Das vor­lie­gen­de Urteil des BGer betrifft die Rechen­schafts­pflicht und ins­be­son­de­re die Her­aus­ga­be inter­ner Doku­men­te der Credit Suis­se.

Zunächst bejaht das BGer, dass Auf­trags­recht anwend­bar ist:

[…] meh­re­re Ver­trä­ge geschlos­sen haben, wel­che aber unbe­strit­te­ner­ma­ssen in einem inne­ren Zusam­men­hang ste­hen und von­ein­an­der abhän­gig sind […] die Fra­ge, ob Her­aus­ga­be- und Rechen­schafts­pflich­ten bestehen, für die ein­zel­nen Ver­trags­be­stand­tei­le ein­heit­lich zu beant­wor­ten. […] Für die Fra­ge der Her­aus­ga­be- und Rechen­schafts­pflicht in Bezug auf die Mar­gin Calls ste­hen […] kom­mis­si­ons­recht­li­che Ele­men­te im Vor­der­grund […] In den Vor­schrif­ten zur Kom­mis­si­on (Art. 425 ff. OR) ist kei­ne Rege­lung all­fäl­li­ger Her­aus­ga­be- und Rechen­schafts­pflich­ten ent­hal­ten. Dies­falls kom­men für das Kom­mis­si­ons­ver­hält­nis die Vor­schrif­ten über den Auf­trag zur Anwen­dung (Art. 425 Abs. 2 OR). 

Sodann brach­te die CS vor, dass inter­ne Doku­men­te weder der Her­aus­ga­be- noch der Rechen­schafts­pflicht unter­lie­gen. Nament­lich könn­ten der Infor­ma­ti­ons­an­spruch und die Rechen­schafts­pflicht nicht wei­ter­ge­hen als der Her­aus­ga­be­an­spruch, wie dies u.a. in der Diss. von Haf­ner ver­tre­ten wird. Das BGer ver­wirft dies:

[…] Das Bun­des­ge­richt hat zwar auch in Bezug auf die Rechen­schafts­pflicht ent­schie­den, dass rein inter­ne Doku­men­te wie etwa nie ver­sand­te Ver­trags­ent­wür­fe die­ser nicht unter­lie­gen […]. Dar­aus kann indes­sen nicht geschlos­sen wer­den, dass Her­aus­ga­be- und Rechen­schafts­pflicht gleich weit rei­chen. So kön­nen etwa Auf­zeich­nun­gen über Kun­den­be­su­che und -kon­tak­te Gegen­stand der Rechen­schafts­pflicht bil­den, obwohl sol­che (inter­nen) Auf­zeich­nun­gen grund­sätz­lich nicht der Her­aus­ga­be­pflicht unter­lie­gen […]. Dies ergibt sich aus dem Zweck der Rechen­schafts­pflicht. Anders als die Her­aus­ga­be­pflicht, wel­che die Ein­hal­tung der Treue­pflicht garan­tiert, soll die Rechen­schafts­pflicht die Kon­trol­le über die Tätig­kei­ten des Beauf­trag­ten ermög­li­chen […]. Auch in der Leh­re wird über­zeu­gend dar­auf hin­ge­wie­sen, dass etwa Ärz­te die erstell­ten Kran­ken­ge­schich­ten nicht her­aus­zu­ge­ben, im Rah­men der Rechen­schafts­pflicht aber zur Ein­sicht vor­zu­le­gen bzw. dem Pati­en­ten Kopi­en aus­zu­hän­di­gen hät­ten […]. Aus dem Umstand, dass bestimm­te Doku­men­te nicht der Her­aus­ga­be­pflicht unter­lie­gen, kann somit ent­ge­gen der Ansicht der Beschwer­de­füh­re­rin nicht auto­ma­tisch geschlos­sen wer­den, dass über die­se auch kei­ne Rechen­schaft abzu­le­gen sei (so auch ARTER/DAHORTSANG, Bespre­chung des bun­des­ge­richt­li­chen Urteils 4A_688/2011 vom 17. April 2012, AJP 2012 S. 1159 mit Hin­wei­sen).

Folg­lich muss unter­schie­den wer­den zwi­schen

  • inter­nen” Doku­men­ten, die der Her­aus­ga­be­pflicht nicht unter­lie­gen, deren Inhalt dem Auf­trag­ge­ber aber in geeig­ne­ter Form zur Kennt­nis gebracht wer­den muss, um die­sem über­haupt die Kon­trol­le über die Tätig­kei­ten des Beauf­trag­ten zu ermög­li­chen, und 
  • rein inter­nen” Doku­men­ten (z.B. nie ver­sand­te Ver­trags­ent­wür­fe), die für die Über­prü­fung der ver­trags­ge­mä­ssen Aus­füh­rung des Auf­trags durch den Beauf­trag­ten nicht rele­vant sind. 

Aus der Rechen­schafts­pflicht folgt indes nicht unbe­dingt, dass das betrof­fe­ne Doku­ment dem Auf­trag­ge­ber vor­ge­legt wer­den muss:

Viel­mehr ist in die­sem Fall eine Inter­es­sen­ab­wä­gung mit den Geheim­hal­tungs­in­ter­es­sen des Beauf­trag­ten vor­zu­neh­men […]. Den berech­tig­ten Inter­es­sen des Beauf­trag­ten kann auch dadurch Rech­nung getra­gen wer­den, dass ein Doku­ment im kon­kre­ten Fall etwa nur aus­zugs­wei­se vor­zu­le­gen ist […].

Vgl. auch die Bericht­erstat­tung von .fel in der NZZ.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.