Der Zür­cher Kan­tons­rat hat­te im Febru­ar 2011 beschlos­sen, die drei­zehn Rich­ter des SozVers­Ger ZH zwei Lohn­klas­sen tie­fer ein­zu­stu­fen als die Mit­glie­der des Ver­wal­tungs- und Ober­ge­richts (Unter­schied: rund CHF 30’000 p.a.), weil unter dem Sozi­al­ver­si­che­rungs­ge­richt kei­ne erste Gerichts­in­stanz tätig sei. 

Das BGer schützt die­sen Ent­scheid, wie bereits die Vor­in­stanz, das VGer ZH, des­sen Urteil eben­falls online ver­füg­bar ist. Die Rich­ter hat­ten eine Ver­let­zung des Rechts­gleich­heits­ge­bots und des Will­kür­ver­bots gerügt. Frag­lich war also, ob die Ungleich­be­hand­lung auf einem rele­van­ten Unter­schied beruh­te. Das VGer hat­te dies bejaht, weil das SozVers­Ger ZH im Gegen­satz zum OGer und zum VGer nicht in erster Linie Rechts­mit­tel­in­stanz ist (vgl. GSVGer §§ 2 und 3).

Das BGer schützt die­se Auf­fas­sung. Zwar sei das sozi­al­ver­si­che­rungs­recht­li­che Ein­spra­che­ver­fah­ren ein rechts­mit­tel­mä­ssi­ger Pro­zess, aber Teil des erst­in­stanz­li­chen Ver­wal­tungs­ver­fah­rens, nicht mit dem im Ver­wal­tungs­recht teil­wei­se vor­ge­se­he­nen ver­wal­tungs­in­ter­nen Rekurs­ver­fah­ren ver­gleich­bar, und in der IV ent­fällt sogar die Ein­spra­che­mög­lich­keit. Ob ein Gericht erst­in­stanz­lich oder als Rechts­mit­tel­be­hör­de tätig wird, sei ein prä­gen­des Merk­mal der Gerichts­bar­keit und damit ein sach­li­ches Kri­te­ri­um.

Zwar sei eine ande­re Sicht nicht aus­ge­schlos­sen, aber dar­auf kommt es ange­sichts des Ermes­sens­spiel­raums nicht an:

[…], ist nicht mass­ge­bend, ob auch ande­re Kri­te­ri­en eine Lohn­dif­fe­renz zu recht­fer­ti­gen ver­möch­ten oder ob das Nicht­ab­stel­len auf wei­te­re Kri­te­ri­en die Rechts­gleich­heit ver­letzt, son­dern ob das kon­kret gewähl­te Kri­te­ri­um des funk­tio­na­len Unter­schie­des zwi­schen den ober­sten kan­to­na­len Gerich­ten sach­lich begrün­det ist und ver­fas­sungs­mä­ssig stand­hält. Wie bereits dar­ge­legt, besit­zen die kan­to­na­len Behör­den bei der Aus­ge­stal­tung ihrer Besol­dungs­ord­nung einen erheb­li­chen Spiel­raum (E. 3.2 hie­vor). Das Bun­des­ge­richt greift von Ver­fas­sungs­we­gen bloss ein, wenn der Kan­ton mit den Unter­schei­dun­gen, die er trifft, eine Gren­ze zieht, die sich nicht ver­nünf­tig begrün­den lässt, die unhalt­bar und damit in den mei­sten Fäl­len auch gera­de­zu will­kür­lich ist […].

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.