Der Beschwer­de­füh­rer zahl­te einen Kosten­vor­schuss zu spät, wes­halb auf ein von ihm ein­ge­leg­tes Rechts­mit­tel nicht ein­ge­tre­ten wur­de. Der Treu­hän­der und Rechts­ver­tre­ter des Beschwer­de­füh­rers mach­te gel­tend, “er habe die steu­er­pflich­ti­ge Per­son nach Ein­gang der Zwi­schen­ver­fü­gung
umge­hend per E-Mail auf die Zah­lungs­pflicht hin­ge­wie­sen. Auf­grund von
tech­ni­schen Pro­ble­men mit dem Ser­ver, der von einem Drit­ten betrie­ben
wer­de, sei es aller­dings weder zur Wei­ter­lei­tung der elek­tro­ni­schen
Nach­richt an die steu­er­pflich­ti­ge Per­son noch zu einer Feh­ler­mel­dung an
ihn selbst gekom­men. Des­we­gen ersu­che er nun um ‘Frist­er­streckung
bezüg­lich der aus­ge­führ­ten Zah­lung’.”

Das BGer hielt im Ent­scheid unter ande­rem fest, was folgt.

  • (E. 3.1) Die Hei­lung des Frist­ver­säum­nis­ses gemäss VwVG 24 I bedingt vor­ab, dass die Par­tei oder ihre Ver­tre­tung
    unver­schul­de­ter­wei­se davon abge­hal­ten
    wor­den ist, bin­nen Frist zu
    han­deln
    (mate­ri­el­le Vor­aus­set­zung). Dar­über hin­aus muss das
    Frist­wie­der­her­stel­lungs­ge­such inner­halb von 30 Tagen nach Weg­fall des
    Hin­der­nis­ses gestellt und die ver­säum­te Rechts­hand­lung gleich­zei­tig
    nach­ge­holt wor­den sein (for­mel­le Vor­aus­set­zung; [Zita­te]). Eine Nach­frist zur Behe­bung der unbe­nutz­ten Zah­lungs­frist kennt das VwVG — anders als etwa BGG 62 III Satz 2 — nicht [Zitat].
  • (E 3.2)  Die Wie­der­ein­set­zung in den frü­he­ren Stand ist pra­xis­ge­mäss nur bei
    kla­rer Schuld­lo­sig­keit der betrof­fe­nen Pro­zess­par­tei
    und ihrer
    Ver­tre­tung zu gewäh­ren [Zitat]. Dem begrün­de­ten Unver­mö­gen, die Frist zu wah­ren, kön­nen objek­ti­ve
    oder sub­jek­ti­ve Ursa­chen zugrun­de­lie­gen [Zitat]. Waren die Par­tei oder ihre
    Ver­tre­tung wegen eines von ihrem Wil­len unab­hän­gi­gen Umstan­des dar­an
    gehin­dert, zeit­ge­recht zu han­deln, liegt objek­ti­ve Unmög­lich­keit vor. Zu
    den­ken ist bei­spiels­wei­se an Natur­ka­ta­stro­phen, Mili­tär­dienst oder
    schwer­wie­gen­de Erkran­kung
    , nicht hin­ge­gen an Arbeits­über­la­stung,
    orga­ni­sa­to­ri­sche Unzu­läng­lich­kei­ten oder Feri­en­ab­we­sen­heit [Zita­te]. Von sub­jek­ti­ver Unmög­lich­keit ist
    aus­zu­ge­hen, wenn zwar die Vor­nah­me einer Hand­lung, objek­tiv betrach­tet,
    mög­lich gewe­sen wäre, die betrof­fe­ne Per­son aber durch beson­de­re
    Umstän­de, die sie nicht zu ver­tre­ten hat, am Han­deln gehin­dert wor­den
    ist. In Betracht kom­men hier ins­be­son­de­re unver­schul­de­te Irr­tums­fäl­le [Zita­te].

Vor­lie­gend wur­de gel­tend gemacht, die Ursa­che für die Frist­ver­säum­nis lie­ge beim Pro­vi­der, weil das E-Mail des Treu­hän­ders an den Beschwer­de­füh­rer von letz­te­rem nicht emp­fan­gen wor­den sei.

  • (E.4.2) Es kann heu­te als all­ge­mein bekannt vor­aus­ge­setzt wer­den, dass der Ver­kehr mit E-Mails gefah­ren­be­haf­tet und im All­ge­mei­nen nur beschränkt ver­läss­lich ist. Ins­be­son­de­re gilt, dass der Nach­weis des Zugangs elek­tro­ni­scher Nach­rich­ten in den Macht­be­reich der emp­fan­gen­den Per­son auf­grund der tech­ni­schen Gege­ben­hei­ten aner­kann­ter­ma­ssen Schwie­rig­kei­ten berei­tet [Zitat]. In der Pra­xis bleibt die Mög­lich­keit, von der emp­fan­gen­den Per­son eine Ein­gangs­be­stä­ti­gung zu ver­lan­gen und bei deren Aus­blei­ben zu reagie­ren. Eine ent­scheidre­le­van­te Mit­tei­lung per E-Mail zu ver­sen­den, ohne wei­te­re (Kontroll-)Massnahmen zu ergrei­fen, ent­spricht nicht sorg­fäl­ti­ger Erfül­lung des Auf­trags­ver­hält­nis­ses (OR 398).

Indem der Treu­hän­der die Über­mitt­lung des E-Mails nicht  auf “her­kömm­li­che Wei­se (tele­fo­nisch, posta­lisch etc.)” veri­fi­ziert hat, hat er nicht sorg­fäl­tig und damit auch “nicht ‘(klar)’ schuld­los gemäss den Regeln über die Wie­der­ein­set­zung in den frü­he­ren Stand” gehan­delt.

Michael Fischer

Posted by Michael Fischer