Das HGer ZH hat­te eine Steu­er­be­ra­tungs­ge­sell­schaft zu Scha­den­er­satz ver­ur­teilt. Die­se hat­te in der Bera­tung die Auf­fas­sung ver­tre­ten, trotz dem Urteil 2A.532/1998 könn­ten Ver­lu­ste aus den acht Vor­jah­ren ver­rech­net wer­den. In die­sem Urteil hat­te das BGer jedoch eine über­gangs­recht­li­che Fest­stel­lung getrof­fen, die dazu führ­te, dass der Rein­ge­winn ab 1995
nur noch mit Ver­lu­sten aus den sie­ben vor­an­ge­gan­ge­nen Geschäfts­jah­ren
ver­rech­net wer­den konn­te. Dass es sich dabei um eine Fehl­ein­schät­zung der Steu­er­be­ra­te­rin han­del­te, hat­te die­se im Nach­hin­ein aner­kannt.

In der Fol­ge fie­len bei ihrer Kli­en­tin und spä­te­ren Klä­ge­rin Steu­ern und Ver­zugs­zin­sen in der Höhe von rund CHF 580’000 an. Das Han­dels­ge­richt war zum Schluss gekom­men, es bestehe eine natür­li­che Ver­mu­tung, dass die Beschwer­de­geg­ne­rin en con­nais­sance de cau­se mit hoher Wahr­schein­lich­keit auf die Über­tra­gung ver­zich­tet hät­te.

Das BGer schützt die­ses Urteil und die Fest­stel­lung einer Sorg­falts­pflicht­ver­let­zung. Das HGer hat­te hier­zu fest­ge­hal­ten:

Die vor­lie­gend zen­tra­le Fra­ge, wie die vor 1995 erwirt­schaf­te­ten Ver­lust­vor­trä­ge nach Ein­füh­rung des DBG per 1. Janu­ar 1995 steu­er­recht­lich zu behan­deln sei­en, sei in der Leh­re und von den Steu­er­be­hör­den unter­schied­lich beant­wor­tet wor­den. Die Beschwer­de­füh­re­rin habe sich zwar der opti­mi­sti­sche­ren Berech­nungs­me­tho­de […] anschlie­ssen kön­nen. Die Sorg­falts­pflicht hät­te es aber ver­langt, dass sie die Beschwer­de­geg­ne­rin auf die […] die sich dar­aus erge­ben­den Risi­ken hin­ge­wie­sen hät­te. […] Zudem habe sie aus­ge­führt, das Urteil des Bun­des­ge­richts 2A.532/1998 vom 17. Mai 2001 habe auf die Beur­tei­lung der vor­han­de­nen steu­er­lich nutz­ba­ren Ver­lust­vor­trä­ge kei­nen Ein­fluss […]. Die Beschwer­de­füh­re­rin aner­ken­ne, dass sie die­ses Urteil falsch inter­pre­tiert habe. Auch damit habe es die Beschwer­de­füh­re­rin an der objek­tiv gebo­te­nen Sorg­falt man­geln las­sen, wel­che von einer Steu­er­be­ra­te­rin gemäss berufs­spe­zi­fi­schem Durch­schnitts­ver­hal­ten anzu­wen­den wäre.

Dar­an änder­te sich auch dadurch nichts, dass die Kli­en­tin neben der Steu­er­be­ra­te­rin eine Anwalts­kanz­lei beauf­tragt hat­te. Die Steu­er­be­ra­te­rin hat­te dies­be­züg­lich ein­ge­wandt, die Kli­en­tin müs­se sich das Wis­sen der Kanz­lei anrech­nen las­sen:

Das Han­dels­ge­richt hat aus­ge­führt, eine die Beklag­te ent­la­sten­de Mit­ver­ant­wor­tung der Anwalts­kanz­lei S. […] sei zu ver­nei­nen. Ver­ge­be ein Auf­trag­ge­ber den­sel­ben Auf­trag an zwei Beauf­trag­te, so kön­ne sich der eine nicht dadurch von sei­ner Sorg­falts­pflicht befrei­en, dass er auf die Sorg­falts­pflicht des ande­ren ver­wei­se. Eine Zurech­nung des Fach­wis­sens eines wei­te­ren Beauf­trag­ten des Auf­trag­ge­bers kom­me nur dann als Ent­la­stung für den ver­trags­ver­let­zen­den Beauf­trag­ten in Fra­ge, wenn erste­rer gegen­über dem Ver­trags­ver­let­zer als Hilfs­per­son des Auf­trag­ge­bers in Erschei­nung getre­ten sei. Der Auf­trag­ge­ber müs­se ausser­dem die­sem Beauf­trag­ten eine Vor­rang­stel­lung gegen­über dem ver­trags­ver­let­zen­den Beauf­trag­ten ein­ge­räumt haben, ins­be­son­de­re indem er ihn mit der Ertei­lung von Anwei­sun­gen an den ande­ren betraue. Die­se Vor­aus­set­zun­gen sei­en vor­lie­gend nicht erfüllt. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.