Das OGer ZH hat­te in den Streit­wert in einer Kol­lo­ka­ti­ons­kla­ge gegen einen Mit­gläu­bi­ger auf Reduk­ti­on des­sen For­de­rung auf den­je­ni­gen Betrag fest­ge­setzt, der unter Ein­rech­nung der Kon­kurs­di­vi­den­de auf die Reduk­ti­on ent­fiel, und einen ent­spre­chen­den Kosten­vor­schuss ver­langt. Dabei hat­te es fest­ge­hal­ten, dass die von der Kon­kurs­ver­wal­tung geschätz­te Kon­kurs­di­vi­den­de von 0% für den Kol­lo­ka­ti­ons­rich­ter nicht ver­bind­lich sei, und die Divi­den­den­schät­zung sei unrea­li­stisch, weil bestimm­te Akti­ven wert­hal­tig sei­en und eine Kon­kurs­di­vi­den­de von ca. 20% zu erwar­ten sei. 

Das BGer heisst die Beschwer­de gegen den Kosten­vor­schuss gut. Es hält zwar fest, dass das OGer den Streit­wert nach den rich­ti­gen Grund­sät­zen bestimmt habe — die das BGer vor­lie­gend zusam­men­fasst -, aber das OGer hät­te die Kon­kurs­di­vi­den­de nicht neu bestim­men dür­fen:

Das Bun­des­ge­richt hat in BGE 65 III 28 (E. 3 S. 32) fest­ge­hal­ten, dass sich der Kol­lo­ka­ti­ons­klä­ger bei Ein­lei­tung des Pro­zes­ses dar­auf ver­las­sen kann, was die Kon­kurs­ver­wal­tung als mut­mass­li­che Divi­den­de ermit­telt hat. […]. Das Ober­ge­richt hat über­gan­gen, dass die Schät­zung, wel­che für jedes Ver­mö­gens­stück vor­zu­neh­men und im Kon­kurs­in­ven­tar anzu­ge­ben ist (Art. 227 SchKG), eine zwangs­voll­streckungs­recht­li­che Ver­fü­gung (Art. 17 SchKG) dar­stellt, wel­che der Kon­trol­le der Auf­sichts­be­hör­de nach Art. 18 SchKG unter­steht. […]. Zu Recht wird in der Leh­re bestä­tigt, dass die Schät­zung der mut­mass­li­chen Kon­kurs­di­vi­den­de für das Gericht ver­bind­lich ist.

Das BGer hält fer­ner fest, dass der Beschwer­de­füh­rer am Pro­zess­aus­gang kein direk­tes Inter­es­se hat­te: Die nega­ti­ve Kol­lo­ka­ti­ons­kla­ge dien­te hier dazu, um bei einer Abtre­tung von Ansprü­chen zu ver­hin­dern, dass die Beschwer­de­geg­ne­rin bei der Ver­tei­lung des Ergeb­nis­ses zu viel bekommt; das ist kein unmit­tel­ba­res Pro­zess­in­ter­es­se, begrün­det aber ein Rechts­schutz­in­ter­es­se.

Mit Bezug auf den Streit­wert bei der nega­ti­ven Kol­lo­ka­ti­ons­kla­ge bedeu­tet dies Fol­gen­des:

Nach BGE 82 III 94 (S. 96) ist in die­sem Fall nur ein mini­ma­ler Streit­wert, ent­spre­chend dem mehr nur sym­bo­li­schen, jeden­falls ausser­halb des unmit­tel­ba­ren Pro­zesserfolgs lie­gen­den Streit­in­ter­es­se anzu­neh­men. […] Mit die­ser Recht­spre­chung ist nicht ver­ein­bar, wenn das Ober­ge­richt […] den Streit­wert nach der anbe­gehr­ten Reduk­ti­on (Fr. 1’652’297.81) der Kon­kurs­for­de­rung der Beschwer­de­geg­ne­rin gerich­tet hat, oder wenn der Beschwer­de­füh­rer sei­ne bzw. die Kon­kurs­for­de­rung des Klä­gers her­an­zie­hen will.

Das BGer beauf­tragt des­halb das OGer ZH, einen ent­spre­chen­den Streit­wert fest­zu­le­gen:

Die Vor­in­stanz hat die Sache neu zu beur­tei­len und einen mini­ma­len Streit­wert, ent­spre­chend dem mehr nur sym­bo­li­schen, jeden­falls ausser­halb des unmit­tel­ba­ren Pro­zesserfolgs lie­gen­den Streit­in­ter­es­se anzu­neh­men. Ob im kon­kre­ten Fall die Grö­ssen­ord­nung von Fr. 10’000.– (wie der Beschwer­de­füh­rer im Ergeb­nis ver­langt) dem Kri­te­ri­um eines mini­ma­len Streit­wer­tes ent­spricht, wel­cher für die anbe­gehr­te Reduk­ti­on der Kon­kurs­for­de­rung ange­nom­men wer­den kann, ist eine Fra­ge, wel­che im Ermes­sen des kan­to­na­len Gerichts liegt. In Anwen­dung des kan­to­na­len Rechts hat das Ober­ge­richt schliess­lich den Kosten­vor­schuss fest­zu­set­zen.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.