Das BGer hat­te in zwei Urtei­len (9C_441/2011 und 

8C_729/2008) fest­ge­hal­ten, kan­to­na­le Gerich­te sei­en nicht ver­pflich­tet, auf Revi­si­ons­ge­su­che gegen Ent­schei­de ein­zu­tre­ten, die for­mell noch nicht in Rechts­kraft erwach­sen sind. Im vor­lie­gen­den Urteil wider­ruft es die­se Recht­spre­chung:

6.4 Damit ist fest­zu­hal­ten, dass eine Vor­in­stanz des Bun­des­ge­richts auf ein Revi­si­ons­ge­such nicht ein­zig mit der Begrün­dung nicht ein­tre­ten darf, gegen den zu revi­die­ren­den Ent­scheid sei Beschwer­de beim Bun­des­ge­richt erho­ben wor­den. Soweit in den Urtei­len 8C_729/2008 und 9C_441/2011 Abwei­chen­des gesagt wur­de, kann dar­an nicht fest­ge­hal­ten wer­den. Viel­mehr hat die Vor­in­stanz wäh­rend der Hän­gig­keit des bun­des­ge­richt­li­chen Beschwer­de­ver­fah­rens das bei ihr ein­ge­reich­te Revi­si­ons­ge­such auf der Grund­la­ge des für sie mass­geb­li­chen Pro­zess­rechts all­sei­tig zu prü­fen und ihren Ent­scheid allen­falls zu revi­die­ren. Um hin­sicht­lich der Fra­ge, ob ein Revi­si­ons­grund auch ein vor Bun­des­ge­richt zuläs­si­ges Novum sein könn­te, Wider­sprü­che mit einer abwei­chen­den Qua­li­fi­ka­ti­on im spä­te­ren Bun­des­ge­richts­ent­scheid zu ver­mei­den, hat die Vor­in­stanz von einer eigen­stän­di­gen Prü­fung die­ser Fra­ge und einem so begrün­de­ten Nicht­ein­tre­ten auf das Revi­si­ons­ge­such unter Hin­weis auf den Grund­satz der Sub­si­dia­ri­tät der Revi­si­on (E. 5) abzu­se­hen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.