Die spätere Klägerin schloss auf Ver­mit­tlung einen Char­ter­ver­trag mit der Eigen­tümerin ein­er Yacht A für eine zwei­wöchtige Ferien­reise zum Preis von USD 177’500. Der Ver­mit­tler unterze­ich­nete den Ver­trag eben­falls, aber — laut AGB — nur mit Bezug auf Kom­mis­sion und Haf­tungsauss­chluss. Vor Antritt der Reise wurde die Yacht A jedoch zu Reparat­u­rar­beit­en trock­en­gelegt. Die Klägerin schloss darauf einen weit­eren, inhaltlich gle­ichen Char­ter­ver­trag mit der Eigen­tümerin der Yacht B (zu ca. USD 100’000), ohne dafür die Dien­ste des Ver­mit­tlers in Anspruch zu nehmen. Später, nach Pan­nen auf Capri ges­tran­det, schloss die Klägerin für den verbleiben­den Teil der Reise einen drit­ten Char­ter­ver­trag mit der Eigen­tümerin der Yacht C, erneut inhalts­gle­ich, zu ca. USD 120’000. Diese Kosten beglich der Ver­mit­tler mit Wis­sen der Klägerin selb­st.

Nach Abschluss der Reise klagte die Klägerin gegen den Ver­mit­tler auf rund USD 120’000. Der Ver­mit­tler ver­langte widerk­lageweise rund USD 80’000. Strit­tig war dabei v.a. die Frage, ob die Char­ter­verträge dem Pauschal­reisege­setz unter­standen (so auf Beru­fung die Cour de Jus­tice GE; zuvor anders das Tri­bunal de pre­mière instance) und die Fol­ge­frage, ob der Ver­mit­tler die höheren Kosten der Yacht C als Ersatz für die man­gel­hafte Yacht B selb­st zu tra­gen hat (vgl. Pau­RG 13).

Das BGer unter­stellt diese Char­ter­verträge dem Pauschal­reisege­setz:

Eine Pauschal­reise i.S.v. Pau­RG 1 set­zt eine Kom­bi­na­tion von (min­destens zwei dieser Leis­tun­gen) Beförderung, Unter­bringung oder anderen touris­tis­chen Dien­stleis­tun­gen — die nicht Neben­leis­tun­gen sein dür­fen — voraus und einen Ver­anstal­ter. der diese Dien­stleis­tun­gen zur Pauschal­reise kom­biniert (Pau­RG 2). Fraglich war hier, ob eine solche Kom­bi­na­tion von Dien­stleis­tun­gen vor­lag. Die Vorin­stanz hat­te dies bejaht, wobei sie die Leis­tun­gen des Per­son­als auf der Yacht als “andere touris­tis­che Dien­stleis­tung” i.S.v. Pau­RG 1 I lit. c qual­i­fiziert hat­te, die überdies nicht blosse Neben­leis­tung sei. Das BGer wider­spricht dem. Die Dien­ste des Per­son­als seien keine eigen­ständi­ge Leis­tung, son­dern ein Erforder­nis für die Ver­wen­dung der Yacht, genau­so wie die Leis­tun­gen des Piloten und des Kabi­nen­per­son­als bei ein­er Flu­greise:

Qu’il y ait un équipage à bord du bateau — ce qui paraît néces­saire pour
une embar­ca­tion de cette taille — n’est qu’une presta­tion acces­soire à
l’usage de la chose. Dans le cas où il est fourni un bil­let d’avion, il
ne viendrait pas à l’idée de dire que la présence de l’équipage est une
presta­tion sup­plé­men­taire parce que le touriste n’est pas obligé de
pilot­er lui-même l’avion. De la même manière, la présence d’un cuisinier, pour un bateau qui doit
pou­voir voguer en pleine mer pen­dant plusieurs jours, appa­raît comme un
com­plé­ment acces­soire et néces­saire pour l’utilisation de la chose. Pour
repren­dre la com­para­i­son précé­dente, fournir un plateau de repas sur un
vol long-cour­ri­er n’est assuré­ment pas une presta­tion touris­tique
prin­ci­pale.  

Damit fragte sich, ob nicht die Yachtreise als solche eine Pauschal­reise sei, weil eine Yacht — eben­so wie ein Wohn­wa­gen — sowohl Trans­port als auch Unter­bringung ermöglicht. Nach der Lehre stellt z.B. eine Kreuz­fahrt eine Pauschal­reise dar. Auch der EuGH hat ver­gle­ich­bar entsch­ieden — und die Recht­sprechung des EuGH ist bei Pauschal­reisen fak­tisch präjudiziell, die Über­nahme Europäis­chen Rechts im Pau­RG also keine sta­tis­che, son­dern eine dynamis­che:

Dans un cas qui con­cer­nait l’organisation d’un voy­age de Tri­este en
Extrême-Ori­ent à bord d’un car­go [d.h eine Frachtschiff­s­reise], la Cour de jus­tice de l’Union
européenne, par arrêt du 7 décem­bre 2010 C-585/08 Peter Pam­mer con­tre Reed­erei Karl Schlüter GmbH & Co. KG et C-144/09 Hotel Alpen­hof GesmbH con­tre Oliv­er Heller, Rec. 2010 I-12527 points 45 et 46, a
con­sid­éré qu’il s’agissait d’un voy­age à for­fait. Comme la volon­té du
lég­is­la­teur a été sur ce point d’adopter des règles qui coïn­ci­dent avec
celles de l’Union européenne, on ne saurait s’écarter sans rai­son
sérieuse de la jurispru­dence européenne. 

Der vor­liegende Fall lässt sich indessen nicht mit ein­er Kreuz­fahrt ver­gle­ichen. Kreuz­fahrten enthal­ten typ­is­cher­weise ein Pro­gramm und wer­den durch Zwis­chen­halte unter­brochen, so dass sich die Reise ins­ge­samt Gesamt­paket zu einem gün­stigeren Preis darstellt. Hier hat­te die Klägerin die Reise zum und vom Hafen selb­st organ­isiert und liess sich auch mit Bezug auf die Yachtreise selb­st kein Pro­gramm zusam­men­stellen, son­dern blieb frei, über den Ver­lauf der Reise zu entschei­den. Sie hat­te mit anderen Worten die Reise selb­st organ­isiert:

En l’espèce, le con­trat ne por­tait pas sur la four­ni­ture d’un voy­age,
mais seule­ment sur la mise à dis­po­si­tion pen­dant un cer­tain temps d’un
bateau avec son équipage et son équipement. Ain­si, il appa­raît que
l’intimée a organ­isé elle-même son voy­age en con­clu­ant les con­trats
néces­saires à cette fin et que la mise à dis­po­si­tion du bateau n’est que
l’un de ces con­trats. Pour ce motif déjà, la loi sur les voy­ages à
for­fait n’est pas applic­a­ble.

Die vor­liegen­den Verträge waren damit nicht Pauschal­reise-, son­dern Char­ter­verträge i.S.v. SSG 94 ff., und zwar nicht zwis­chen der Klägerin und dem Ver­mit­tler, son­dern der Klägerin und den Reed­ern. Damit war die Klage gegen den Ver­mit­tler — der nach den AGB aus­drück­lich nicht Ver­tragspartei war — a pri­ori abzuweisen. Demge­genüber hat­te der Ver­mit­tler Anspruch auf Rück­er­stat­tung der Kosten für Yacht C (OR 412 II i.V.m. OR 402 I).

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.