Ein Abspruch auf vor­sorg­li­che Beweis­ab­nah­me i.S.v. ZPO 158 setzt vor­aus, dass der Gesuch­stel­ler eine Gefähr­dung der Beweis­mit­tel oder ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se glaub­haft macht (lit. b), falls nicht das Gesetz einen ent­spre­chen­den Anspruch gewährt (lit. a). Im vor­lie­gen­den Fall war eine Beweis­mit­tel­ge­fähr­dung behaup­tet wor­den; ein Zeu­ge müs­se vor­sorg­lich befragt wer­den, weil sein Erin­ne­rungs­ver­mö­gen im Lauf der Zeit abneh­me.

Das BGer ver­wirft die­ses Argu­ment. Mit einer ent­schei­den­den Reduk­ti­on der mög­li­chen Beweis­kraft sei nicht zu rech­nen:

Die Vor­in­stanz hat zutref­fend dafür gehal­ten, dass sich eine vor­sorg­li­che Beweis­ab­nah­me auf­grund einer Gefähr­dung der Beweis­mit­tel (Art. 158 Abs. 1 lit. b 1. Satz­teil ZPO) nur bei einer ent­schei­den­den Reduk­ti­on der mög­li­chen Beweis­kraft des betref­fen­den Beweis­mit­tels recht­fer­tigt, wofür eine gewis­se Wahr­schein­lich­keit spre­chen muss […]. Ent­ge­gen der Ansicht des Beschwer­de­füh­rers lässt sich mit dem blo­ssen Hin­weis auf den all­ge­mein bekann­ten Umstand, dass das Erin­ne­rungs­ver­mö­gen von Zeu­gen mit der Zeit nach­lässt, nicht auf eine Gefähr­dung im Sin­ne von Art. 158 Abs. 1 lit. b ZPO schlie­ssen. Das abneh­men­de Erin­ne­rungs­ver­mö­gen liegt in der Natur die­ses Beweis­mit­tels und recht­fer­tigt für sich allein kei­ne vor­sorg­li­che Beweis­ab­nah­me. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.