Das BGer hält im vor­lie­gen­den Ent­scheid fest, dass eine Behör­de, die zuwar­tet, bis sich
ein ver­bes­ser­li­cher Feh­ler nicht mehr hei­len lässt, und danach
die Par­tei die Fol­gen die­ses Feh­lers tra­gen lässt, über­spitzt for­ma­li­stisch han­delt. Kon­kret hat­te das Bezirks­ge­richt Hor­gen einen nicht ver­tre­te­nen
Beschwer­de­füh­rer nach Erhalt eines Rechts­mit­tels nicht dar­auf auf­merk­sam
gemacht, dass die Beschwer­de bei der Rechts­mit­tel­in­stanz ein­zu­rei­chen
ist, und es hat die Beschwer­de auch nicht sofort wei­ter­ge­lei­tet.

Das BGer konn­te daher aus­drück­lich offen­las­sen, ob das Schwei­gen der ZPO zur Frist­wah­rung durch Ein­ga­ben, die an eine sach­lich
oder funk­tio­nell unzu­stän­di­ge Behör­de
gerich­tet sind, ein qua­li­fi­zier­tes ist:

Ande­re Bun­des­ge­set­ze ken­nen […] ent­spre­chen­de Nor­men (vgl. Art. 48 Abs. 3 BGG; Art. 32 Abs. 2 SchKG; Art. 91 Abs. 4 StPO [SR 312.0]; Art. 39 Abs. 2 ATSG
[SR 830.1]). Ob das Schwei­gen der ZPO zu die­sen Fra­gen ein
qua­li­fi­zier­tes ist oder ob die ZPO dies­be­züg­lich unvoll­stän­dig ist und
zu ergän­zen wäre, braucht vor­lie­gend nicht beant­wor­tet zu wer­den.
Unab­hän­gig von der Aus­le­gung der ZPO und ins­be­son­de­re unab­hän­gig von der
Fra­ge der Frist­wah­rung durch Ein­rei­chung einer Ein­ga­be bei einer
unzu­stän­di­gen Behör­de hält das Ver­hal­ten der Zür­cher Gerich­te näm­lich
vor Art. 29 Abs. 1 BV nicht stand.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.