tet wer­den, dass die Gerichts­per­son von der eige­nen per­sön­li­chen Lage abstra­hiert und objek­tiv urteilt. Nur bei Vor­lie­gen einer qua­li­fi­zier­ten Betrof­fen­heit durch einen Ent­scheid dür­fe ange­nom­men wer­den, dass ein per­sön­li­ches Inter­es­se der Gerichts­per­son gege­ben sei, das sie als befan­gen erschei­nen lässt und ihre Mit­wir­kung bei der Ent­scheid­fin­dung aus­schlie­ssen muss.

Im kon­kre­ten Fall ver­nein­te das BGer die Aus­stands­pflicht des Bez­Ger ZH und alle Zür­cher Bez­Ger. Der Fall betraf die BVK Per­so­nal­vor­sor­ge des Kan­tons Zürich, die sich in finan­zi­el­len Schwie­rig­kei­ten befin­det und bei der alle Mit­glie­der der Zür­cher Gerich­te ver­si­chert sind. Das BGer beur­teilt dies wie folgt:

Der Ent­scheid über die Begeh­ren des Beschwer­de­füh­rers gegen die BVK begrün­det für sich allein kei­nen Anschein der Befan­gen­heit, selbst wenn der Ent­scheid der­einst zugun­sten oder zula­sten der mit­wir­ken­den Gerichts­per­so­nen als Ver­si­cher­te wir­ken könn­te. Tat­sa­chen aber, die ein erheb­li­ches per­sön­li­ches Inter­es­se und eine inso­weit qua­li­fi­zier­te Betrof­fen­heit einer Gerichts­per­son begrün­den, hat der Beschwer­de­füh­rer nicht glaub­haft gemacht

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.