Gemäss amt­li­cher Mit­tei­lung behan­delt der Kan­ton Zürich zurück­be­zahl­te Retro­zes­sio­nen steu­er­lich wie folgt.

Die Rück­erstat­tung von zu Unrecht erho­be­nen Pro­duk­te-Retro­zes­sio­nen ist steu­er­ba­rer Ver­mö­gens­er­trag. Die Rück­erstat­tung von Ban­ken-Retro­zes­sio­nen ist im Pri­vat­ver­mö­gen ein­kom­mens­steu­er­lich unbe­acht­lich.

Retro­zes­sio­nen sind Ver­gü­tun­gen, die Ban­ken und Pro­duk­te­an­bie­ter Ver­mö­gens­ver­wal­tern für die gene­rier­ten Gebüh­ren ent­rich­ten. Grund­sätz­lich wird zwi­schen Ban­ken-Retro­zes­sio­nen und Pro­duk­te-Retro­zes­sio­nen unter­schie­den.

  • Ban­ken-Retro­zes­sio­nen: Ban­ken ver­rech­nen ihren Kun­den für den Kauf und Ver­kauf von Wert­schrif­ten Gebüh­ren in Form der soge­nann­ten Cour­ta­ge. Einen Teil die­ser Cour­ta­gen lei­ten die Ban­ken den Ver­mö­gens­ver­wal­tern wei­ter, wel­che die Trans­ak­tio­nen ver­an­lasst haben. Die Kun­den bezah­len mit­hin über­höh­te Cour­ta­gen. 
  • Pro­duk­te-Retro­zes­sio­nen: Pro­duk­te­an­bie­ter lei­ten einen Teil der Manage­ment­ge­büh­ren Ver­mö­gens­ver­wal­tern oder Ban­ken wei­ter, wenn sie deren Pro­duk­te in ihren Kun­den­de­pots hal­ten. So wird bei­spiels­wei­se bei Anla­ge­fonds das Fonds­ver­mö­gen peri­odisch mit Ver­wal­tungs­kom­mis­sio­nen bela­stet. Einen Teil die­ser Kom­mis­sio­nen über­wei­sen die Fonds­lei­tun­gen den­je­ni­gen Ban­ken, die die­se Fonds­an­tei­le für ihre Kun­den in deren Depots hal­ten (soge­nann­te Bestan­des­pfle­ge­kom­mis­sio­nen). 

Gemäss bun­des­ge­richt­li­cher Recht­spre­chung müs­sen Ver­mö­gens­ver­wal­ter ihren Kun­den (Auf­trag­ge­bern) ver­ein­nahm­te Retro­zes­sio­nen her­aus­ge­ben, falls die­se nicht rechts­gül­tig dar­auf ver­zich­tet haben (BGer, 22.3.2006, 4C.432/2005) Dies gilt teil­wei­se auch für Ban­ken. So müs­sen Ban­ken ihren Kun­den auch Retro­zes­sio­nen her­aus­ge­ben, die sie bei der Inve­sti­ti­on in Pro­duk­te einer Kon­zern­ge­sell­schaft erhal­ten (BGer, 30.10.2012, 4A_127/2012). Gestützt auf die­se Recht­spre­chung kön­nen Kun­den von Ver­mö­gens­ver­wal­tern und Ban­ken Retro­zes­sio­nen wäh­rend 10 Jah­ren ab deren Erhe­bung zurück­for­dern. Die Rück­erstat­tung von Retro­zes­sio­nen hat die nach­ste­hen­den Steu­er­fol­gen:

  • Ban­ken-Retro­zes­sio­nen sind stets auf über­höh­te Gebüh­ren oder Kom­mis­sio­nen zurück­zu­füh­ren. Die­se Auf­wen­dun­gen ste­hen im Zusam­men­hang mit der Anschaf­fung oder Umla­ge­rung von Wert­schrif­ten und stel­len steu­er­recht­lich damit Anla­ge­ko­sten dar, die im Pri­vat­ver­mö­gen nicht im Sinn von § 30 Abs. 1 StG als pri­va­te Ver­mö­gens­ver­wal­tungs­ko­sten abzugs­fä­hig sind. Dem­entspre­chend führt die Rück­erstat­tung von – zivil­recht­lich zu Unrecht erho­be­nen – Anla­ge­ko­sten im Pri­vat­ver­mö­gen zu kei­nem steu­er­ba­ren Ein­kom­men. Die Rück­erstat­tung von Ban­ken-Retro­zes­sio­nen ist im Pri­vat­ver­mö­gen somit ein­kom­mens­steu­er­lich unbe­acht­lich. 
  • Pro­duk­te-Retro­zes­sio­nen wer­den im All­ge­mei­nen in der Gewinn- und Ver­lust­rech­nung des Anla­ge­pro­dukts als Auf­wand ver­bucht und schmä­lern damit des­sen (steu­er­ba­ren) Ertrag. Wer­den sol­che Pro­duk­te-Retro­zes­sio­nen dem Steu­er­pflich­ti­gen zurück­be­zahlt, han­delt es sich für die­sen folg­lich um steu­er­ba­ren Ver­mö­gens­er­trag im Sinn von § 20 Abs. 1 StG. 

Auf­grund der all­ge­mei­nen Beweis­last­re­gel hat der Steu­er­pflich­ti­ge den Nach­weis zu erbrin­gen, dass es sich bei den zurück­be­zahl­ten Retro­zes­sio­nen um steu­er­lich unbe­acht­li­che Ban­ken-Retro­zes­sio­nen han­delt. Gelingt die­ser Nach­weis nicht, stel­len sie steu­er­ba­ren Ver­mö­gens­er­trag dar.

Michael Fischer

Posted by Michael Fischer