Das BGer stellt zu sei­ner Pra­xis zur Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis aus­län­di­scher Kon­kurs­ver­wal­tun­gen im vor­lie­gen­den Urteil zunächst Fol­gen­des fest:

In der Tat lässt sich der bis­lang zu die­sem The­ma
ergan­ge­nen Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts nicht ent­neh­men, dass durch
das 11. Kapi­tel des IPRG einer aus­län­di­schen Kon­kurs­ver­wal­tung die
Pro­zess­füh­rung vor schwei­ze­ri­schen Gerich­ten (abge­se­hen von den im
Gesetz aus­drück­lich vor­ge­se­he­nen Befug­nis­sen) gene­rell unter­sagt wer­den
soll­te, so ins­be­son­de­re auch dann, wenn kei­ne Ver­mö­gens­wer­te in der
Schweiz betrof­fen sind
. Das Bun­des­ge­richt erwähn­te immer­hin in einem
publi­zier­ten Ent­scheid, die aus­schliess­li­che Befug­nis des für den
Anschluss­kon­kurs zustän­di­gen schwei­ze­ri­schen Kon­kurs­am­tes, die zur
aus­län­di­schen Kon­kurs­mas­se gehö­ren­den Rech­te aus­zu­üben, sei gege­ben,
soweit es um in der Schweiz gele­ge­nes Ver­mö­gen gehe (BGE 135 III 40 E. 2.5.1 mit Hin­wei­sen). Im Ent­scheid über die Haupt­kla­ge des Beschwer­de­geg­ners führ­te das Bun­des­ge­richt sodann aus, dass die Art. 166 ff. IPRG
“nur grei­fen, wenn in der Schweiz gele­ge­nes Ver­mö­gen zur Mas­se gezo­gen
wer­den soll”, andern­falls es am ter­ri­to­ria­len Bezug zur Schweiz feh­le (BGE 137 III 631
E. 2.3.4).

Die bis­he­ri­ge Pra­xis schliesst eine Pro­zess­füh­rung der aus­län­di­schen Kon­kurs­mas­se also nur inso­weit aus, als es um in der Schweiz gele­ge­nes Ver­mö­gen geht.

Das BGer deu­tet sodann an, dass die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis der
aus­län­di­schen Insol­venz­ver­wal­tung über die­sen Fall hin­aus nicht unbe­dingt beschränkt sein muss:

Aus wel­chem Grund die Pro­zess­füh­rungs­be­fug­nis der
aus­län­di­schen Insol­venz­ver­wal­tung über die­sen Fall hin­aus beschränkt
sein soll­te, ist denn mit Blick auf die Ent­ste­hungs­ge­schich­te des 11.
Kapi­tels des IPRG auch nicht ohne Wei­te­res ersicht­lich: Nach der
Bot­schaft des Bun­des­rats zum IPRG ziel­ten die vor­ge­schla­ge­nen
Bestim­mun­gen des inter­na­tio­na­len Kon­kurs­rechts dar­auf ab, “für das in
der Schweiz befind­li­che Ver­mö­gen eines Gemein­schuld­ners, über den im
Aus­land der Kon­kurs eröff­net wur­de, eine dem schwei­ze­ri­schen Recht
ange­mes­se­ne Ver­tei­lung zu ermög­li­chen.” Die vor­ge­se­he­ne Rege­lung beruh­te
folg­lich — wei­ter in den Wor­ten des Bun­des­rats — “zur Haupt­sa­che auf
den Prin­zi­pi­en der Aner­ken­nung des aus­län­di­schen Kon­kurs­de­krets, der
Rea­li­sie­rung der in der Schweiz gele­ge­nen Akti­ven und deren Aus­lie­fe­rung
an die aus­län­di­sche Kon­kurs­ver­wal­tung” (Bot­schaft vom 10. Novem­ber 1982
zum Bun­des­ge­setz über das inter­na­tio­na­le Pri­vat­recht, BBl I 1982 287
und 449 f.).

Das BGer konn­te die­se Fra­ge aber letzt­lich offen­las­sen. Zwar betraf die vor­lie­gend zu beur­tei­len­de Kla­ge kei­ne in der Schweiz lie­gen­den
Ver­mö­gens­wer­te, “stand aber in engem sach­li­chen Zusam­men­hang zu den
Bestre­bun­gen des Insol­venz­ver­wal­ters ste­hen, in der Schweiz gele­ge­nes
Ver­mö­gen in die Kon­kurs­mas­se ein­zu­be­zie­hen”. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.