Im Ent­scheid 2C_119/2013 (amtl. Publ.) hat­te das Bun­des­ge­richt die Gele­gen­heit, sich zur Par­tei­stel­lung eines Anzei­ge­er­stat­ters zu äussern. Kon­kret zu beur­tei­len war die Par­tei­stel­lung eines Bank­kun­den, wel­cher bei der FINMA eine Anzei­ge gegen eine Bank ein­ge­reicht hat­te.

Das Bun­des­ge­richt fass­te sei­ne Recht­spre­chung zur Stel­lung des Anzei­ge­er­stat­ters zusam­men und hielt fol­gen­des fest: Der­je­ni­ge, der bei einer Auf­sichts­be­hör­de eine Anzei­ge erstat­te, erwer­be noch kei­ne Par­tei­stel­lung; dass er “beson­ders berührt” sei, genü­ge für sich allei­ne nicht; zusätz­lich sei ein schutz­wür­di­ges Inter­es­se erfor­der­lich; es gebe kei­ne rechts­lo­gisch strin­gen­te, son­dern nur eine prak­tisch ver­nünf­ti­ge Abgren­zung zur Popu­lar­be­schwer­de oder zur Auf­sichts­be­schwer­de, die dem Anzei­ger kei­ne Par­tei­stel­lung ver­schaf­fe; wo die­se Gren­ze ver­lau­fe, sei für jedes Rechts­ge­biet geson­dert zu beur­tei­len; weg­lei­tend dafür sei­en nament­lich einer­seits die Mög­lich­keit, den ange­streb­ten Erfolg auf einem ande­ren Weg zu errei­chen (z.B. zivil- oder straf­recht­lich) und ande­rer­seits das Anlie­gen, die Ver­wal­tungs­tä­tig­keit nicht über­mä­ssig zu erschwe­ren; im Rah­men der Ban­ken- und Finanz­markt­auf­sicht rei­che es dazu nicht, dass der Anzei­ger Anle­ger oder Kun­de bei der betref­fen­den Bank sei; viel­mehr müs­se er glaub­haft nach­wei­sen, inwie­fern sei­ne Rech­te als Anle­ger kon­kret ver­letzt sei­en und er des­halb ein eige­nes, unmit­tel­ba­res schutz­wür­di­ges Inter­es­se an einer auf­sichts­recht­li­chen Unter­su­chung oder einer bestimm­ten Mass­nah­me habe (vgl. E. 3 mit Ver­wei­sen auf die bis­he­ri­ge Recht­spre­chung des Bun­des­ge­richts).

Im vor­lie­gen­den Fall ver­nein­te das Bun­des­ge­richt die Par­tei­stel­lung des anzei­ge­er­stat­ten­den Bank­kun­den.

Wei­ter äusser­te sich das Bun­des­ge­richt zur Rechts­na­tur von For­de­run­gen von Bank­kun­den, zum Schutz­zweck der Finanz­auf­sicht bzw. zum Zusam­men­spiel zwi­schen Auf­sichts­recht und Zivil­recht: Der Anzei­ge­er­stat­ter hat­te gel­tend gemacht, die frag­li­che Bank habe unrecht­mä­ssig Publi­kums­ein­la­gen ent­ge­gen­ge­nom­men, wor­aus sich ein “öffent­lich-recht­li­cher Anspruch auf Rück­erstat­tung der ohne Bewil­li­gung ent­ge­gen­ge­nom­men Mit­tel” erge­be. Das Bun­des­ge­richt stell­te dem­ge­gen­über klar, die Bezie­hun­gen zwi­schen einem Bank­kun­den und der Bank unter­stün­den dem Zivil­recht und dar­aus ent­ste­hen­de For­de­run­gen sei­en auf dem Zivil­rechts­weg gel­tend zu machen. Wei­ter hielt das Bun­des­ge­richt fest, die Finanz­markt­auf­sicht bezwecke gemäss Art. 7 FINMAG zwar auch den Anle­ger- bzw. Ein­le­ger­schutz, blei­be jedoch eine öffent­lich-recht­li­che, wirt­schafts­po­li­zei­li­che Auf­ga­be; weder kön­ne der Anle­ger oder Gläu­bi­ger aus Art. 31 FINMAG einen Rechts­an­spruch auf ein Tätig­wer­den der FINMA ablei­ten, noch sei die FINMA befugt, anstel­le der Zivil­ge­rich­te über zivil­recht­li­che Ansprü­che Drit­ter gegen die Bank zu ent­schei­den. Ins­ge­samt kam das Bun­des­ge­richt zum Schluss, die auf­sichts­recht­li­che Tätig­keit ver­bes­se­re “höch­stens die Rah­men­be­din­gun­gen, um die zivil­recht­li­chen For­de­run­gen durch­zu­set­zen” (E. 4.2 mit wei­te­ren Aus­füh­run­gen und Hin­wei­sen auf Leh­re und Recht­spre­chung).

Claudio Kerber

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RA lic.iur. Claudio Kerber arbeitet als Rechtsanwalt und Partner bei der Kanzlei Werder Viganò AG. Er ist Ko-Autor von Lehrwerken zum Wertpapierrecht (2005) und Finanzmarktrecht (2015).