Das BGer fasst im vor­lie­gen­den Urteil zunächst das Vor­ge­hen bei Per­sön­lich­keits­ver­let­zun­gen durch die Medi­en zusam­men:

Die Pres­se — wozu auch Leser­brie­fe zäh­len, unab­hän­gig davon ob der Leser­brief­ver­fas­ser oder das publi­zie­ren­de Organ ins Recht gefasst wer­den […] — kann auf zwei Arten in die Per­sön­lich­keit ein­grei­fen, näm­lich einer­seits durch die Mit­tei­lung von Tat­sa­chen und ande­rer­seits durch deren Wür­di­gung (BGE 126 III 305 E. 4b S. 306). Dazu gilt im Ein­zel­nen Fol­gen­des (zum Gan­zen das zur Publi­ka­ti­on vor­ge­se­he­ne Urteil 5A_82/2012 vom 29. August 2012 E. 4.1 mit Hin­wei­sen [vgl. dazu unse­re Bericht­erstat­tung):

2.6.2 Die Ver­brei­tung wah­rer Tat­sa­chen ist grund­sätz­lich durch den Infor­ma­ti­ons­auf­trag der Pres­se gedeckt, es sei denn, es hand­le sich um Tat­sa­chen aus dem Geheim- oder Pri­vat­be­reich oder die betrof­fe­ne Per­son wer­de in unzu­läs­si­ger Wei­se her­ab­ge­setzt, weil die Form der Dar­stel­lung unnö­tig ver­letzt. Aller­dings ist der Infor­ma­ti­ons­auf­trag der Pres­se kein abso­lu­ter Recht­fer­ti­gungs­grund und eine Inter­es­sen­ab­wä­gung im Ein­zel­fall unent­behr­lich. Eine Recht­fer­ti­gung dürf­te regel­mä­ssig gege­ben sein, wenn die berich­te­te wah­re Tat­sa­che einen Zusam­men­hang mit der öffent­li­chen Tätig­keit oder Funk­ti­on der betref­fen­den Per­son hat. 

2.6.3 Die Ver­öf­fent­li­chung unwah­rer Tat­sa­chen ist dem­ge­gen­über an sich wider­recht­lich. An der Ver­brei­tung von Unwahr­hei­ten kann nur in sel­te­nen, spe­zi­ell gela­ger­ten Aus­nah­me­fäl­len ein hin­rei­chen­des Inter­es­se bestehen. Indes­sen lässt noch nicht jede jour­na­li­sti­sche Unkor­rekt­heit, Unge­nau­ig­keit, Ver­all­ge­mei­ne­rung oder Ver­kür­zung eine Bericht­erstat­tung ins­ge­samt als unwahr erschei­nen. Nach der bun­des­ge­richt­li­chen Recht­spre­chung erscheint eine in die­sem Sin­ne unzu­tref­fen­de Pres­se­äu­sse­rung nur dann als ins­ge­samt unwahr und per­sön­lich­keits­ver­let­zend, wenn sie in wesent­li­chen Punk­ten nicht zutrifft und die betrof­fe­ne Per­son der­ge­stalt in einem fal­schen Licht zeigt bezie­hungs­wei­se ein spür­bar ver­fälsch­tes Bild von ihr zeich­net, das sie im Anse­hen der Mit­men­schen — ver­gli­chen mit dem tat­säch­lich gege­be­nen Sach­ver­halt — emp­find­lich her­ab­setzt.

2.6.4 Mei­nungs­äu­sse­run­gen, Kom­men­ta­re und Wert­ur­tei­le sind zuläs­sig, sofern sie auf­grund des Sach­ver­halts, auf den sie sich bezie­hen, als ver­tret­bar erschei­nen. Sie sind einer Wahr­heits­prü­fung nicht zugäng­lich. Soweit sie aller­dings zugleich auch Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen dar­stel­len, wie es bei einem gemisch­ten Wert­ur­teil der Fall ist, gel­ten für den Sach­be­haup­tungs­kern der Aus­sa­ge die glei­chen Grund­sät­ze wie für Tat­sa­chen­be­haup­tun­gen. Zudem kön­nen Wert­ur­tei­le und per­sön­li­che Mei­nungs­äu­sse­run­gen — selbst wenn sie auf einer wah­ren Tat­sa­chen­be­haup­tung beru­hen — ehr­ver­let­zend sein, sofern sie von der Form her eine unnö­ti­ge Her­ab­set­zung bedeu­ten. Da die Ver­öf­fent­li­chung einer Wer­tung unter die Mei­nungs­äu­sse­rungs­frei­heit fällt, ist dies­be­züg­lich aber eine gewis­se Zurück­hal­tung am Platz, wenn für das Publi­kum erkenn­bar ist, auf wel­che Fak­ten sich das Wert­ur­teil stützt. Eine poin­tier­te Mei­nung ist hin­zu­neh­men. Ehr­ver­let­zend ist eine Wer­tung nur, wenn sie den Rah­men des Halt­ba­ren sprengt bezie­hungs­wei­se auf einen tat­säch­lich nicht gege­be­nen Sach­ver­halt schlie­ssen lässt oder der betrof­fe­nen Per­son jede Men­schen- oder Per­so­nen­eh­re strei­tig macht.

2.7 Im Per­sön­lich­keits­schutz­pro­zess liegt die Beweis­last für die Sach­um­stän­de, aus denen sich die Ver­let­zung ergibt, beim Klä­ger als Opfer, wäh­rend der Beklag­te als Urhe­ber der Ver­let­zung die Tat­sa­chen dafür bewei­sen muss, die das Vor­lie­gen eines Recht­fer­ti­gungs­grun­des erschlie­ssen (BGE 136 III 410 E. 2.3 S. 414). Wie der Durch­schnitts­le­ser einen Leser­brief ver­steht und wie Begrif­fe, die in einer Pres­se­äu­sse­rung ste­hen, zu ver­ste­hen sind, stellt eine Rechts­fra­ge dar (BGE 131 IV 160 E. 3.3.3 S. 164).

Im kon­kre­ten Fall setz­ten sich fol­gen­de Aus­sa­gen im Kon­text eines Leser­brie­fes (hier nach­zu­le­sen) aus einem wah­ren Tat­sa­chen­kern und einer ver­tret­ba­ren Wer­tung zusam­men:

  • bekämpft die Jagd mit allen Mit­teln
  • ver­beisst sich wie ein Ter­ri­er in das The­ma Jagd und stellt dabei wich­ti­ge Auf­ga­ben in den Hin­ter­grund
  • hard­li­ner
  • führt einen Pri­vat­krieg
David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.