Gemäss amt­li­cher Mit­tei­lung des Bun­des­ra­tes wur­de das FATCA-Abkom­men unter­zeich­net.

Der Bun­des­rat hat­te zuvor an sei­ner Sit­zung vom 13. Febru­ar 2013 dem Eid­ge­nös­si­schen Finanz­de­par­te­ment (EFD) grü­nes Licht für die Unter­zeich­nung erteilt. Das Abkom­men, wel­ches am 3. Dezem­ber 2012 para­phiert wor­den war, sieht Ver­ein­fa­chun­gen bei der Umset­zung der US-Steu­er­ge­setz­ge­bung FATCA (For­eign Account Tax Com­pli­an­ce Act) vor. Mit der Unter­zeich­nung wird auch der Wort­laut des Abkom­mens ver­öf­fent­licht. Es muss den Eid­ge­nös­si­schen Räten zur Geneh­mi­gung unter­brei­tet wer­den und unter­liegt dem fakul­ta­ti­ven Refe­ren­dum.

Mit FATCA wol­len die USA errei­chen, dass welt­weit sämt­li­che Ein­künf­te von Per­so­nen besteu­ert wer­den, die in den USA steu­er­pflich­tig sind und über Kon­ten im Aus­land ver­fü­gen. FATCA ver­langt von aus­län­di­schen Finanz­in­sti­tu­ten grund­sätz­lich, mit der US-Steu­er­be­hör­de (Inter­nal Reve­nue Ser­vice, IRS) einen Ver­trag abzu­schlie­ssen, wel­cher sie ver­pflich­tet, Mel­dun­gen über iden­ti­fi­zier­te US-Kon­ten vor­zu­neh­men. Im Fal­le ernst­haf­ter Feh­ler bei der Umset­zung kann der IRS bei den betrof­fe­nen Finanz­in­sti­tu­ten Aus­kunfts­be­geh­ren stel­len, über wel­che er die schwei­ze­ri­schen Behör­den infor­mie­ren muss. Vor-Ort-Kon­trol­len beim betrof­fe­nen Finanz­in­sti­tut durch den IRS sind nicht erlaubt.

Das mit der Schweiz ver­han­del­te FATCA-Abkom­men erlaubt schwei­ze­ri­schen Finanz­in­sti­tu­ten, mit dem IRS Infor­ma­tio­nen aus­zu­tau­schen und ermög­licht den Finanz­in­sti­tu­ten Ver­ein­fa­chun­gen bei der Umset­zung. Die vom US-Trea­su­ry und IRS am 17. Janu­ar 2013 publi­zier­ten defi­ni­ti­ven Aus­füh­rungs­be­stim­mun­gen (Final Regu­la­ti­ons) sind für Schwei­zer Finanz­in­sti­tu­te inso­weit anwend­bar, als das Abkom­men und sei­ne Anhän­ge kei­ne aus­drück­lich abwei­chen­den Rege­lun­gen vor­se­hen.

Das nun unter­zeich­ne­te Abkom­men sieht für wesent­li­che Tei­le der schwei­ze­ri­schen Finanz­in­du­strie Ver­ein­fa­chun­gen vor:

  • Sozi­al­ver­si­che­run­gen, die pri­va­ten Vor­sor­ge­ein­rich­tun­gen sowie die Scha­dens- und Sach­ver­si­che­run­gen sind vom Anwen­dungs­be­reich von FATCA aus­ge­nom­men;
  • Kol­lek­tiv­an­la­ge­ve­hi­kel sowie Finanz­in­sti­tu­te mit vor­wie­gend loka­ler Kund­schaft gel­ten unter bestimm­ten Vor­aus­set­zun­gen als FATCA-kon­form und unter­lie­gen nur einer Regi­strie­rungs­pflicht und damit zusam­men­hän­gen­den Pflich­ten (vor­wie­gend lokal bedeu­tet, dass min­de­stens 98 Pro­zent der Kund­schaft aus der Schweiz oder der EU stammt);
  • Die Sorg­falts­pflich­ten für die Iden­ti­fi­ka­ti­on von US-Kun­den, denen die übri­gen schwei­ze­ri­schen Finanz­in­sti­tu­te unter­lie­gen, sind so gestal­tet, dass sie den admi­ni­stra­ti­ven Auf­wand in ver­tret­ba­ren Gren­zen hal­ten.

Das Abkom­men stellt sicher, dass von US-Per­so­nen bei schwei­ze­ri­schen Finanz­in­sti­tu­ten gehal­te­ne Kon­ten ent­we­der mit Zustim­mung des Kon­to­in­ha­bers oder auf dem Amts­hil­fe­weg mit­tels Grup­pen­er­su­chen an die US-Steu­er­be­hör­den gemel­det wer­den. Falls kei­ne Zustim­mung vor­liegt, wer­den Infor­ma­tio­nen nicht auto­ma­tisch, son­dern nur auf der Grund­la­ge der Amts­hil­fe­be­stim­mung des Dop­pel­be­steue­rungs­ab­kom­mens aus­ge­tauscht.

Da FATCA in den USA ab 1. Janu­ar 2014 schritt­wei­se ein­ge­führt wird, sind schwei­ze­ri­sche Finanz­in­sti­tu­te unab­hän­gig von einem Abkom­men Schweiz-USA gezwun­gen, FATCA ab die­sem Datum umzu­set­zen, sofern sie nicht vom US-Kapi­tal­markt aus­ge­schlos­sen wer­den wol­len. Ohne Abkom­men kön­nen sie jedoch nicht von der erleich­ter­ten Umset­zung pro­fi­tie­ren und wür­den dadurch gegen­über Kon­kur­ren­ten auf ande­ren Finanz­plät­zen benach­tei­ligt. Es wäre des­halb wich­tig, dass das Abkom­men ab 1. Janu­ar 2014 in Kraft tre­ten kann.

Auf­grund der zeit­li­chen Dring­lich­keit und Wich­tig­keit hat der Bun­des­rat ent­schie­den, die Ver­nehm­las­sung zum FATCA-Abkom­men sowie zum ent­spre­chen­den Umset­zungs­ge­setz ver­kürzt durch­zu­füh­ren. Die inter­es­sier­ten Krei­se kön­nen innert vier Wochen Stel­lung neh­men.

Um eine rasche Abwick­lung des Geneh­mi­gungs­pro­zes­ses zu ermög­li­chen, hat der Bun­des­rat zudem den Büros der eidg. Räte die Zustel­lung der FATCA-Bot­schaft ange­kün­digt.

Unab­hän­gig von FATCA arbei­ten die bei­den Staa­ten wei­ter nach dem Grund­satz von Treu und Glau­ben zusam­men, um eine Lösung für die Ver­gan­gen­heit zu fin­den. Die Lösung hat sowohl dem ame­ri­ka­ni­schen Geset­zes­voll­zug als auch dem Bedürf­nis der Schweiz nach einer Rege­lung für den Finanz­platz zu genü­gen. In die­sem Zusam­men­hang wer­ten die zustän­di­gen US-Behör­den den er­folg­reichen Abschluss der FATCA-Ver­hand­lun­gen als posi­ti­ves Signal.

Michael Fischer

Posted by Michael Fischer