Das BGer schützt ein Urteil des HGer AG, in dem dies die Haf­tung aus Ver­ant­wort­lich­keit bejaht hat­te. Vor­ge­wor­fen wur­de einem VR-Mit­glied, dass die spä­ter eben­falls kon­kur­si­te Mut­ter­ge­sell­schaft ihrer Toch­ter­ge­sell­schaft zu einem Zeit­punkt ein Dar­le­hen gewährt hat­te, als die Toch­ter bereits über­schul­det war. 

Das HGer AG hat­te dazu Fol­gen­des fest­ge­hal­ten:

4.2 Die Vor­in­stanz prüf­te, unter wel­chen Vor­aus­set­zun­gen eine Dar­le­hens­ge­wäh­rung bzw. Ver­schie­bung von Ver­mö­gens­wer­ten von der Mut­ter- an die Toch­ter­ge­sell­schaft als Pflicht­ver­let­zung der Orga­ne der Mut­ter­ge­sell­schaft zu qua­li­fi­zie­ren sei. Sie erwog dazu, die Gewäh­rung eines Dar­le­hens an eine Toch­ter­ge­sell­schaft brin­ge grund­sätz­lich ledig­lich eine Ver­schie­bung von Ver­mö­gens­wer­ten auf der Aktiv­sei­te der Bilanz der Mut­ter­ge­sell­schaft mit sich. In jedem Fall sei damit aber ein Mit­tel­ab­fluss bei der Mut­ter­ge­sell­schaft und ein Mit­tel­zu­fluss bei der Toch­ter­ge­sell­schaft ver­bun­den. Der ent­spre­chen­de Mit­tel­ab­fluss bei der Mut­ter­ge­sell­schaft erfolg­te dann in pflicht­wid­ri­ger Wei­se, wenn kei­ne Aus­sich­ten auf Rück­zah­lung mehr gege­ben sei­en. Eine sanie­rungs­be­dürf­ti­ge Toch­ter dür­fe somit nur unter der Vor­aus­set­zung, dass ernst­haf­te und erfolg­ver­spre­chen­de Sanie­rungs­be­mü­hun­gen in Angriff genom­men wür­den, mit wei­te­ren Mit­teln der Mut­ter­ge­sell­schaft ali­men­tiert wer­den. Es stel­le eine Pflicht­ver­let­zung dar, Gel­der in nicht trag­fä­hi­ge Unter­neh­mun­gen zu inve­stie­ren, sei­en die­se nun in den Kon­zern inte­griert oder nicht; eine Dar­le­hens­ge­wäh­rung dür­fe nach dem “arm’s length princip­le” nur dann erfol­gen, wenn eine sol­che auch zwi­schen unab­hän­gi­gen Par­tei­en gewährt wür­de.

Ein Ver­schul­den lag vor, weil der Beklag­te ein Organ sowohl der Mut­ter als auch der Toch­ter war.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.