Der Bun­des­rat kommt zum Schluss, dass eine Revi­si­on des Stif­tungs­rechts und der Stif­tungs­auf­sicht nicht erfor­der­lich sind. Er bean­tragt des­halb dem Par­la­ment, die Moti­on Lug­in­bühl abzu­schrei­ben.
SR Lug­in­bühl hat­te in sei­ner Moti­on 09.3344 “Stei­ge­rung der Attrak­ti­vi­tät des Stif­tungs­stand­or­tes Schweiz” ver­langt, dass die zivil­recht­li­chen und fis­ka­li­schen Rah­men­be­din­gun­gen für Stif­tun­gen an die euro­päi­sche Ent­wick­lung ange­passt wer­den sol­len. Die Moti­on hat fol­gen­den Wort­laut:

Der Bun­des­rat wird beauf­tragt, vor dem Hin­ter­grund der finanz­po­li­ti­schen und real­wirt­schaft­li­chen Ent­wick­lun­gen, den Stif­tungs­stand­ort Schweiz für in- und aus­län­di­sche Stif­ter und Stif­tun­gen attrak­tiv zu hal­ten. Dies­be­züg­lich wird er ins­be­son­de­re ersucht, Anpas­sun­gen oder Koope­ra­tio­nen an bzw. mit euro­päi­schen Ent­wick­lun­gen vor­zu­neh­men. Die Rah­men­be­din­gun­gen für gemein­nüt­zi­ge För­der­stif­tun­gen wie auch Fami­li­en­stif­tun­gen sind fis­ka­lisch eben­so attrak­tiv aus­zu­ge­stal­ten, wie sie es im benach­bar­ten Aus­land sind. Dann sol­len die Stif­tun­gen aber auch in ihrer gemein­nüt­zi­gen Rol­le mehr Bedeu­tung erlan­gen. Dies­be­züg­lich wird der Bun­des­rat auf­ge­for­dert zu prü­fen, ob von den Stif­tun­gen eine mini­ma­le Aus­schüt­tungs­quo­te fest­zu­schrei­ben ist.

Der Bun­des­rat hält in sei­nem Bericht dazu fest:

[…] Die vom Motio­när gefor­der­ten
Anpas­sun­gen des Stif­tungs­rechts an die euro­päi­schen Ent­wick­lun­gen kön­nen sich
nicht bloss auf zivil­recht­li­che oder fis­ka­li­sche Anpas­sun­gen fokus­sie­ren. Sie haben
zusätz­lich der Dis­kus­si­on über die Cor­po­ra­te Gover­nan­ce, Aspek­ten der
FATF/GAFI bezüg­lich der Bekämp­fung von Geld­wä­sche­rei und Ter­ro­ris­mus­fi­nan­zie­rung sowie Über­le­gun­gen der OECD bezüg­lich der Trans­pa­renz Rech­nung zu
tra­gen. Eine Anglei­chung des schwei­ze­ri­schen Rechts an die euro­päi­schen Vor­ga­ben könn­te zur Fol­ge haben, dass es sei­ne Attrak­ti­vi­tät gegen­über dem Aus­land
ein­büsst, weil es auf­grund einer erhöh­ten Nor­men­dich­te sei­ne cha­rak­te­ri­sti­schen
libe­ra­len Grund­zü­ge
ver­lie­ren wür­de.
Die Ziel­set­zung der Revi­si­on von 2004 (Pa.Iv.
Schie­sser) das Stif­tungs­recht zu libe­ra­li­sie­ren wur­de ange­sichts der posi­ti­ven Ent­wick­lung des schwei­ze­ri­schen Stif­tungs­we­sens erreicht. Eine erneu­te Anpas­sung der
zivil­recht­li­chen Grund­la­gen
wür­de auf wenig Ver­ständ­nis sto­ssen, zumal sich mit
über­eil­ten Mass­nah­men künf­ti­ge (noch unkla­re) Ent­wick­lun­gen im Aus­land nicht
anti­zi­pie­ren las­sen.
Im steu­er­recht­li­chen Bereich könn­te eine Stei­ge­rung der Attrak­ti­vi­tät nur über bi
-
oder mul­ti­la­te­ra­le Abkom­men erfol­gen, deren Inhalt stark von
den kon­kre­ten Ver­hand­lungs­er­geb­nis­sen abhängt, womit auch nicht in jedem Fall
ein posi­ti­ver Effekt für den Stif­tungs­stand­ort Schweiz ein­her­ge­hen muss. In die­sem
Zusam­men­hang ist die Ent­wick­lung in der Euro­päi­schen Uni­on wei­ter zu beob­ach­ten, ins­be­son­de­re was die «Euro­päi­sche Stif­tung» betrifft
.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.