Ein Gen­fer Kino hat­te einer Per­son im Roll­stuhl und ihren Hel­fern den Zugang zum (nicht behin­der­ten­ge­recht aus­ge­stat­te­ten) Kino unter Hin­weis auf Sicher­heits­vor­schrif­ten ver­wehrt. In der Fol­ge klag­ten die abge­wie­se­nen und Inte­gra­ti­on Han­di­cap gegen den Kino­be­trei­ber auf Zah­lung einer Ent­schä­di­gung und Fest­stel­lung einer Dis­kri­mie­rung (BehiG 6). Das BGer hat­te daher im vor­lie­gen­den Fall den Begriff der Dis­kri­mi­nie­rung aus­zu­le­gen.

Der Begriff der “Dis­kri­mi­nie­rung” bedeu­tet nach BehiV 2 lit. d “Behin­der­te beson­ders krass unter­schied­lich und benach­tei­li­gend behan­deln mit dem Ziel oder der Fol­ge, sie her­ab­zu­wür­di­gen oder aus­zu­gren­zen”. Davon konn­te hier kei­ne Rede sein. Die Ver­wei­ge­rung des Zutritts konn­te sich auf zumin­dest nach­voll­zieh­ba­re Sicher­heits­be­den­ken stüt­zen.

Die Klä­ger hat­ten dem Kino­be­trei­ber zwar vor­ge­wor­fen, sei­ne Beru­fung auf
Sicher­heits­grün­de sei dis­kri­mi­nie­rend, denn es lie­ge in der Natur der Sache,
dass Per­so­nen im Roll­stuhl bei Eva­kua­tio­nen beson­de­ren Risi­ken
aus­ge­setzt sind. Zudem sei eine Haf­tung des Kino­be­trei­bers für Schä­den
infol­ge eines Unfalls des Roll­stuhl­fah­rers aus­ge­schlos­sen. Die­se
Ein­wän­de sind laut BGer zwar nicht von der Hand zu wei­sen, ent­kräf­ten
die Beden­ken des Kino­be­trei­bers aber nicht. Bei Kino­vor­stel­lun­gen sei
das all­ge­mei­ne Eva­kua­ti­ons­ri­si­ko durch die gro­sse Zahl der anwe­sen­den
Per­so­nen erhöht, und der Kino­be­trei­ber fürch­te sich zu Recht wenn nicht
vor einer Haf­tung, so doch vor imma­te­ri­el­len Schä­den bei einem Unfall in
sei­nem Kino.

Die von Schefer und Hess-Klein ver­tre­te­ne wei­ter­ge­hen­de Ansicht (Jus­let­ter vom 19.9.11: Dis­kri­mi­nie­rung bei Ver­wei­ge­rung des Zutritts mit der Begrün­dung, geh­be­hin­der­te Men­schen könn­ten im Fal­le eines Bran­des den Not­aus­gang nicht aus eige­ner Kraft errei­chen) sei dage­gen mit dem Geset­zes­text von BehiV 2 lit. d unver­ein­bar. Auch ver­letz­te die­se Aus­le­gung des Begriffs der Dis­kri­mi­nie­rung nicht EMRK 14.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.