Ein Arrestver­fahren hat­te zu Arrest­be­fehlen für eine durch einen Eigen­wech­sel (“bil­let à ordre”) aus­gewiesene Forderung geführt. Im Ver­fahren hat­te die Schuld­ner­in die Echtheit des Wech­sels bestrit­ten und ver­langt, ihr sei die Möglichkeit zu geben, ein (Partei-)Gutachten beizubrin­gen.

Der zuständi­ge Richter in Sion hat­te abgelehnt. Zwar hätte dies das Ver­fahren nicht verzögert, aber ein Parteigutacht­en hätte es nicht erlaubt, die Fälschung des Wech­sels mit Sicher­heit zu erken­nen, da ein Parteigutacht­en nicht das­selbe Gewicht hat wie ein gerichtlich­es Gutacht­en. Ausser­dem befand sich in den Akten bere­its ein Pri­vatgutacht­en der Arrest­gläu­bigerin, das die Unter­schrift des Wech­sels als echt beurteilt hat­te. Vor BGer macht die Schuld­ner­in zunächst gel­tend, ihr Gehör­sanspruch sei ver­let­zt wor­den.

Das BGer geht davon aus, dass der Beweis im Arrestver­fahren mit Urkun­den zu führen ist. “Urkunde” ist jedes Doku­ment mit Bewei­seig­nung (ZPO 177), wobei es im sum­marischen Ver­fahren im Grund­satz sofort vor­leg­bar sein muss. Andere Beweis­mit­tel sind nur aus­nahm­sweise zuzu­lassen (ZPO 254 i.V.m. ZPO 251 lit. a). Das BGer hält fest, dass diese Beweis­mit­telbeschränkung auch im Arrestver­fahren gilt, das ein sum­marisches Ver­fahren im eigentlichen Sinne darstellt:

La procé­dure d’opposition au séquestre (art. 278 LP) est une procé­dure som­maire au sens pro­pre […]. Elle a en out­re un objet et un but par­ti­c­uli­er: le séquestre, auquel le débi­teur s’oppose, est une mesure con­ser­va­toire, soit la mise sous main de jus­tice de biens du débi­teur, qui per­met de garan­tir une créance pen­dant la durée de la procé­dure de val­i­da­tion du séquestre[…]. En tant que procé­dure spé­ci­fique de la LP, la procé­dure d’opposition au séquestre est aus­si une procé­dure sur pièces (Akten­prozess; […]).[…] En con­séquence, seule la pro­duc­tion de titres, au sens de l’art. 254 al. 1 CPC, doit être admise dans la procé­dure d’opposition au séquestre.

Im vor­liegen­den Fall war die Arrest­gläu­bigerin nicht in Lage gewe­sen, das Gutacht­en sofort vorzule­gen, so dass sie damit zu Recht aus­geschlossen wurde. Es war deshalb auch nicht willkür­lich, dass die Vorin­stanzen auf das (rechtzeit­ig vor­liegende) Pri­vatgutacht­en der Gläu­bigerin abgestellt hat­te.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.