Das BGer hat­te im vor­lie­gen­den Urteil erst­mals zu beur­tei­len, ob eine von der Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft geneh­mig­te Kosten­ab­rech­nung eine Schuld­an­er­ken­nung i.S.v. SchKG 82 I (pro­vi­so­ri­schen Rechts­öff­nungs­ti­tel) dar­stellt. Es ver­neint die­se Fra­ge, ent­ge­gen kan­to­na­ler Recht­spre­chung in die­se Rich­tung.

Das BGer hat in BGE 136 III 627 fest­ge­hal­ten, dass eine

[…] Schuld­an­er­ken­nung im Sinn von Art. 82 Abs. 1 SchKG [vor­liegt], wenn dar­aus der vor­be­halts- und bedin­gungs­lo­se Wil­le des
Betrie­be­nen her­vor­geht, dem Betrei­ben­den eine bestimm­te oder leicht
bestimm­ba­re Geld­sum­me zu zah­len. Dabei kann sich die Schuld­an­er­ken­nung
auch aus einer Gesamt­heit von Urkun­den erge­ben, sofern die not­wen­di­gen
Ele­men­te dar­aus her­vor­ge­hen. Dies bedeu­tet, dass die unter­zeich­ne­te
Urkun­de auf die Schrift­stücke, wel­che die Schuld betrags­mä­ssig
aus­wei­sen, klar und unmit­tel­bar Bezug neh­men bzw. ver­wei­sen muss
[…].

Der Betrag der Schuld muss also in den ver­wie­se­nen Doku­men­ten ein­deu­tig bestimmt oder bestimm­bar sein, und zwar im Zeit­punkt der Unter­zeich­nung des ver­wei­sen­den Doku­ments. Wenn das Ver­wal­tungs- und Benut­zungs­re­gle­ment der Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft nur eine all­ge­mei­ne Pflicht zur Betei­li­gung an den gemein­sa­men Kosten und Lasten vor­sieht (ZGB 712h), so geht der Betrag die­ser Kosten und die Ver­tei­lung auf die Mit­ei­gen­tü­mer erst aus der jähr­li­chen Abrech­nung und dem Ver­tei­lungs­plan her­vor, der von der Stock­werk­ei­gen­tü­mer­ge­mein­schaft geneh­migt wer­den muss (ZGB 712m Abs. 1 Ziff. 4). Damit stellt das Regle­ment als sol­ches kei­nen Rechts­öff­nungs­ti­tel dar.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.