Mit Urteil 2C_772/2008 hat­te das Bun­des­ge­richt fest­ge­hal­ten, EnG 7 alter Fas­sung habe kei­ne abschlie­ssen­de Rege­lung von Abnah­me- und Ver­gü­tungs­pflich­ten ent­hal­ten. Die dar­über hin­aus­ge­hen­de kan­to­na­le Rege­lung gemäss § 18 EnG/LU sei des­halb nicht bun­des­rechts­wid­rig. Strit­tig war aber nun im vor­lie­gen­den Fall, ob die seit­her in Kraft getre­te­ne Ände­rung des Bun­des­rechts für die Abnah­me- und Ver­gü­tungs­pflicht eine abschlie­ssen­de Rege­lung getrof­fen habe. 

Wie das BGer im vor­lie­gen­den Urteil fest­hält, ver­füg­ten die meist kan­to­na­len oder kom­mu­na­len Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gungs­un­ter­neh­men nach altem Recht in der Regel über ein recht­li­ches oder fak­ti­sches Gebiets­mo­no­pol für die Elek­tri­zi­täts­lie­fe­rung. Der Bund hat­te von sei­ner umfas­sen­den, nach­träg­lich dero­ga­to­ri­schen Kom­pe­tenz, Vor­schrif­ten über den Trans­port und die Lie­fe­rung elek­tri­scher Ener­gie zu erlas­sen, lan­ge Zeit ein­zig durch das Elek­tri­zi­täts­ge­setz Gebrauch gemacht, das Elek­tri­zi­täts­wirt­schafts- und -ver­sor­gungs­recht aber weit­ge­hend den Kan­to­nen über­las­sen. Mit dem Inkraft­tre­ten des StromVG  habe sich dies geän­dert: Das StromVG wol­le die Vor­aus­set­zun­gen für eine siche­re Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung und einen wett­be­werbs­ori­en­tier­ten Elek­tri­zi­täts­markt schaf­fen. Wesent­li­ches Ele­ment sei dabei die Ent­flech­tung von Netz­be­trieb und Elek­tri­zi­täts­pro­duk­ti­on, was erst einen dis­kri­mi­nie­rungs­frei­en Netz­zu­gang erlaubt. Das Gesetz legt dabei abschlie­ssend fest, wel­che Kom­po­nen­ten der Strom­preis für den End­ver­brau­cher ent­hal­ten darf. Das neue Recht ent­hal­te im Unter­schied zur Rechts­la­ge vor Inkraft­tre­ten des Strom­ver­sor­gungs­ge­set­zes eine Strom­preis­re­gu­lie­rung, die nament­lich auch eine Preis­ober­gren­ze vor­se­he. Die ein­zi­ge Strom­preis­kom­po­nen­te, die nicht bun­des­recht­lich gere­gelt ist und nicht der Regu­lie­rung durch die ElCom unter­liegt, sei­en die Abga­ben und Lei­stun­gen an Gemein­we­sen.

Die umfas­sen­de bun­des­recht­li­che Neu­re­ge­lung des Strom­ver­sor­gungs­rechts bedin­ge eine Neu­de­fi­ni­ti­on der Rol­le der Kan­to­ne im Rah­men der Elek­tri­zi­täts­ver­sor­gung. Es bestehe kein Platz mehr für eine zusätz­li­che Strom­preis­kom­po­nen­te, die durch kan­to­na­le Behör­den gestützt auf wei­ter­ge­hen­de kan­to­na­le Ver­gü­tungs­pflich­ten ange­ord­net wird. In die­sem System erhiel­ten auch EnG 7 und 7a eine neue Funk­ti­on. Sie bil­den

Teil einer umfas­sen­den bun­des­recht­li­chen Strom­ver­sor­gungs­re­ge­lung, die ins­be­son­de­re auch den Preis der Elek­tri­zi­tät regu­liert. In die­sem Rah­men obliegt system­kon­form neu auch der Voll­zug der Art. 7 und 7a EnG der ElCom (Art. 25 Abs. 1bis EnG), weil die Zuschlä­ge zur Finan­zie­rung die­ser Mehr­ko­sten (Art. 15b EnG) in die Netz­ko­sten ein­flie­ssen, wel­che eben­falls von der ElCom regu­liert wer­den. Eine zusätz­li­che Ver­gü­tungs­kom­po­nen­te, die durch kan­to­na­le Behör­den ange­ord­net und sich auf die Elek­tri­zi­täts­ta­ri­fe aus­wir­ken wür­de, hat dane­ben kei­nen Raum mehr.

Da also kei­ne Zustän­dig­keit der kan­to­na­len Behör­den für die Anord­nung der umstrit­te­nen Ver­gü­tungs­pflich­ten mehr bestand, war der ange­foch­te­ne Ent­scheid ersatz­los auf­zu­he­ben.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.