Nach ZPO 257 gewährt das Gericht Rechts­schutz im sum­ma­ri­schen Ver­fah­ren “in kla­ren Fäl­len”, d.h. wenn der Sach­ver­halt liqui­de und die Rechts­la­ge klar ist. Der Sach­ver­halt muss also ohne zeit­li­che Ver­zö­ge­rung und ohne beson­de­ren Auf­wand nach­ge­wie­sen wer­den kön­nen, in der Regel durch Urkun­den, und zwar mit dem Regel­be­weis­mass des Voll­be­wei­ses.

Frag­lich ist dage­gen, was die Gegen­par­tei vor­zu­brin­gen hat, damit der Sach­ver­halt nicht mehr liqui­de ist. In der Lite­ra­tur fin­den sich im Wesent­li­chen zwei fol­gen­de Auf­fas­sun­gen:

  • erfor­der­lich ist glaub­haf­te Bestrei­tung (offen­sicht­lich unbe­grün­de­te oder halt­lo­se Bestrei­tun­gen, über die sofort ent­schie­den wer­den kann, rei­chen dage­gen nicht); teil­wei­se wird dies auf die Bot­schaft und mit Hin­weis auf SchKG 82 II gestützt; oder
  • die Gegen­par­tei muss “kon­si­stent und voll­stän­dig erheb­li­che Ein­wen­dun­gen oder Ein­re­den gel­tend machen”, die nicht halt­los erschei­nen und umfang­rei­cher beweis­mä­ssi­ger Abklä­run­gen bedür­fen.

  Das BGer ent­schei­det dies wie folgt:

Bei Gewäh­rung des Rechts­schut­zes ergeht […] ein defi­ni­ti­ves, der mate­ri­el­len Rechts­kraft fähi­ges Urteil […]. Mit Blick auf die­se Wir­kung ist vom Klä­ger mit der ein­hel­li­gen Leh­re zu ver­lan­gen, dass er sofort […] den vol­len Beweis […] für die anspruchs­be­grün­den­den Tat­sa­chen erbringt […]. Dies allein ist der rele­van­te gesetz­li­che Mass­stab und nicht, ob der Beklag­te sei­ne Ein­wen­dun­gen glaub­haft gemacht hat oder nicht […]. Dem­nach muss es für die Ver­nei­nung eines kla­ren Fal­les genü­gen, dass der Beklag­te sub­stan­zi­iert und schlüs­sig Ein­wen­dun­gen vor­trägt, die in tat­säch­li­cher Hin­sicht nicht sofort wider­legt wer­den kön­nen und die geeig­net sind, die bereits gebil­de­te rich­ter­li­che Über­zeu­gung zu erschüt­tern […]. Dem­ge­gen­über ist ein kla­rer Fall zu beja­hen, wenn das Gericht auf­grund der Akten­la­ge zur Über­zeu­gung gelangt, der Anspruch des Klä­gers sei aus­ge­wie­sen und eine ein­ge­hen­de Abklä­rung der beklag­ti­schen Ein­wän­de kön­ne dar­an nichts ändern.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.