Gemäss SchKG 43 ist die Kon­kurs­be­trei­bung aus­ge­schlos­sen, wenn zwei Vor­aus­set­zun­gen kumu­la­tiv erfüllt sind: Die For­de­rung beruht auf öffent­li­chem Recht, und der Gläu­bi­ger ist eine Anstalt des öffent­li­chen Rechts. Im vor­lie­gen­den Ver­fah­ren hat­te sich die auf Kon­kurs Betrie­be­ne auf die­se Bestim­mung beru­fen, obwohl die Gläu­bi­ge­rin als Stif­tung Auf­fang­ein­rich­tung BVG pri­vat­recht­lich orga­ni­siert ist. Die Vor­in­stanz, das OGer BE, hat­te des­halb die Beru­fung auf SchKG 43 abge­wie­sen.

Das BGer schützt die­ses Urteil. SchKG 43 ist als Aus­nah­me­be­stim­mung SchKG 43 eng aus­zu­le­gen. Rechts­sub­jek­te des Pri­vat­rechts (z.B. zur Durch­füh­rung der obli­ga­to­ri­schen Kran­ken­ver­si­che­rung) fal­len nicht unter sie. Dazu kommt, dass in den Räten die Fra­ge behan­delt wor­den ist, ob sämt­li­che öffent­lich­recht­li­che For­de­run­gen von der Kon­kurs­be­trei­bung aus­ge­nom­men wer­den sol­len. Man hat dies abge­lehnt, weil eine der­ar­ti­ge Pri­vi­le­gie­rung der öffent­lich­recht­li­chen For­de­run­gen zu Lasten der übri­gen, ins­be­son­de­re pri­vat­recht­li­chen Gläu­bi­ger nicht geför­dert wer­den sol­le.

Die Beru­fung auf SchKG  im vor­lie­gen­den Fall lie­fe aber dar­auf hin­aus,

auf dem Wege der Recht­spre­chung den dis­ku­tier­ten, aber ver­wor­fe­nen par­la­men­ta­ri­schen Geset­zes­vor­schlag ein­zu­füh­ren. Es gibt kei­nen Grund, über die vom Gesetz gefor­der­ten Vor­aus­set­zun­gen hin­weg­zu­se­hen […], wenn mit der Revi­si­on von 2003 die Ver­mei­dung wei­ter­ge­hen­der Ungleich­be­hand­lung zwi­schen (pri­va­ten und öffent­lich­recht­li­chen) For­de­run­gen […] und die restrik­ti­ve Aus­le­gung von Art. 43 Ziff. 1 SchKG […] bestä­tigt wur­de.

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.