Das BGer schützt den Aus­schluss eines Ver­mö­gens­ver­wal­ters aus einer als Ver­ein orga­ni­sier­ten Selbst­re­gu­lie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on im Sin­ne der Geld­wä­sche­rei­ge­setz­ge­bung, nach­dem die SRO den Ver­mö­gens­ver­wal­ter zum zwei­ten Mal u.a. wegen Ver­let­zung der mate­ri­el­len Iden­ti­fi­ka­ti­ons­pflicht, der beson­de­ren Abklä­rungs­pflicht, der Pflicht zur Fest­stel­lung des wirt­schaft­lich Berech­tig­ten und der Doku­men­ta­ti­ons­pflicht sank­tio­niert hat­te.

Der vom Ver­mö­gens­ver­wal­ter ange­ru­fe­ne Schieds­rich­ter hat­te eine Ein­spra­che gegen den Aus­schluss abge­lehnt. Der Aus­schluss lie­ge im Ermes­sen der SRO. Die­se sei kein/e mass­ge­ben­den Berufs­or­ga­ni­sa­ti­on oder Wirt­schafts­ver­band, so dass sich eine Ein­schrän­kun­gen der Aus­schluss­au­to­no­mie nicht recht­fer­ti­ge.

Dage­gen gelang­te der Ver­mö­gens­ver­wal­ter nach ZPO 392 I a und BGG 77 I b ans BGer. Das BGer bejaht zunächst das Vor­lie­gen eines schutz­wür­di­gen Inter­es­ses an der Über­prü­fung des Ver­eins­aus­schlus­ses, obwohl der Beschwer­de­füh­rer sei­ner­seits wäh­rend des lau­fen­den Ver­fah­rens sei­nen Aus­tritt erklärt hat­te. Pra­xis­ge­mäss bejaht das BGer ein sol­ches Inter­es­se an der Über­prü­fung des Aus­schlus­ses trotz Aus­tritts, wenn der Ver­ein das Aus­schluss­ver­fah­ren nicht als gegen­stands­los abschreibt, son­dern den Aus­schlus­s­ent­scheid auf­recht­erhält und wenn der AUs­ge­schlos­se­ne vor BGer das aktu­el­le und prak­ti­sche Inter­es­se an der Beschwer­de­füh­rung dar­legt. Hier hat­te der Ver­mö­gens­ver­wal­ter vor­ge­bracht, der Aus­schluss habe nega­ti­ve Aus­wir­kun­gen auf sei­ne Repu­ta­ti­on, u.a. weil Ban­ken oder auch ande­re SRO nach Sank­ti­ons- oder Aus­schluss­ver­fah­ren fra­gen kön­nen. Dies füh­re zu nega­ti­ven Fol­gen wie z.B. der Nicht­auf­nah­me einer Geschäfts­be­zie­hung. Dar­in kann laut BGer ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se an der Über­prü­fung der Recht­mä­ssig­keit des Aus­schlus­ses gese­hen wer­den.

In der Sache berief sich der Ver­mö­gens­ver­wal­ter auf ZPO 393 e. Dadurch, dass der Schieds­rich­ter der SRO umfas­sen­de Auto­no­mie zuge­stan­den habe, sei er in Will­kür ver­fal­len. Das BGer weist dies zurück. Es bestehe noch kei­ne gefe­stig­te Recht­spre­chung, wel­che wei­te­ren Ver­ei­ne von einer Ein­schrän­kung der Aus­schluss­au­to­no­mie betrof­fen sein könn­ten, so dass der Schieds­rich­ter auch nicht in will­kür­li­cher Wei­se gegen eine sol­che Recht­spre­chung ver­sto­ssen konn­te:

[…] die Ein­schrän­kun­gen der Aus­schluss­au­to­no­mie (Art. 72 Abs. 2 ZGB), denen gemäss bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung Berufs- oder Stan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen bzw. Wirt­schafts­ver­bän­de unter­lie­gen, die als mass­ge­ben­de Orga­ni­sa­ti­on des betref­fen­den Berufs­stan­des oder Wirt­schafts­zwei­ges auf­tre­ten (BGE 131 III 97 E. 3 S. 102 ff.; 123 III 193 E. 2c S. 196 ff.). […] In BGE 131 III 97 E. 3.2 S. 104 hat das Bun­des­ge­richt zwar erwo­gen, es kön­ne nicht von vorn­her­ein aus­ge­schlos­sen wer­den, dass neben den Berufs- und Stan­des­or­ga­ni­sa­tio­nen bzw. Wirt­schafts­ver­bän­den wei­te­re Fäl­le bestün­den, in denen die Aus­schluss­frei­heit ein­ge­schränkt sei. Die Beschwer­de­füh­re­rin beruft sich auf die­se Erwä­gung, da die Mit­glied­schaft in einer Selbst­re­gu­lie­rungs­or­ga­ni­sa­ti­on kei­nen ide­el­len, son­dern wirt­schaft­li­chen Inter­es­sen die­ne. Dass der Ein­zel­schieds­rich­ter dies nicht berück­sich­tigt hat, begrün­det jedoch kei­ne Will­kür. Wie sich bereits aus dem von der Beschwer­de­füh­re­rin ange­ru­fe­nen Bun­des­ge­richts­ur­teil ergibt, besteht noch kei­ne gefe­stig­te Recht­spre­chung, wel­che wei­te­ren Ver­ei­ne von einer Ein­schrän­kung der Aus­schluss­au­to­no­mie betrof­fen sein könn­ten.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.