Nach kon­stan­ter Pra­xis des Bun­des­ge­rich­tes ist es Schwei­zer Nota­ren grund­sätz­lich ver­wehrt, ihre Fähig­keits­aus­wei­se in ande­ren Kan­to­nen aner­ken­nen zu las­sen (sie­he nur BGE 128 I 280). Die­ser Recht­spre­chung zufol­ge ist ins­be­son­de­re die Wirt­schafts­frei­heit sowie das Bun­des­ge­setz über den Bin­nen­markt vom 6. Okto­ber 1995 (Bin­ne­markt­ge­setz, BGBM, SR 943.02) auf die nota­ri­el­le Tätig­keit nicht anwend­bar.

Schwei­zer Nota­re haben daher kei­ne Mög­lich­keit, ausser­halb des Kan­tons, in wel­chem sie das Nota­ri­ats­pa­tent erwor­ben haben, tätig zu wer­den. Dies kann zu einer Benach­tei­li­gung der Schwei­zer Nota­re gegen­über Nota­ren aus der EU füh­ren, die gestützt auf das Frei­zü­gig­keits­ab­kom­men (FZA, SR 0.142.112.681) gewis­se Markt­zu­gangs­rech­te in der Schweiz gel­tend machen.

Die Wett­be­werbs­kom­mis­si­on (WEKO) unter­sucht vor die­sem Hin­ter­grund der­zeit, ob die Schwei­zer Nota­re gestützt auf das BGBM von der inter­kan­to­na­len Frei­zü­gig­keit pro­fi­tie­ren kön­nen. Nach Ansicht der WEKO lie­sse sich die Inlän­der­dis­kri­mi­nie­rung der Schwei­zer Nota­re gegen­über den Nota­ren aus der EU mit der Anwen­dung des BGBM auf die nota­ri­el­le Tätig­keit ver­hin­dern. Dies wür­de zu einer Bele­bung des Wett­be­werbs füh­ren, die nach
Auf­fas­sung der WEKO zu begrü­ssen wäre. Die Nach­fra­ger von
Nota­ri­ats­dienst­lei­stun­gen könn­ten etwa auf­grund der beruf­li­chen Mobi­li­tät der Nota­re ein­fa­cher Ver­trä­ge von ausser­kan­to­na­len
Nota­ren beur­kun­den
las­sen und so von einem grö­sse­ren Ange­bot pro­fi­tie­ren.

Die WEKO hat die Kan­to­ne im Rah­men die­ser Unter­su­chung zur Stel­lung­nah­me ein­ge­la­den. Im Anschluss an die Unter­su­chung hät­te die WEKO die Mög­lich­keit, eine Emp­feh­lung abzu­ge­ben oder gegen kan­to­na­le Ent­schei­de gericht­lich vor­zu­ge­hen.

Wei­te­re Infor­ma­tio­nen: Medi­en­mit­tei­lung vom 26. März 2013 (HTML), Ver­nehm­las­sung (PDF)

Oliver Kaufmann

Posted by Oliver Kaufmann

RA Dr. Oliver Kaufmann hat an der Universität Zürich studiert und war danach als wissenschaftlicher Mitarbeiter auf dem Sekretariat der WEKO tätig. Er arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei Streichenberg in Zürich.