Das BGer ver­neint das Recht zur Kün­di­gung eines lang­fri­sti­gen Illu­stra­ti­ons­ver­trags aus wich­ti­gem Grund durch die Illu­stra­to­ren. Uner­laub­te Ver­än­de­run­gen der Illu­stra­tio­nen durch Drit­te wogen hier — im Rah­men einer Inter­es­sen­ab­wä­gung — nicht schwer genug.

Coop hat­te für die Lan­cie­rung des JaMa­Du-Pro­dukt­pro­gramms einer Wer­be­agen­tur mit der Idee eines Roten Vari (ein mada­gas­si­scher Lemur) den Zuschlag gege­ben. Für die Umset­zung die­ser und wei­te­rer Figu­ren zog die Agen­tur zwei Illu­stra­to­ren bei, die die Vari-Figu­ren exklu­siv gestal­ten soll­ten und alle Imma­te­ri­al­gü­ter­rech­te an den Illu­stra­tio­nen an die Auf­trag­ge­be­rin abtra­ten, wobei die Abtre­tung unter der reso­lu­ti­ven Bedin­gung stand, dass der Ver­trag min­de­stens bis zu einem bestimm­ten Datum in Kraft blieb. Zudem ver­zich­te­ten die Illu­stra­to­ren auf die Gel­tend­ma­chung von Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­ten.

JaMa­Du-Vari

Spä­ter ent­stand ein Streit zwi­schen den Illu­stra­to­ren und der Wer­be­agen­tur, weil Coop im Rah­men der Umset­zung des Pro­gramms diver­se wei­te­re Par­tei­en
bei­ge­zo­gen hat­te und eini­ge davon offen­bar Varis ent­ge­gen der Exklu­si­vi­tät gestal­tet oder ver­än­dert hat­ten.

In der Fol­ge kün­dig­ten die Illu­stra­to­ren den Ver­trag mit der Wer­be­agen­tur frist­los aus wich­ti­gem Grund. Dadurch ent­fiel nach Auf­fas­sung der Illu­stra­to­ren die Abtre­tung der Urhe­ber­rech­te (Erfül­lung einer Reso­lu­tiv­be­din­gung). Die Klä­ger reich­ten in der Fol­ge Besei­ti­gungs- und Unter­las­sungs­kla­ge (mit einem stu­fen­wei­sen Begeh­ren auf Rech­nungs­le­gung und nach dem Beweis­ver­fah­ren alter­na­tiv Scha­den­er­satz oder Gewinn­her­aus­ga­be­an­spruch) gegen Coop ein (im Ent­scheid fin­det sich das aus­führ­li­che Rechts­be­geh­ren). Das OGer ZH hat­te die Figu­ren zwar als Wer­ke iS des URG ange­se­hen, die Kla­ge aber abge­wie­sen, weil die Kün­di­gung nicht berech­tigt gewe­sen sei.

Das BGer fasst zunächst die all­ge­mei­nen Vor­aus­set­zun­gen des Kün­di­gungs­rechts aus wich­ti­gem Grund bei Dau­er­ver­trä­gen zusam­men. Die kan­to­na­len Instan­zen — bzw. hier die ein­zi­ge kan­to­na­le Instanz — haben bei der ent­spre­chen­den Prü­fung Ermes­sens­spiel­raum, in wel­chen das BGer nicht ohne Not ein­greift; so auch hier.

Die Ver­trags­ver­let­zun­gen sei­en gering­fü­gig, aus fol­gen­den Grün­den:

  • Ver­let­zung des Rufs der Illu­stra­to­ren durch “dilet­tan­ti­sche” Ver­än­de­run­gen: nicht sub­stan­ti­iert;
  • im Ver­trag wur­de eine (nur reso­lu­tiv beding­te) Rech­te­über­tra­gung und der Ver­zicht auf Aus­übung der Urhe­ber­per­sön­lich­keits­rech­te (von denen nach einem neu­en Ent­scheid des OGer ZH min­de­stens bestimm­te Rech­te über­trag­bar sind) vor­ge­se­hen. Damit ver­lo­ren die Klä­ger den urhe­ber­recht­li­chen Ein­fluss auf ihre Figu­ren. Die Aus­schliess­lich­keits­klau­sel dien­te also nicht dem Repu­ta­ti­ons­schutz, son­dern zur Siche­rung zusätz­li­cher Auf­trä­ge. Ruf­ver­let­zun­gen konn­ten die Aus­schliess­lich­keits­klau­sel daher auch nicht ernst­haft ver­let­zen, und Urhe­ber­rechts­ver­let­zun­gen konn­ten auf­grund der Über­tra­gung nicht berück­sich­tigt wer­den;
  • bei einer Ent­stel­lung der Figu­ren hät­ten sich die Illu­stra­to­ren nach URG 11 II weh­ren kön­nen;
  • Inter­es­sen­ab­wä­gung: die Inter­es­sen von Coop (Wei­ter­füh­rung des Pro­gramms mit den Figu­ren) und der Wer­be­agen­tur (Risi­ko von Scha­den­er­satz­zah­lun­gen) über­wo­gen jene der Illu­stra­to­ren, denen sogar bezahl­te Kor­rek­tur­auf­trä­ge ange­bo­ten wor­den waren. 
David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.