B. arbei­te­te seit 1998 im Bun­des­amt X. und war bei der Pen­si­ons­kas­se des Bun­des PUBLICA berufs­vor­sor­ge­ver­si­chert. Die PUBLICA voll­zog auf den 1. Juli 2008 den Wech­sel vom Lei­stungs- zum Bei­trags­pri­mat. Im sel­ben Monat teil­te die PUBLICA der B. mit, sie habe gestützt auf Art. 25 PUBLI­CA-Gesetz Anspruch auf eine Besitz­stands­ga­ran­tie. Ende Febru­ar 2009 ging B. in Pen­si­on. PUBLICA rich­te­te ihr eine jähr­li­che Alters­ren­te sowie eine ein­ma­li­ge Kapi­tal­ab­fin­dung aus. B. bean­trag­te, es sei ihr eine zusätz­li­che Kapi­tal­aus­zah­lung aus­zu­rich­ten.

Das Bun­des­ge­richt hat­te einer­seits zu klä­ren, ob die Besitz­stands­ga­ran­tie gemäss Art. 25 PUBLI­CA-Gesetz auch bei einem teil­wei­sen Kapi­tal­be­zug Anwen­dung fin­det. Wei­ter stell­te sich die Fra­ge, ob die ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Kür­zung des garan­tier­ten Anspruchs nach bis­he­ri­gem Recht vor­zu­neh­men ist. Das Bun­des­ge­richt gab B. Recht, indem es ent­schied, dass sich die Besitz­stands­ga­ran­tie gemäss Art. 25 PUBLI­CA-Gesetz auch auf die Kapi­tal­zah­lung erstreckt, und dass die Kür­zung des Anspruchs nach bis­he­ri­gem Recht vor­zu­neh­men ist (BGer. 9C_687/2012 vom 1. Mai 2013):

5.

5.1 PUBLI­CA-Gesetz, PKBV 1 und VRAB sind
öffent­lich-recht­li­che Erlas­se. Deren Bestim­mun­gen, ins­be­son­de­re Art. 25
PUBLI­CA-Gesetz, sind somit nach den Regeln der Geset­zes­aus­le­gung zu
inter­pre­tie­ren (BGE 138 V 98 E. 5.1 S. 102; 133 V 314 E. 4.1 S. 316 mit Hin­wei­sen). […]

5.2 Der Wort­laut von Art. 25 Satz 1 PUBLI­CA-Gesetz
spricht vom Anspruch auf eine Besitz­stands­ga­ran­tie. Der Anspruch bezieht
sich somit nicht unmit­tel­bar auf die Alters­ren­te nach bis­he­ri­gem Recht,
wie die Vor­in­stanz inso­weit rich­tig erkannt hat. Die bei der Aus­le­gung
eben­falls zu berück­sich­ti­gen­de Über­schrift zu die­ser Bestim­mung
“Garan­tie der Alters­ren­ten für die Über­gangs­ge­ne­ra­ti­on” zeigt indes­sen,
wie die frag­li­che Wen­dung zu ver­ste­hen ist. Danach besteht für den
genann­ten Ver­si­cher­ten­kreis eine sta­ti­sche Besitz­stands­ga­ran­tie im
Umfang von 95 Pro­zent der nach bis­he­ri­gem Recht im Alter von 62 Jah­ren
erreich­ba­ren Alters­ren­te (vgl. auch Urteil 9C_769/2009 vom 9. April 2010
E. 4.1). Mit ande­ren Wor­ten ist die­ser Anspruch Gegen­stand der
Besitz­stands­ga­ran­tie. Die­ses Ver­ständ­nis ergibt sich auch aus der
bun­des­rät­li­chen Bot­schaft, wo etwa von betrags­mä­ssig garan­tier­tem
Besitz­stand bzw. garan­tier­ter Ren­te die Rede ist (BBl 2005 5879 zu Art.
26 und 5914 Ziff. 4.1.1.6). Dabei bedeu­tet sta­ti­sche
Besitz­stands­ga­ran­tie, dass die (nach bis­he­ri­gem Recht erreich­ba­re)
Alters­ren­te grund­sätz­lich auf­grund des zuletzt (ab 1. Janu­ar 2008)
aus­be­zahl­ten Loh­nes fest­ge­setzt wird (BBl, a.a.O.; Art. 13 Abs. 1 und
Art. 32 f. PKBV 1; SVR 2010 BVG Nr. 29 S. 112, 9C_869/2009 E. 2.3). Dass
Art. 25 Satz 1 PUBLI­CA-Gesetz von erreich­ba­rer und nicht von erwor­be­ner
Alters­ren­te spricht, wie in Art. 32 und Art. 33 Abs. 3 PKBV 1,
ist damit zu erklä­ren, dass es die­sen mit dem Lei­stungs­pri­mat eng
ver­knüpf­ten Begriff im neu­en System des Bei­trags­pri­mats nicht mehr gibt.
5.3 Aus dem Vor­ste­hen­den kann indes­sen nicht
gefol­gert wer­den, dass die Besitz­stands­ga­ran­tie nach Art. 25 Satz 1
PUBLI­CA-Gesetz nur und soweit gilt, als eine Alters­ren­te bezo­gen wird,
die (alt­recht­li­che) ein­ma­li­ge Kapi­tal­ab­fin­dung gemäss Art. 35 Abs. 1 PKBV 1
mit­hin nicht dar­un­ter fällt. Gegen­teils wider­sprä­che es dem
Grund­ge­dan­ken der Garan­tie (Schutz der Erwar­tungs­hal­tung ins­be­son­de­re
der akti­ven Ver­si­cher­ten der Über­gangs­ge­ne­ra­ti­on, mit 62 Jah­ren und 40
Ver­si­che­rungs­jah­ren mit vol­lem Ren­ten­ge­nuss in Pen­si­on gehen zu kön­nen;
BBl 2005 5879 zu Art. 26; vgl. auch AB 2006 N 825 [Votum Heim]),
dies­be­züg­lich nach der Form des Bezugs der Alters­lei­stung zu
unter­schei­den. Laut Bot­schaft sol­len “die beim Inkraft­tre­ten die­ses
Geset­zes 55-, aber noch nicht 65-jäh­ri­gen Ver­si­cher­ten noch von den
gel­ten­den gün­sti­ge­ren Moda­li­tä­ten des vor­zei­ti­gen Alters­rück­tritts
ein­schliess­lich der Über­brückungs­ren­te Gebrauch machen kön­nen” (BBl 2005
5879 zu Art. 26). Der Kapi­tal­be­zug ist eine sol­che Moda­li­tät des
Ren­ten­an­spruchs (Urteil des Eidg. Ver­si­che­rungs­ge­richts B 74/03 vom 29.
März 2004 E. 3.3.2), auf die sich die Besitz­stands­ga­ran­tie nach Art. 25
Satz 1 PUBLI­CA-Gesetz somit eben­falls erstreckt. Die Kapi­tal­ab­fin­dung
nach Art. 35 Abs. 1 PKBV 1
ent­spricht denn auch wert­mä­ssig dem nicht bezo­ge­nen Teil der
Alters­ren­te, berech­net anhand der ver­si­che­rungs­tech­ni­schen Unter­la­gen
der Pen­si­ons­kas­se. Im Übri­gen räumt auch die Publi­ca ein, dass in der
Bot­schaft die Begrif­fe Alters­ren­ten und Alters­lei­stun­gen, wor­un­ter nach
bis­he­ri­gem und nach neu­em Recht sowohl die Alters­ren­te als auch die
Kapi­tal­ab­fin­dung fal­len (vgl. Über­schrif­ten 5. Kapi­tel 2. Abschnitt [Art. 32 ff. PKBV 1] und Art. 33 und 35 PKBV 1 sowie 6. Kapi­tel 1. Abschnitt [Art. 36 ff. VRAB] und Art. 39 f. VRAB), nicht immer prä­zi­se ver­wen­det wer­den. […]
5.5 Die Besitz­stands­ga­ran­tie nach Art. 25 Satz 1
PUBLI­CA-Gesetz gilt somit nicht nur und soweit, als eine Alters­ren­te
bezo­gen wird, son­dern kommt auch bei einem teil­wei­sen Kapi­tal­be­zug im
Rah­men von Art. 35 Abs. 1 PKBV 1 zum Tra­gen.
6.
6.1 Gemäss Art. 25 Satz 2 PUBLI­CA-Gesetz ist der in
Satz 1 garan­tier­te Anspruch bei frei­wil­li­ger vor­zei­ti­ger Pen­sio­nie­rung
vor dem voll­ende­ten 62. Alters­jahr ver­si­che­rungs­ma­the­ma­tisch zu kür­zen.
Nach wel­chem Recht und wie die Kür­zung vor­zu­neh­men ist, wird nicht
gesagt. […]
6.2 Im Urteil 9C_690/2012 vom 5. April 2013 hat das Bun­des­ge­richt
ent­schie­den, dass (auch) die ver­si­che­rungs­ma­the­ma­ti­sche Kür­zung des
garan­tier­ten Anspruchs (von 95 Pro­zent der nach bis­he­ri­gem Recht im
Alter von 62 Jah­ren erreich­ba­ren Alters­ren­te) gemäss Art. 25 Satz 2
PUBLI­CA-Gesetz nach dem bis­he­ri­gem Recht vor­zu­neh­men ist. Anwend­bar ist
somit Art. 33 Abs. 4 PBKV 1. […]
Roland Bachmann

Posted by Roland Bachmann

Roland Bachmann ist Partner bei Nater Dallafior Rechtsanwälte AG. Sein Schwerpunkt als Wirtschaftsanwalt ist die Prozessführung. Vor seiner Tätigkeit in der Advokatur arbeitete Roland Bachmann als juristischer Sekretär des Obergerichts Zürich und des Bezirksgerichts Zürich. Er studierte an den Universitäten von Zürich, Tours (Frankreich) und Ann Arbor in Michigan (USA).