Das BGer fasst im vor­lie­gen­den Urteil sei­ne Recht­spre­chung zur Beschwer­de­be­rech­ti­gung der Kon­kurs­ver­wal­tung zur Beschwer­de an die kan­to­na­len Auf­sichts­be­hör­den bzw. das
Bun­des­ge­richt zusam­men. Grund­sätz­lich ist sie nur dann legi­ti­miert, wenn sie Inter­es­sen
der Kon­kurs­mas­se und damit der Gesamt­heit der Gläu­bi­ger gel­tend macht oder wenn sie fis­ka­li­sche bzw. gebüh­ren­recht­li­che
Inter­es­sen wahr­nimmt:

2.1 Ob sich eine Kon­kurs­ver­wal­tung auf die Inter­es­sen
der Gesamt­heit der Gläu­bi­ger beru­fen kann, hat ver­schie­dent­lich Anlass
zur Recht­spre­chung gege­ben. Die Kon­kurs­ver­wal­tung macht die Inter­es­sen
der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit
gel­tend, wenn sich der Streit vor der
Auf­sichts­be­hör­de z.B. um die Fra­ge dreht, ob die Kon­kurs­ver­wal­tung
ver­pflich­tet wer­den kann, für einen Kon­kurs­gläu­bi­ger bei der
Depo­si­ten­an­stalt eine Divi­den­de zu hin­ter­le­gen (BGE 40 III 441 E. 1 S. 443), oder wenn die Auf­sichts­be­hör­de einen Stei­ge­rungs­zu­schlag (BGE 97 III 89 E. 1 S. 96), eine Siche­rungs­mass­nah­me betref­fend das Kon­kurs­ver­mö­gen (BGE 116 III 32 E. 1 S. 34) oder einen Gläu­bi­ger­be­schluss auf­ge­ho­ben hat (BGE 103 III 79
E. 1 S. 81). Die Beru­fung auf Inter­es­sen der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit genügt
hin­ge­gen nicht, wenn sich die Kon­kurs­ver­wal­tung gegen die von der
Auf­sichts­be­hör­de auf­er­leg­te Ver­pflich­tung wehrt, den Abschluss eines
Ver­gleichs den Gläu­bi­gern vor­zu­schla­gen (Urteil 7B.116/2002 vom 10.
Sep­tem­ber 2002 E. 2; vgl. HUNKELER, Beschwer­de­be­fug­nis der
Kon­kurs­ver­wal­tung, in: jus­let­ter 14. Okto­ber 2002), oder wenn sie mit
einem Beschluss der ihr über­ge­ord­ne­ten Gläu­bi­ger­ver­samm­lung nicht
ein­ver­stan­den ist (vgl. JAEGER, Schuld­be­trei­bung und Kon­kurs, Bd. I,
1911, N. 2 zu Art. 17, S. 30).

Im vor­lie­gen­den Fall hat die Kon­kurs­ver­wal­tung einen Ent­scheid ange­foch­ten, mit dem fest­ge­hal­ten wor­den war, dass der Ent­scheid über die
Gel­tend­ma­chung bzw. Pro­zess­füh­rung von strit­ti­gen Ansprü­chen
nicht in
den Anwen­dungs­be­reich von Art. 243 Abs. 1 SchKG
fal­le, son­dern dass über das Vor­ge­hen ein Gläu­bi­ger­be­schluss her­bei­zu­füh­ren
sei. Damit waren vom Kon­kurs­amt erteil­te “Ermäch­ti­gun­gen zur Pro­zess­füh­rung” man­gels Zustim­mung der Gläu­bi­ger­ver­samm­lung wir­kungs­los. Die­ser
Ent­scheid ver­letzt die recht­li­chen
Inter­es­sen der Gläu­bi­ger­ge­samt­heit nicht, so
dass der Kon­kurs­ver­wal­tung die Wei­ter­zie­hung ver­sagt ist. Das BGer tritt auf des­sen Beschwer­de des­halb nicht ein. 

David Vasella

Posted by David Vasella

RA Dr. David Vasella ist Gründer von swissblawg und Rechtsanwalt und Counsel bei Walder Wyss. Er ist auf IT-, Datenschutz- und Immaterialgüterrecht spezialisiert, betreibt den Blog daten:recht und ist Lehrbeauftragter der Universität Zürich.