Das BGer hat­te im vor­lie­gen­den Fall zu ent­schei­den, ob die Käu­fe­rin einer custom-made-Soft­ware befugt war, die Soft­ware wei­te­ren Gesell­schaf­ten zur Ver­fü­gung zu stel­len und die­se Soft­ware (d.h. ihren Source Code) zu ändern. Die erste Fra­ge war auf­grund einer Ver­trags­aus­le­gung zu beja­hen.

Auch die zwei­te Fra­ge ist pri­mär eine Fra­ge der ver­trag­li­chen Gestal­tung (dazu vgl. hier). Das BGer liess die­sen Punkt aber offen, weil kein Scha­den behaup­tet wor­den war. Die Soft­ware­käu­fe­rin war näm­lich an sich gezwun­gen, von der Her­stel­le­rin — als allei­ni­ger Inha­be­rin der Urhe­ber­rech­te — War­tungs­lei­stun­gen zu bezie­hen und Ände­run­gen der Soft­ware in die­sem Rah­men zu ver­an­las­sen. Die Fra­ge wäre also, wel­chen Preis die Rechts­in­ha­be­rin ver­langt hät­te für die Ein­räu­mung des Ände­rungs­rechts, also die Auf­ga­be ihres Ände­rungs­mo­no­pols und damit einer Ein­nah­me­quel­le. Die Soft­ware­her­stel­le­rin hat­te dazu im kan­to­na­len Ver­fah­ren aber nichts aus­ge­führt:

Il s’agissait de chif­frer le prix d’achat du code-source en fonc­tion notam­ment du coût qu’une renon­cia­ti­on à l’exclusivité du code-source revê­tait pour la recou­ran­te, laquel­le per­dait ain­si la pos­si­bi­lité d’obtenir des man­dats de main­ten­an­ce et de déve­lop­pe­ment; cas échéant, il incom­bait à un expert de déter­mi­ner ce prix. Or, il n’apparaît pas que la recou­ran­te ait allé­gué et éta­b­li le prix qu’elle aurait pu exi­ger de la part des inti­mées.

Alter­na­tiv hät­te die Her­stel­le­rin auch behaup­ten kön­nen, dass ihr infol­ge der von der Soft­ware­käu­fe­rin durch­ge­führ­ten Ände­run­gen ent­spre­chen­de Ein­nah­men ent­gan­gen sei­en. Auch dazu hat­te die Her­stel­le­rin aller­dings nichts Rele­van­tes behaup­tet (Net­to­ge­winn aus den hypo­the­ti­schen War­tungs­lei­stun­gen):

[…] on igno­re en revan­che tout des mon­tants que la recou­ran­te aurait pu fac­tu­rer et des béné­fices nets qu’elle aurait pu réa­li­ser pour ces travaux. […] Il s’ensuit que les pré­ten­ti­ons de la recou­ran­te ne pou­vai­ent qu’être reje­tées, indé­pen­dam­ment de la questi­on d’une éven­tu­el­le renon­cia­ti­on gra­tui­te au droit d’exclusivité sur le code-source.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.